Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 154

Für Sammlung und Personal ist kein Geld in der Stadtkasse

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Das Jüdische Museum "wird

Wahrzeichen einer Tradition mit der Kraft einer hoffnungsvollen Vision werden", hatte Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen versprochen.Das war vor drei Jahren und gilt nicht mehr.Noch bevor das Jüdische Museum aus dem Martin-Gropius-Bau in das von Daniel Libeskind entworfene neue Haus an der Lindenstraße im Bezirk Kreuzberg zieht, wird klar: Die Berliner Landesregierung steht zwar nach wie vor für die 130 Millionen Mark Baukosten ein, hat aber kein adäquates Budget für die laufenden Kosten des Hauses eingeplant. "Unser Etat für 1995 und 1996 tendiert gegen Null", klagt Amnon Barzel, seit Juli Direktor des Jüdischen Museums, das zum Berlin Museum gehört.Er verfügt über einen Etat von 70000 Mark für Sonderausstellungen, aber Mittel für den Aufbau der Sammlung und dringend benötigtes Personal fehlen."Wenn das Museum 1997 eröffnet werden soll", sagt Barzel, "muß der Senat jetzt handeln." Der international angesehene Ausstellungsmacher - zuletzt war er Leiter des Museo Pecci in Prato bei Florenz - rechnet mit einem Bedarf von sieben Millionen Mark pro Jahr, um das größte jüdische Museum Deutschlands angemessen ausstatten und unterhalten zu können.Ein "lebendiges, kulturelles Zentrum" schwebt dem 58 Jahre alten Museumschef vor - "tote Denkmale gibt es schon genug".Neben klassischen Judaica sollen auch die Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Ilya Kabakov, Christian Boltanski, Jenny Holzer oder Jochen Gerz in seinem Haus gezeigt werden. Reiner Güntzer jedoch, der Museumsreferent des Kultursenators Ulrich Roloff-Momin, rät zur Zurückhaltung: Der Senat habe beim Berlin Museum in diesem Jahr zwei Millionen Mark einsparen müssen - "da können wir den Etat des Jüdischen Museums nicht schlagartig erhöhen".