Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 158

Das Holz stand noch im Wald, als der Künstler längst tot war

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Forschung: "Die Hochzeit zu Kana" nicht von Bosch

Hieronymus Boschs Gemälde

"Die Hochzeit zu Kana", die der Bosch-Biograf Charles de Tolnay als "Tischgesellschaft mit ", bizarren Allüren, fremdartigen Gewändern und beunruhigenden oder komischen Gesichtsausdrücken" beschrieb, war eines der bekanntesten Werke des Rotterdamer Museums Boymans-van Beuningen.Jetzt stellte sich heraus, daß es der niederländische Meister (um 1450 bis 1516) gar nicht gemalt hat. Zweifel an der Echtheit bestanden schon seit einiger Zeit: Röntgenaufnahmen hatten gezeigt, daß die für Bosch übliche Unterzeichnung fehlt.Außerdem wurde ein blauer Farbstoff gefunden, der in Boschs Zeit äußerst selten vorkommt und in seinem Werk sonst nicht auftaucht. Bei den Vorbereitungen der Ausstellung "Von van Eyck bis Brueghel" (bis 22.Januar) wurde nun das Holzpaneel der "Hochzeit" einer dendro-chronologischen Analyse unterzogen; mit dieser Methode läßt sich das Alter von Holz durch Untersuchung der Jahresringe exakt feststellen.Ergebnis: Der jüngste Jahresring stammt von 1554, der Baum wurde also erst 38 Jahre nach dem Tode Boschs gefüllt.