Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 127

Eingekeilt in der Masse

Von Joachim Hauschild

München: Munch und Deutschland

Gelegentlich ist es für den Journalisten aufschlußreich, sich unter Normalmenschen zu mischen.Beim Besuch der Munch-Ausstellung in der Münchner Hypo-Kunsthalle war der Eindruck bei regem Publikumsandrang eben anders als in leeren Räumen bei einer Vorbesichtigung für die Presse: Er war verheerend.Wie immer man bewundern mag, was hier auf die Beine gestellt wurde - es blieb unverständlich, warum es einer Bank, die sich aufwendige Ausstellungen leistet, nicht gelingt, die dafür notwendigen Räume zu schaffen.

Dabei bietet die Schau "Munch und Deutschland" ein eindrucksvolles Programm: 125 Objekte nennt der Katalog, darunter Meisterwerke wie Munchs "Vampir" (1893/94), seine "Madonna" (1894) und seine "Männer am Strand" (1907), aber auch die "Kleine Sterbeszene" (1906) von Max Beckmann und "Häuser bei Nacht" (1912) von Karl Schmidt-Rottluff.Zu entdecken sind Munchs Landschaftsbilder aus Thüringen und Lübeck, sein Reinhardt-Fries (1906/07) für die Berliner Kammerspiele und die Varianten der "Eifersucht" (1896). Wer jedoch der Vergleiche wegen etwa von Franz Stucks "Die Sünde" ( 1893) zu Munchs "Madonna", wohl auch noch in der lithografischen Version von 1895, gehen wollte, blieb zwischen zwei Besuchertrauben hängen und einer Gruppe, die vor Munchs berühmtem Gemälde "Der Schrei" (1893) lebhaft diskutierte, ob dies nun die kürzlich gestohlene Version sei (sie ist es nicht).Der Kunst wurde die Luft zum Atmen genommen, das Ziel der Ausstellung -Munch und die deutsche Kunstszene seiner Zeit, samt allen Wechselwirkungen, zu zeigen blieb auf der Strecke.ZurZeit ist die Ausstellung in zweiter Station in der - geräumigeren -Kunsthalle Hamburg zu sehen."Munch und Deutschland" (9.Dezember bis 12.Februar).Hamburger Kunsthalle, anschließend im Alten Museum, Berlin (24.Februar bis 23.April).Katalog: 42 Mark.