Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 156

Zwei Tage vor dem Termin schlug die Kriminalpolizei zu

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Versteigerung: Die Konkursmasse der Gießerei Rudier

Die Überraschung war groß,

als die Ankündigung des Pariser Versteigerungsbüros Gillet-Seurat erschien: Am 20.Oktober, so hieß es da, sollten nach der Pleite der Bronzegießerei Georges Rudier 150 Gipsfragmente, Originalgipse sowie Probegüsse von Werken namhafter Künstzler wie Auguste Rodin, Jean Arp und Auguste Renoir verkauft werden.Gips-Arme, -Beine und -Köpfe des "Denkers" von Rodin etwa sollten ab 2000 Franc (600 Mark) den Besitzer wechseln; eine nahezu vollständige Kopie der berühmten Skulptur "Der Kuß" von Rodin für 80000 Franc. "Ein solches Vorgehen droht Fälschern Tür und Tor zu öffnen!" protestierte sogleich MarcelOlivier vom französischen Kunstgießerverband.Erst 1993 hatte der Verband aufgrund der Skandale um gefälschte Bronzemöbel von Diego Giacometti (ART 7/1991 ) und illegale Nachgüsse von Rodin-Skulpturen strengere Vorschriften für Skulpturengüsse beschlossen. Oliviers Argument, daß bei einer Pleite der Bronzegießerei Rudier nur das Gebäude und die Maschinen, nicht aber die in der Werkstatt befindlichen Kunstwerke oder deren Gußformen als Versteigerungsgut anzusehen sind, mochte die Auktionatorin Anne Gillet-Seurat nicht folgen."Nach dem Gesetz haben die Eigentümer drei Monate Zeit, um bei einem Konkurs ihr Gut zurückzufordern", erklärte sie."Das ist nicht erfolgt." Das Handelsgericht von Nanterre hielt denn auch an der Versteigerung fest, doch kurz vor der Ausrufung zogen die Auktionatoren die in der Gießerei Rudier verbliebenen Werkteile von Arp und Renoir zurück.Nicht versteigert wurden auch die Rodin-Gipse.Die Kriminalpolizei hatte sie zwei Tage vor der Auktion beschlagnahmt, denn Georges Rudier, 80, steht unter dem Verdacht, illegal Rodin-Plastiken gegossen zu haben.Der Gießer hatte in den fünfziger Jahren mit dem Restbestand aus der Gießerei seines Großonkels Alexis Rudier, der für Rodin und später für fast alle großen Meister der Ecole de Paris gearbeitet hat, eine eigene Gießerei in Chatillon-sous-Bagneux bei Paris eröffnet.Er ging jedoch in Konkurs, nachdem sich sein langjähriger Hauptkunde, das Pariser Musee Rodin, aufgrund des Fälschungsverdachts zurückzog.