Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 126-127
Zwischen Vamp und Unschuld
Von Carmela Thiele
Essen: Fotografinnen der Weimarer Republik
Wer wußte schon, daß Irene Bayer die Porträtaufnahmen machte, die ihr Mann, der Bauhausmeister Herbert Bayer, verfremdete und anschließend signierte?Neben den vielen Entdeckungen, die diese Schau über Fotografinnen der Weimarer Republik bietet, räumt sie gründlich mit alten Vorurteilen von einer männlich dominierten Fotografie auf.
In den zwanziger Jahren schien die Welt den fotografierenden Frauen offenzustehen: Lotte Errell machte Aufnahmen in Westafrika und China, Dora Kallmus holte sich in Paris Josephine Baker vor die Kamera.Ute Eskildsen, die Leiterin der Fotografieabteilung im Essener Museum Folkwang, legte bei der Auswahl der Bilder Wert auf ein breites Themenspektrum: Die Schau versammelt Porträt-, Mode- und Werbefotografie, Reportageaufnahmen, dazu Fotocollagen von Hannah Höch, Marianne Brandt und Alice Lex-Nerlinger. Die Essener Schau erinnert an die gefeierte Modefotografin Yva, die im Konzentrationslager starb, ebenso wie an ihre Kolleginnen Gertrud Arndt und Marta Astfalck-Vietz, deren Selbstinszenierungen zu den aufregendsten Arbeiten der Ausstellung gehören.Beide nahmen in ihren Bildern Experimente zeitgenössischer Künstlerinnen wie Cindy Sherman vorweg.Verkleidet stellten sie sich selbst vor das Objektiv und posierten als Vamp, Unschuld oder Mannequin - sie stellten damit Frauenklischees in Frage und nahmen sich die Freiheit, alles zu sem."Fotografieren hieß teilnehmen - Fotografinnen der Weimarer Republik" (bis B.Januar).Museum Folkwang, Essen.Katalog; 49 Mark.Weitere Stationen: Fundacion "La Caixa" in Barcelona (23.Jnuar bis 26.März) und "The Jewish" Museum" in New York (23.April bis
