Ausgabe: 01 / 1996
Seite: 107

Dokumente voll Blut, Schweiß und Tränen

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Kunsthandel: Christie's versteigerte Druckformen

Jahrezehntelang lagen die 47 Kupferplatten des Haarlemer Künstlers Adriaen van Ostade (1610 bis 1685) vergessen im Wäscheschrank einer niederländischen Familie-jetzt sorgten sie bei Christieh in Amsterdam flir eine Sensation: Das Auktionshaus versteigerte die Druckplatten für umgerechnet rund 1,8 Millionen Mark. Eine einzige Vorlage, die zur "Spinnenden Frau", ging mit 23 000 Mark an einen Schweizer Sammler; die restlichen 46 Platten, darunter auch das mit 100000 Mark teuerste Stück "Geigenspieler und Junge mit Drehorgel", brachte der Maastrichter Kunsthändler Robert Moortman in seinen Besitz. Nur zwei Tage später hatte er sieben dieser Platten weiterverkauft. Angesichts der Nachfrage findet der Kunsthändler den Preis für die Sammlung "ziemlich billig". Für Christie's aber bot sich wenig Vergleichsmöglichkeit: Druckplatten galten bislang kaum als handelbare Kunstwerke; nur das Auktionshaus Sotheby's hatte vor zwei Jahren schon einmal 75 Druckplatten von Rembrandt auf den amerikanischen Markt gebracht - und sie für Preise zwischen 20 000 und 145000 Mark verkauft.

"Druckplatten sind nicht nur schön, sie sind auch Dokumente und Werkzeuge", meint Noortman, "an ihnen kleben Blut, Schweiß und Tränen des Künstlers " " Kerstin Schweighöfer