Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 148
Ausstellung scheitert am Nein der Bürgermeisterin
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Projektkunst: "Ingold Airlines" landen nicht in Rüsselsheim
Die fiktive Fluggesellschaft
"Ingold Airlines" des Schweizer Künstlers Res Ingold erhält keine Landeerlaubnis in Rüsselsheim.Seit dem Frühjahr 1993 plante Ingold, der seit 1982 sein Phantasie-Unternehmen ausbaut, fiktive Geschäftsberichte schreibt, Werbegeschenke und Plakate entwirft, sein bislang größtes Ausstellungsprojekt.Sechs Wochen lang, beginnend im Oktober, sollten an fünf Orten der Stadt "eine Repräsentation der Ingold Airlines" und "exemplarische Flugutopien" stattfinden, so der Künstler.Seine Darmstädter Galeristin Anita Beckers spricht von einer Schau "zum Thema Mobilität und Kommunikation", bei der Ingold, der die Wirkungsweise von Wirtschaftsunternehmen untersucht, auch mit real existierenden Firmen zusammengearbeitet hätte. Sponsoren waren schon gefunden.So wollten sich unteranderem die Adam Opel AG und die Firma EDS mit Geld oder Sachleistungen an dem Projekt beteiligen.Auf die Stadt Rüsselsheim wäre eine Restfinanzierung von 10000 Mark zugekommen, die "auch von Opel aufgefangen worden wäre", so Anita Beckers.Allerdings wünschten sich die Sponsoren die Stadt Rüsselsheim als Mitveranstalter.Daraus wurde nichts: Die seit 1.Mai 1994 amtierende Bürgermeisterin und Kulturdezernentin Gabriele C.Klug (Bündnis 90/Die Grünen) stoppte das Vorhaben.Die gelernte Juristin, die nach eigenen Angaben nur eine "grobe Vorstellung" von dem Projekt hat, bemängelt vor allem das "Vergabeverfahren", weil es "keine Auswahl" gab.Sie will künftig eher "Nachwuchsleute fördern, die sich schon lange um Darstellungsmöglichkeiten bemühen und nicht unter den Fittichen arrivierter Galerien stehen".Unter "Druckgesetzt" fühlte sich Klug zudem durch Veröffentlichungen zum geplanten Ausstellungsprojekt.So hatte der für bildende Kunst und Museen in Hessen zuständige Regierungsdirektor Karl Weber dem Schweizer Künstler in einem Schreiben seine "Hochachtung" ausgesprochen, weil es "bei diesem Konzept zu gelingen scheint, namhafte Industrieunternehmen zu begeistern, sich aktiv an der Durchsetzung zubeteiligen".Weber war sogar bereit, trotz knapper Finanzmittel, "zur Restfinanzierung einen bescheidenen Beitrag zu leisten". Doch Rüsselsheims Kulturdezementin blieb hart: "Ich lasse mich nicht an die Kandare nehmen."
