Ausgabe: 01 / 1996
Seite: 99
Eine Gegenschau untermauert den Besitzanspruch der Holländer
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Beutekunst: Sammlung Koenigs zu Gast in Moskau
lch fürchte weder die Kritik noch den politischen Druck", sagt Jekaterina Genijewa, Direktorin der Staatlichen Russischen Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau. In einem immer stärker von nationalistischen Parolen bestimmten Klima wagt sich die Vermittlerin mutig aufs Glatteis: Als Antwort auf die Ausstellung von 307 verschleppten Zeichnungen aus der niederländischen Sammlung Koenigs im Moskauer Puschkin-Museum (ART 10/1995) öffnet die Bibliotheksleiterin nun ihr Haus für eine Schau von 30 sogenannten "Gegenstücken" (so heißt die Ausstellung) aus dem Rotterdamer Museum Boymans-van Beuningen. Ein Teil der 2671 Werke der Kollektion war im nationalsozialistisch besetzten Holland an Hitlers Sonderbeauftragten verkauft und nach Deutschland gebracht worden; bei Kriegsende fielen 526 davon in die Hände von Rotarmisten.
Mit der Schau in der Bibliothek wollen die Holländer ihren Anspruch auf Rückgabe der Beute-Kunst untermauern. Bis zum 21. Januar sind unter anderem Aquarelle und Zeichnungen von Albrecht Dürer, Tintoretto, Rembrandt, Eugene Delacroix und Antoine Watteau zu sehen.
Zwei der Bilder hatten selbst zum Beutegut gehört: Dürers "Heilige Familie" war den Niederländern 1987 von der DDR-Regierung übergeben worden; Hans Baldungs "Maria, das Christuskind säugend" kam 1991 nach dem Urteil eines New Yorker Gerichts aus einer amerikanischen Privatsammlung in die Hauptkollektion zurück.
"Ja, es ist eine Provokation", kommentiert Jennes de Mol, niederländischer Kulturattache in Moskau, die Ausstellung. "Aber wir sind zuerst provoziert worden." Trotz entsprechender Abmachungen, so erläutert de Mol, wurden die Holländer bei den Vorbereitungen zur Ausstellung im Puschkin-Museum nicht konsultiert; ihr Angebot, dem Puschkin-Museum 14 ergänzende Bilder aus Rotterdam zur Verfügung zu stellen, wurde schlicht ignoriert. Gregory Ingleright
