Ausgabe: 01 / 1996
Seite: 111

Zaubertricks in Schwarzweiß

Von

Peter Weiermair (Hrsg.): Arthur Tress. Edition Stemmle, Kilchberg. 144 Seiten mit 103 Abbildungen. 98 Mark

Im Schlafzimmer kräht ein Hahn, auf dem Mann im Bett steht ein Schaf, unterm

Bügeleisen ruht eine Hand - die Welt steht kopfauf den Fotografien von Arthur

Tress. Mit surrealen Bildern, die auf skurrile Weise von Tod und Verfall, erotischen

Phantasien und grotesken Träumen erzählen, ist der 1940 in Brooklyn geborene

Künstler in den siebziger Jahren bekannt geworden; er gilt seither als einer der

wichtigsten Vertreter der inszenierten Fotografie.

Einen "Zauberer, der dem Betrachter den Boden unter den Füßen wegzieht", nennt

Peter Weiermair den Künstler. Der Leiter des Frankfurter Kunstvereins hat Bilder aus zum Teil längst

vergriffenen Sammelbänden zusammengestellt - darunter erste

humorvoll-melancholische Kameraversuche des Teenagers, poetische Aufnahmen von

Kindern in traumähnlichen Sequenzen, groteske Familieninszenierungen und

männliche Aktfotos zwischen schwüler Erotik und schwarzem Htunor. ObwoM die Bilder allein schon voller Geschichten stecken, hätte der Textteil

ruhig etwas informativer ausfallen dürfen. Immerhin besteht keine Gefahr, daß die Magie in Kommentaren erstickt: Liebhaber

des doppelbödigen Spiels können sich von immerwieder überraschenden

verführen lassen. Karin Liebe