Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 152
Feine Damen und Femmes fatales
Von
Christian Brandstätter: Gustav Klimt und die Frauen.Verlag Christian Brandstötter, Wien. 128 Seiten, 78 Farb- und 16 Schwarzweißabbildungen. 49,80 Mark
Gustav Klimt haßte das Schreiben, aber eines hielt der österreichische Jugendstilmaler ( 1862 bis 1918) schwarz auf weiß fest: "Ich interessiere mich nicht für die eigene Person als "Gegenstand eines Bildes', eher für andere Menschen, vor allem für weibliche."
Klimt, durch eine extrem enge Bindung an Mutter und Schwestern geprägt, hatte eine eigentümlich ambivalente Beziehung zu Frauen: Auf der einen Seite die - wahrscheinlich platonische - zur Gefährtin Emilie Flöge, auf der anderen Seite die zu seinen Modellen aus der Vorstadt, mit denen er 14 uneheliche Kinder zeugte. Diese Ambivalenz, stellt der österreichische Autor und Verleger Christian Brandstätter fest, zieht sich auch durch Klimts Werk.Im Frauenkosmos des Künstlers, so schreibt Brandstätter in seinem höchst amüsanten Kunstband, spiele die "Angehörige einer kleinen kulturellen Elite" eine Hauptrolle, die vornehme, kühle Dame der Gesellschaft; Klimt malte sie in strenger Haltung vor kostbar ornamentalem Hintergrund, durch aufgelegtes Blattgold veredelt.In lasziver Pose dagegen porträtierte der Künstler die Femmes fatales - mal in Gestalt der Judith, mal als Eva oder als Allegorie auf Tod und Leben und seine Vorstadt-Mädchen, die sich sinnlich, allein oder zu zweit, auf dem Laken räkeln.
