Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 3

Liebe Leserin, lieber Leser

Von Axel Hecht

Wie ein häßlicher Schatten lag die Rezession über New York, lähmte die Wirtschaft, dämpfte aber auch die Kunstszene.Auf die überhitzten Bietgefechte in den Auktionssälen und die glamourösen Kunstfeste zu den " Ausstellungseröffnungen folgte der tiefe Fall.Bis in die Ateliers kroch der Geruch der Krise vor.

Doch New York ist wieder da.Die Stadt am Hudson wird wieder vital, und der Aufbruch hat auch die Kunstszene erfaßt.Wo Erwartung aufkeimt und neue Kraft die Atelier- und Galerielandschaft belebt, sah die Redaktion ihre Chance, am Wandel teilzuhaben und nach der Premiere von 1984 zum zweiten Mal ein New-York-Heft vorzulegen. Die Veränderungen sind augenfällig: Der leichtlebigen Euphorie und der großen Geste in den achtziger Jahren sind Ernsthaftigkeit und skeptisches Forschertum gefolgt.Krankheiten wie Aids beeinflussen das Lebensgefühl der Menschen, der Wille, sich politisch korrekt zu verhalten und jegliche Diskriminierung zu vermeiden, prägt die Gesellschaft.Doch die neue Haltung, von jungen Künstlerinnen und Künstlern in die Szene eingebracht, schafft auch Reibungsflächen und setzte Konflikte frei.Die Redaktion hat die Bruchstellen nicht verkittet, sondern die Widersprüche in Interviews, Porträts und Kommentaren klar herausgearbeitet. Die großen Kunsthäuser haben auch nach der Krise nicht an Kraft und Attraktion verloren.Das belegt eindrucksvoll die opulente Reportage über das Museum of Modern Art - seit 65 Jahren die Institution für Kunst unseres Jahrhunderts.Fotografiert hat Thomas Höpker, dem New York seit 18 Jahren unverzichtbare Wahlheimat ist.Den Text schrieb Swantje Strieder, die gerade von Rom in die Neue Welt wechselte und die fasziniert in das Treiben der Treuhänder, Kustoden und Besucher des großen Hauses eintauchte. Vor allem aber trägt dieses Heft die Handschrift zweier Frauen, die keine Alternative zu New York kennen: ART-Korrespondentin Susanne Lingemann, 40, und ART-Fotografin Martha Cooper, 51 " Die Bilder der gebürtigen New Yorkerin druckt ART seit Gründung.Susanne Lingemann berichtet seit 1989 in ART über Kunst aus Amerika.