Ausgabe: 01 / 1996
Seite: 107

Geringe Nachfrage nach den Stars der achtziger Jahre

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Auktionen: Autschwung in New Vork

Es waren die erfolgreichsten Wochen für die Auktionshäuser Christieb und Sotheby's seit Beginn der Kunstmarktkrise. Erstmals seit Mai 1990 überschritten beide Häuser in ihren Abendauktionen moderner und impressionistischer Kunst die Grenze von 100 Millionen Dollar: Christie's setzte 107,7 Millionen Dollar (rund 161 Millionen Mark) um, Sothebyb gar 113,7 Millionen Dollar (rund 170 Millionen Mark). Dafür mußte Sotheby's 26 Prozent seiner Werke wieder mitnehmen, während Christie's nur fünf Prozent Rückgänge verzeichnete.

Die Versteigerungen zeigten jedoch, daß die Kluft zwischen der Klassischen Moderne und zeitgenössischen Werken größer geworden ist. Vincent van Goghs Landschaft "Wäldchen" von 1890 brachte mit 27 Millionen Dollar (rund 40 Millionen Mark) bei Sotheby's mehr als das Doppelte seines Schätzwertes und wurde damit das teuerste Bild der beiden Auktionswochen. Pablo Picassos "Der Spiegel", ein Gemälde seiner schlafenden Geliebten Marie-Therese Walter von 1932, erzielte bei Christie's 20 Millionen Dollar (rund 30 Millionen Mark), fünf Millionen mehr als erwartet. Überhaupt dominierte Picasso den Verkauf. Seine Werke machten in beiden Häusern fast ein Viertel des Angebots aus und erzielten insgesamt 55,5 Millionen Dollar (83 Millionen Mark). "Picasso hat einen breiteren Markt als jeder andere Künstler", erklärt Diana Brooks, Chefin bei Sotheby's, die ungebrochene Nachfrage. Ein gleichwertiges Angebot gab es bei den Auktionen zeitgenössischer Kunst nicht. Die Umsätze bei Sotheby's beliefen sich auf knapp 20 Millionen Dollar, bei Christie's auf 14,5 Millionen Dollar (30 Millionen Mark beziehungsweise 21,7 Millionen Mark) - bei kleineren Arbeiten erreichten die Zuschläge meist kaum die Hälfte des Erlöses, den sie Ende der achtziger Jahre auf dem Höhepunkt des Marktes erzielten. Zwar übertraf Jasper Johns' Arbeit "Winter" (1986) aus der Serie "Vier Jahreszeiten" bei Sotheby's mit drei Millionen Dollar (4,5 Millionen Mark) den erwarteten Erlös von 2,2 Millionen Dollar, doch fanden die einstigen Stars des Kunstmarkts wie Jeff Koons, Julian Schnabel und Eric Fischl kaum Bieter. "Es gibt viele potentielle Käufer", sagt Diana Brooks",doch man muß wirklich großartige Arbeiten haben, um auf dem Markt erfolgreich zu sein." Susanne Lingemann