Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 109
Warteräume des Untergangs
Von Angelika Kindermann
Bremen / Humlebaek Henri de Toulouse-Lautrec
Dem genialen Maler und Grafilcer sind Ausstellungen im dänischen Loaisiana Museum of Modern Art und in der Bremer Kunsthalle gewidmet Nach einem Schlaganfall holte Gräfin Adele ihren Sohn heim aufs Schloß Malrome.Vom Alkohol zerstört und wohl auch von Syphilis gequält, blieben ihm nur wenige Wochen.Am 9.September 1901 starb Henri de Toulouse-Lautrec im Alter von 36 Jahren.Er hinterließ 737 Gemälde, 275 Aquarelle, 5054 Zeichnungen, 364 Lithos und Plakate.Als seine Mutter damals einen Teil der Bilder dem Louvre als Schenkung anbieten ließ, lehnte das Pariser Museum ab.Heute sind die Arbeiten des kleinwüchsigen Adligen in allen Ausstellungshäusern der Welt begehrt - auch im Louvre.
Als Maler der Pariser Cabarets, Theater, Tanzsäle und Bars um 1900 hat der Franzose das Bild der Belle Epoque bis heute geprägt.Mit unbarmherziger Schärfe blickte er hinter die glitzernden Fassaden, entdeckte inmitten des lärmenden Frohsinns Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit."" nennt der Kunsthistoriker Uwe M.Schneede die Stätten des Vergnügens.Lautrec malte sie in morbider Farbigkeit, mit kühnen Schnitten und stürzenden Fluchtlinien, die den Raum verengen, so daß die Menschen eingeschlossen zu sein scheinen. Das Museum für moderne Kunst im dänischen Humlebaek zeigt jetzt 100 dieser Gemälde, Zeichnungen und grafischen Arbeiten des Franzosen.Auf das lithografische Werk konzentriert sich die Kunsthalle Bremen. 234 Blätter zum Thema "Pariser Nächte" weisen Toulouse-Lautrec als genialen, innovativen Grafiker aus.Ausgestattet mit dem Blick für das Wesentliche, mit dem Mut zu Reduzierung und Überspitzung, gelangen ihm Meisterwerke der Lithografie.Zur Ausstellung in Humlebaek (11.November bis 19.Februar 1995) erscheint Band 35, Nr. 1 der "Louisiana Revy"; 90 Kronen.Kamlog zur Schau in Bremen (bis 22.Januar 1995): 48 Mark.
