Ausgabe: 12 / 1994
Seite: 162
GALERISTEN LOBEN GUTE STIMMUNG UND PROFESSIONELLE ORGANISATION
Von Kristina Piwecki
Handel: Bilanz der Zürcher Messe "Kunst 94"
Nur dreimal fand die ambi-
tionierte Avantgardemesse "Forum" in Zürich statt, dann verlegten die Veranstalter den Standort nach Hamburg. Jetzt hat die "Gruppe 44" erneut eine Kunstmesse in der schweizerischen Finanzmetropole auf die Beine gestellt. Die Gruppe, gegründet von Evelyne Fenner, die bei der "Schweizer Handelzeitung" Kunstanzeigen akquiriert, und dem Kunststudenten Raphael Karrer, hatte mit beachtlichem Elan und zielstrebiger Werbung Ende Oktober 55 Galerien aus sechs Ländern in eine 4000 Quadratmeter große Fabrikhalle nach Zürich geholt.
Ausschlaggebend dafür mag auch gewesen sein, daß die "Kunst 94" eine der billigsten Messen der Welt ist: Eine Koje von 30 Quadratmetern kostete nur 5000 Franken. 9000 Besucher kamen an den drei Messetagen trotz des hohen Eintrittspreises von 18 Franken. Die Umsatzzahlen lagen nach Worten der Veranstalter "über den Erwartungen".
Das Angebot reichte von etablierten Künstlern wie Max Bill (Galerie Aras, Saulgau), Johannes Grützke (Ribbentrep, Eltville) oder Meret Oppenheim und Richard Paul Lohse (Renee Ziegler, Zürich) über Künstler der mittleren Generation wie Marianne Eigenheer (Fabian Walter, Basel) bis zujungen wie Kaeseberg (Ribbentrop).
Installations- und Konzeptkunst war eher spärlich vertreten; die Galeristin Renee Ziegler, die "dem Zürcher Neuanfang positiv gegenüber" steht, regte an, daß Veranstalter und Galeristen für die "Kunst 95" gemeinsam ein erweitertes Konzept erarbeiten sollten; "Die Messe müßte sich von Basel dadurch absetzen, daß der Schwerpunkt auf Grafik und Multiples liegt."
Die Stuttgarter Galeristin Gudrun Weiss (Galerie Kaess-Weiss), die mit Arbeiten von Salvo, Alighiero e Boetti, Helmut Newton und Nicola De Maria angereist war und "gut" verkauft hat, war angetan von der "total professionellen Organisation" und der "positiven Stimmung". Ihr Resümee: "Die Schweiz verträgt gut zwei Messen, man merkt, daß ein Großteil der Schweizer Sammlerrund um den Zürichsee lebt." Sie will in jedem Fall 1995 wieder mit dabeisein und liegt damit im Trend. Evelyne Fenner: "Das große Interesse im In- und Ausland führte schon zu zahlreichen interessanten Anmeldungen."
