Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 126

Plastikrohr oder Kunstwerk

Von Carmela Thiele

Köln: Der Stand der Dinge

Latten, Eimer, Abfallhaufen: Das auf den ersten Blick chaotisch anmutende Arrangement im KölnerKunstverein entpuppt sich als Ausstellung von 14 Künstlern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA.Gemeinsamkeit herrscht in zwei Punkten: Alle Akteure stehen in der Tradition des Ready-mades, und alle verstehen ihre Arbeiten kontextbezogen.

Da ist es nicht immer leicht, den Unterschied zwischen banalem Alltagsobjekt und gestaltetem Werk zu erkennen - und der Ausstellungsmacher Udo Kittelmann, Chef des Kölner Kunstvereins, spielt mit solchen Mehrdeutigkeiten. Die roten Plastikrohrteile von Birgit Werres etwa offenbaren den künstlerischen Eingriff erst bei genauem Hinsehen.Schmirgelspuren auf der Oberfläche künden davon, daß die Künstlerin die Rohrstücke aufgerauht hat, um die plastische Erscheinung zu betonen.Zu farbverschmierten Abdeckfolien griff der Schweizer Urs Frei.Für seine Müll-Skulpturen hat er die Folien nach malerischen Gesichtspunkten zusammengeschnürt.Die Grenzen zwischen Kunst und Nutzobjekt verschwimmen vollends in Matthew McCaslins Lichtinstallation, die einer normalen Lagerhallenbeleuchtung gleicht. Der gesamte Schauraum des Kunstvereins sieht aus wie eine Baustelle.Gefegt wurde vor der Eröffnung nicht."Unsere Welt ist nicht sauber", sagt Kittelmann, dessen erste Kölner Gruppenausstellung überzeugt, weil sie sensibel macht für die Ambivalenz der Dinge."Der Stand der Dinge".Kölnischer Kunstverein (bis 23.Dezember).Katalog: 35 Mark.