Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 160

Die Leihgeber wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen

Von

mehr als ein Jahr nach dem

Ende der Biennale von Venedig liegen noch immer rund 40 Kunstwerke in der Stadt fest als Pfand füroffene Rechnungen über rund 150000 Dollar (rund 225000 Mark).Der New Yorker Ausstellungsmacher Christian Leigh hatte die Skulpturen und Bilder parallel zur Zweijahresschau moderner Kunst 1993 in den "Zitelle" auf der Insel Giudecca gezeigt.Die Schau "Transaction" schien Teil des offiziellen Rahmenprogramms zu sein: Die Ausstellung ist im offiziellen Biennale-Katalog aufgeführt, die Einladungen trugen das Biennale-Logo, Biennale-Sicherheitspersonal bewachte die Kunstwerke, und die Leihgeber hatten Biennale-Formulare ausgefüllt. Doch Rafaello Martelli.Generalsekretär der prestigeträchtigen Mammutveranstaltung, streitet alles ab; Die von Leigh organisierte Schau sei kein offizielles Biennale-Ereignis gewesen.Der New Yorker Ausstellungsmacher habe sich schriftlich verpflichtet, sein Projekt selbst zu finanzieren.Außerdem habe Leigh, gegen den Martelli Anzeige erstattet hat, Biennale-Formulare gestohlen. Leigh, dessen New YorkerGalerie "Kunsthall" nach wenigen Ausstellungen wieder schloß, ist seit Januar spurlos verschwunden, In New York überrascht das kaum jemanden."Jeder weiß, was für ein windiger Typ Leigh ist", sagt etwa der Galerist David Zwirner."Manche Kollegen sind das Risiko eingegangen und haben darauf gesetzt, daß es ihren Künstlern langfristig helfen wird, an der Biennale teilgenommen zu haben." Die betroffene Galeristin Shoshana Blank aus Santa Monica in Kalifornien gibt der Biennale-Leitung die Schuld an dem Durcheinander; "Wenn eine Bank einen Kredit gibt", empört sie sich, "dann prüft sie Referenzen und Sicherheiten."Sie hat bislang vergeblich aus Venedig zwei Skulpturen von Rachel Lachowicz zurückgefordert."Wir haben uns auf den guten Namen der Biennale verlassen." Jetzt wartet sie darauf, daß Martelli doch noch die Verantwortung übernimmt - andernfalls will sie gemeinsam mit dem Künstler Gregory Rukavino, der eine aufwendige Fotoarbeit nach Venedig geschickt hatte und immer noch auf ihre Rückkehr wartet, einen Boykott der Biennale organisieren."Das Vettrauen ist gebrochen", sagt Shoshana Blank."Sammler werden künftig eine Menge Fragen durch ihre Anwälte stellen und Garantien fordern, bevor sie ihre Sachen verleihen."