Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 158
Sicherheit und gutes Klima hinter der alten Museumsfassade
Von
Sanierung: Moskauer Tretjakow-Galerie wir wiedereröffnet
viele Moskauer hatten schon
nicht mehr daran geglaubt: Nach fast neun Jahre andauernden, zum Teil skandalös verzögerten Bauarbeiten soll die Tretjakow-Galerie am 15.Dezember wiedereröffnet werden.Das Haus, das die reichste Sammlung russischer Kunst beherbergt, mußte im Februar 1986 wegen gravierender Sicherheitsmängel schließen. "Wir waren so arm, so unglücklich, daß wir nur das Beste haben wollten", sagt Kustodin Lidija Romaschkowa, "und das haben wirbekommen."Mehrere Milliarden Rubel und mehrere Millionen Dollar - eine genaue Summe ist wegen ständigerKurs-änderungen und Hyperinflation nicht zu ermitteln - hat der Umbau gekostet.Mit Hilfe ausländischer, vor allem finnischer Firmen wurden die Gebäude von Grund auf saniert und umgebaut.Jetzt hat die Galerie europäisches Niveau. Geblieben ist nur die alte Fassade; neue Sicherheits-, Beleuchtungs- und Klimasysteme wurden installiert; die Ausstellungsfläche vergrößerte sich von 5000 auf 7000 Quadratmeter, die Zahl der Säle von 51 auf 61 " Obwohl die Bilder nun weniger eng gehängt sind, können alle wichtigen Gemälde präsentiert werden; erstmals gibt es auch zwei Säle ausschließlich für Skulptur.Einen eigenen Raum bekam das acht mal 16 Meter messende Bild "Die Traumprinzessin" des Symbolisten Michail Wrubel ( 1856 bis 1910), das bislang in der Tretjakow-Galerie nicht gezeigt werden konnte. Die nahe gelegene Nikolai-Kirche wurde mit Zustimmung der russisch-orthodoxen Kirche dem Museum angegliedert und ist durch einen unterirdischen Gang zu erreichen.Hier sind Meisterwerke der Ikonenmalerei - unter anderem von Andrej Rubljow - in jetzt vollklimatisierten, gesicherten Kirchenräumen zu bewundern. Kirche und Museum haben einen Kompromiß im verbreiteten Streit um den Besitz von sakraler Kunst gefunden, der wegweisend wirken könnte.
