Ausgabe: 04 / 1997
Seite: 6

Leeres Feld, nur wildes Gras

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Aus meiner Sicht gibt es nur eine einzige seriöse und den gegebenen Bewußtseinslagen in der BRD adäquate und gerecht werdende Lösung: ein Gebäude für die vollständige Dokumentation der nunmehr zehnjährigen Diskussion um die Errichtung des "Denkmals für die ermordeten Juden Europas", möglicherweise als Kern eines zukünftigen Museums. Ergänzt werden könnte ein solcher Ort der aktiven Erinnerungsarbeit durch den Wettbewerbsvorschlag "BUS-STOP", der die unmittelbare Verknüpfung und Vermittlung der täglichen Arbeit mit konkreten Orten des Gedenkens herstellen kann.

Kein Denkmal zu bauen istjedenfalls allemal besser als ein solch politisch eigentlich ungewollter und nur auf der Basis eines schlechten Gewissens durchgesetzter Erinnerungsort. Thomas Al. Greifeld, Kiel Ich denke schon, daß es gut ist, ein "Mahnmal" zu errichten und auch wichtig, daß es den Regierenden unseres Landes vor Augen ist. Aber die Monumentalität der beiden Modelle erschlägt. Zum einen haben wir genug dieser Art im Lande; zum anderen müßte es ein Ort der Stille sein, an dem jeder innehält und nachdenklich wird. Mein Vorschlag: ein leeres (wüstes) Feld, eingegrenzt von Stelen - ähnlich Grenzpfählen. Allenfalls könnte man die Fläche mit wildem Gras oder Wildblumen bepflanzen, deren Samen in jedem Herbst vom Wind ins Weite verstreut werden. Ju Sobing, Künstlerin, Radebeul