Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 153

BESCHEIDENHEIT UND WEITSICHT SICHERN DAS UEBERLEBEN

Von Alexandra Reininghaus

Für die Wiener Galeristen sind

die fetten Jahre vorbei: Die Konjunktur ist in einer Krise, Sammler üben Zurückhaltung, Mieten steigen, schon haben selbst etablierte Händler ihre Verkaufsräume aufgegeben.

Der prominenteste unter ihnen ist Peter Pakesch, eine zentrale Figur der Wiener Kunstszene in den achtziger Jahren. Er gab seine Galerie auf, weil ihn "das Wiener Klima frustriert ich kuratiere lieber in Prag Ausstellungen". Auch Jung-Galeristen wie Engelbert Theuretzbacher oder Niels Everbeck gaben aus finanziellen Gründen auf. Ursula Krinzinger räumt zwar ein, daß sich der Markt langsam erhole, "trotzdem", gesteht die einst erfolgreiche Galeristin, "muß ich an eine Minimierung meiner laufenden Kosten denken, etwa meine 600 Quadratmeter teilweise vermieten". Die Miete der Galerie hatte sich in den letzten zehn Jahren auf nahezu 10000 Mark im Monatverdoppelt. Auch Grita Insam hält die guten Zeiten für vergangen: "Wir müssen die Brillanz der achtziger Jahre einfach ablegen", sagt sie und überlegt, 500 ihrer 800 Quadratmeter auf dem Immobilienmarkt anzubieten. "Ich will nicht meine ganze Kraft in die Erhaltung der Räume legen." Bei einem Umsatz von 3,5 Millionen Schilling (rund 500000 Mark) betragen die Fixkosten etwa 200 000 Schilling (28800 Mark) im Monat - "zu hoch, um überleben zu können".

Wer in Wien als Galerist bestehen will, muß sich bescheiden, hat Hans Knoll erkannt, der seine Galerie seit 1985 in einem Randbezirk der Stadt betreibt. Die "Dinosauriergalerien der achtziger Jahre", stellt er fest, "haben uns anfangs ausgeblockt und sich dadurch selber zementiert". Er habe die "schwierige Marktentwicklung vorausgesehen", freut er sich. "Uns geht es so gut wie nie."

Als Grund dafür sieht Knoll, der auch eine Galerie in Budapest betreibt, seine Politik der moderaten Preise und seine Spezialisierung aufOst-Kunst. Dennoch plädiert er für die Zusammenarbeit von Galerien als Methode, Kosten zu sparen: "Theuretzbacher und Everbeck habe ich das öfter vorgeschlagen - sie haben zu schnell aufgegeben."

Karin Schorm dagegen sieht ungenutzte Möglichkeiten in der österreichischen Kunst. "Ich werde überschwemmt von jungen Künstlern, die bei mir ausstellen wollen", sagt die Galeristin, "aber dazu reichen meine Kapazitäten nicht." Dennoch hat sie Erfolg mit vernünftigen Preisen, bescheidenen Ausstellungsräumen und verstärktem Engagement für Kunstsammler: "Es gibt viele junge Leute, die Interesse haben und die man nur langsam aufbauen muß."

"Wie die Auktionen zeigen, herrscht wieder Aufwind", stellt auch Ernst Hilger fest, doch sieht der Generalsekretär des österreichischen Galeristenverbandes schon neue Gefahren; Durch Österreichs Beitritt zur Europäischen Union, so sagt er voraus, "könnte die Mehrwertsteuer erhöht werden, die internationale Messeförderung der Wirtschaftskammer wegfallen und das Folgerecht eingeführt werden". Dabei sollte gerade damit den Künstlern geholfen werden: Das in Österreich vorläufig verhinderte Gesetz sähe vor, daß der Urheber beim Weiterverkauf eines Kunstwerks einen Anteil am Verkaufspreis bekäme.