Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 163
FUER 20 000 GULDEN EINEN SCHOENEN REMBRANDT UEBERS SOFA
Von Kerstin Schweighoefer
originale, räumt die Rotterda-
mer Geschäftsfrau ein, seien "natürlich viel schöner - doch wer nicht mit Zehntausendern um sich werfen kann, muß sich eben mit Kopien zufriedengeben". Die Dame mit dem gesunden Menschenverstand war Zeugin einer Weltpremiere: Christie's in Amsterdam hatte zur ersten ganz aufKopien Alter Meister spezialisierten Auktion geladen.
50 Gemälde, darunter Kopien von Werken der Großmeister Raffael, Anthonis van Dyck, Peter Paul Rubens, Caravaggio und Rembrandt brachten insgesamt 400000 Mark ein - und damit ist das Auktionshaus so zufrieden, daß es den Erfolg 1995 wiederholen will.
Sogar aus den USA, Australien und Kanada kamen telefonische Gebote zur Premiere. Ein Prunkstück der Auktion, eine Kopie von Rembrandts Kasseler "Saskia", ging für 20000 Gulden (rund 18000 Mark) nach Amerika. Teuerste Kopie war ein 171 mal 278 Zentimeter messendes Seestück nach Jan Abrahamsz. Beerstraten für rund 23500 Mark kaufte es ein Niederländer im Auftrag des "Holland Village" in Nagasaki.
Die Idee zur Auktion entstand, als Christie's zwei Nachlässe mit sieben sehr guten Kopien versteigern wollte. Das Auktionshaus sammelte weitere Kopien, die zwei Kriterien erfüllen mußten; Sie sollten nach einem Alten Meister gemalt und mindestens 100 Jahre alt sein. Mit der Auktion möchte das Auktionshaus auch an die alte Tradition erinnern, nach der das Kopieren unerläßlicher Bestandteil jeder soliden Künstlerausbildung war - im Amsterdamer Rijksmuseum waren noch im 19. Jahrhundert die ersten drei Tage der Woche für Kopisten reserviert.
