Ausgabe: 01 / 1996
Seite: 104

Im Garten liegt die Schwelle zu Albert Einsteins Geburtshaus

Von

Sammlungen: Privatschau im Wohnhaus von Max Bill

Gut ein Jahr nach dem Tod von Max Bill im Dezember 1994 öffnet jetzt die Witwe

Angela Thomas Bill das Wohn- und Atelierhaus des Schweizer Malers, Plastikers,

Designers, Architekten und Kunsttheoretikers bis zum 30. April als Ausstellungsraum. Der locker in die Hanglage eingepaßte, mehrstöckige Baukomplex in Zumikon über

dem Zürcher See wurde 1967/68 von Bill selbst entworfen.

Die Kunsthistorikerin Angela Thomas Bill hat die Vergangenheit ausziehen

lassen; In den leeren Räumen arrangierte sie 21 abstrakte Arbeiten von 15

Künstlern uin drei Werke des früheren Hausherrn, darunter "well-relief' und

"lange plastik" aus den frühen dreißiger Jahren, als Bill der Pariser Gruppe

"Abstraction-Creation" angehörte. Die nach persönlichen Gesichtspunkten zusammengestellte Hausausstellung

konzentriert sich auf den Bereich konkret-konstruktiver Kunst: Ingeborg Lüschers

Asche- und Schwefelblöcke treffen etwa aufeine Wandarbeit von Sol LeWitt;

gezeigt werden auch Arbeiten von Carl Andre, Luciano Fabro, Jan Dibbets und Rolf

Bendgens. Im terrassierten Garten führt der Weg zum "Flußkreis" von Richard Long und zu

einem rosafarbenen Granit-Findling aus Schweden, inszeniert von dem Japaner

Takashi Naraha. Unweit von Bills Skulptur "zwilling als viertelskugel" (1968) liegt eine

verwitterte Steinschwelle aus Albert Einsteins Geburtshaus. Bill brachte die Devotionalie einst aus Ulm mit, wo er zwischen 1951 und 1956

Rektor der Hochschule für Gestaltung war. Max Bills Präsenz ist unaufdringlich. Seine Handschrift hat er in der Lichtführung und im Raumkonzept hinterlassen,

den eigentlichen Dominanten der Ausstellung. Parallel zur Schau sind bei der Zürcher Galerie Jamileh Weber bis 2. März Werke aus dem Besitz von Angela Thomas Bill zu sehen. Juri Steiner