Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 116-117

Poesie, durch Bronze gehärtet

Von Jens-uwe Sommerschuh

Leipzig: Gerhard Altenbourg

Den Künstler Gerhard Ströch ( 1926 bis 1989) kennt kaum jemand - unter seinem Pseudonym Gerhard Altenbourg aber, das er 1955 annahm, ist er einer der bedeutendsten und eigenwilligsten Zeichner, Grafiker und Objektkünstler Deutschlands geworden.Sein bildnerisches Werk umfaßt, neben 3500 Zeichnungen, 900 Holzschnitten, 300 Radierungen und 220 Lithografien, auch weit über 100 Metallarbeiten.Unter dem Titel "sah ichs wie feuer glänzen um und um" zeigt jetzt das Museum für Kunsthandwerk im Leipziger Grassimuseum eine erlesene Auswahl aus diesem Bereich: Plastiken, Reliefs, Schmuckstücke und Kunst am Bau.Wie in seinen Bildern auf Papier bezaubern auch hier die filigranen Schwünge der Linien, die zarte Poesie der Figuren surreale Gebilde, die in Messing, Kupfer oder Bronze eine für Altenbourg eigentümliche Festigkeit, ja Härte angenommen haben.

Ergänzend werden Vorzeichnungen zu den Reliefs, Originalformen aus Holz oder Gips zu den späteren Güssen gezeigt.Der Saal atmet stille Heiterkeit, die nur durch die zu wuchtigen Vitrinen gedämpft und durch die vom ungeeigneten Deckenlicht verschuldeten Reflexe gebrochen wird.Altenbourgs märchenhaftes Werk hält diese Dissonanzen jedoch aus.Der exzellente Katalog, von dem 2000 Exemplare im Pappband zur Ausstellung und 1000 in Leinen im Buchhandel angeboten werden, verzeichnet in Wort und Bild alle Arbeiten einschließlich der Studien, die Altenbourg dem Material Metall gewidmet hat ein kunsthistorisches und bibliophiles Prachtstück zugleich."sah ichs wie feuer glänzen um und um-Gerhard Altenbourg-Die Metalle".Museum für Kunsthandwerk im Grassimuseum Leipzig, bis 13.November.Katalog: 48 Mark.