Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 151

Selbst große Namen sind für den Galeristenverband verzichtbar

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Messen I: 28.Kölner Kunstmesse "Art Cologne"

Schon vor Beginn der 28.Köl-

ner Kunstmesse "Art Cologne" (10, bis 16.November) trifft die Veranstalter herbe Kritik: Zwar nehmen mit rund 300 Galeristen aus 22 Ländern diesmal noch mehr Händler teil als im vergangenen Jahr (283), es fehlen jedoch renommierte Firmen -und das nicht immer freiwillig. Insgesamt 120 Bewerber wurden vom Zulassungsausschuß des veranstaltenden Bundesverbandes Deutscher Galerien (BVDG) abgelehnt.Den heftigsten Protest löste der Ausschluß der Galerie Pizzi aus Melbourne aus: Sie hatte im vergangenen Jahr das komplette Spektrum von Kunst australischer Aborigines mit gutem Erfolg angeboten und wurde jetzt mit dem Argument abgelehnt, sie biete nur "Volkskunst".Auf den Druck der Öffentlichkeit hin bekommt die Galerie nun doch einen Stand, "um das angemeldete Programm zur Diskussion zu stellen" - so Gerhard F.Reinz, Vorsitzender des BVDG. Auch die angesehenen Stuttgarter Galeristen Gudrun Weiss und Carl Kaess erhielten vom BVDG einen Brief mit der Standardformulierung: "Das Programm erscheint am ehesten verzichtbar" - immerhin hatten sie unter anderem Alighiero e Boetti und Rob Scholte im Angebot; die Galeristen, inzwischen doch zugelassen, fordern nun ein Rotationssystem, das alle Messeteilnehmer gleichmä-ßig in vorhersehbaren Intervallen erfaßt."Verzichtbar", hieß es, sei auch das Programm von Michael Schultz, Berlin, der diesmal nicht den marktgängigen A.R.Penck, sondern den portugiesischen Maler Jose de Guimaraes ausstellen wollte. Olaf Zimmermann aus Mönchengladbach legte gegen seine Ablehnung (Begründung: Erhabe nicht genügend Material eingesandt) erfolgreich Widerspruch ein und darf nun doch sein internationales Programm zeigen. Auf Unmut stößt auch ein Alleingang des Vorstands, der 35 Teilnehmern der seit 1992 existierenden Gegenmesse "Unfair" en bloc Kojen auf der "Art Cologne" reservierte.Reinz bestätigte Gerüchte, nach denen der BVDG den Veranstaltern der "Unfair" einen Schuldenerlaß vermittelt habe, um die ungeliebte Konkurrenz auszuschalten: "Etwas über 20000 Mark, die nicht aus Verbandsgeldern kommen."Die Neuzugänge müssen auf der "Art Cologne" jedoch denselben Quadratmeterpreis wie alle Galeristen zahlen. Den Preis der "Art Cologne" (20000 Mark) erhält in diesem Jahr Maria Corral, bis Mitte September noch Leiterin des Madrider Centro de Arte Beina Sofia, die entschieden und wagemutig zeitgenössische Kunst in Spanien durchsetzte.Sie wurde von Kulturministerin Carmen Alborch wegen Meinungsverschiedenheiten vom Dienst suspendiert.Reinz: "Das berührt unsere Entscheidung nicht."