Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 156
Im Krieg der Konkurrentinnen zog Maria Corral den kürzeren
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Affären: Spanische Ministerin entläßt Museumsdirektorin
Für Kenner der Madrider Sze-
ne war es keine Überraschung: Seit Carmen Alborch im Juli 1993 als neue Kulturministerin Spaniens eingesetzt worden war, schien die Entlassung von Maria Corral, Direktorin des Kunstzentrums Reina Sofia, unvermeidlich - zu groß waren die charakterlichen und beruflichen Gegensätze. Die temperamentvolle Ministerin, selbst fünfJahre lang Museumsdirektorin des Kunstzentrums IVAM in Valencia, griff selbstherrlich in die Politik des Kunstzentrums ein und forderte: mehr spanische Kunst, mehr eigeneProduktionen, wenigerteure Übernahmen ausländischer Ausstellungen.Maria Corral, eine ausgewiesene Kennerin der internationalen Szene, erfuhr von dem Übergriffaus der Presse - und die Ministerin entschuldigte sich eilfertig: Bei einer nächtlichen Plauderei nach einer Galeristen-Tagung auf Lanzarote habe sie nur laut nachgedacht. Die Direktorin antwortete mit Häme: Die Ministerin habe auf Lanzarote wohl ein paar Whiskys zuviel getrunken, ließ Maria Corral verlautbaren.Nach knapp vier Jahren Amtszeit war es soweit: Die Museumsdirektorin bekam von der Ministerin ihr Kündigungsschreiben.Corrals Reaktion: Alborch sei "ja nur neidisch" auf ihren beruflichen Erfolg. Die Bildhauerin Susana Solano beklagte die Umstände der Entlassung als "Trivialisierang der professionellen Arbeit von Frauen"; Präsident, Vizepräsident sowie zwei weitere Mitglieder des Patronats, des Aufsichtsgremiums des Museums, traten aus Protest gegen die Kündigung zurück und gaben in einem Brief an die Ministerin eigene Ratschläge: mehr Autonomie für das Museum und damit Distanz zu "politischen Schaukeleien und Instrumentierungen". Denn auch Maria Corrals Amtsvorgänger Tomas Llorens hatte erfahren müssen, wie abhängig ein Museumsdirektor von Entscheidungen der Politiker ist: Er wurde 1990 vom damals amtierenden Kulturminister Jorge Semprun fristlos entlassen, weil dem das kurz zuvor noch gebilligte Konzept der ständigen Sammlung auf einmal nicht mehr gefiel.
