Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 148

Ein Labor für Kunst, die Kunst ständig in Frage stellt

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Beharrlichkeit über 20 Jahre

hinweg macht sich schließlich bezahlt", freute sich Philippe Nordmann, Vorsitzender des "Vereins für ein Museum moderner Kunst" in Genf.Mit eigenem Geld und mit den Leihgaben von Künstlern und Sammlern haben er und seine 1000 VereinsmitgliederEuropas jüngstes Museum für heutige Kunst auf die Beine gestellt.Es wurde Ende September eröffnet. Das "Museum für moderne und zeitgenössische Kunst" (MAMCO) wurde möglich, nachdem die Stadt Genf dem Verein 1991 ein ehemaliges Fabrikgebäude mit 3500 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung stellte.Gründungsdirektor Christian Bernard, der sich als Leiter der progressiven Villa Arson in Nizza bewährt hat, zeigt auf den drei Etagen des Industriebaus mit über 400 Werken von 135 Künstlern ein "Panorama der Kunst, die Kunst in Frage stellt und damit auch das Museum".Bernard kommt von Rückblicken auf die Avantgarde-Bewegungen der frühen sechziger Jahre, darunter Nouveau Realisme, zu Konzeptkunst und Minimal Art.In einer nachgebauten Wohnung zeigt er erstmals die legendäre Kollektion des Pariser Sammlers und Kunsthändlers Ghislain Mollet-Vieville mit Werken von Daniel Buren, Sol LeWitt oder Lawrence Weiner. In der Eröffnungsausstellung "Rudimente für ein mögliches Museum 1" sind unter anderem deutsche Stars der achtzigerJahre wie Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Werner Büttner und Hubert Kiecol vertreten.Französische Künstler wie Philippe Thomas ("ready mades belong to everyone"), Bernard Bazile oder Tania Mouraud, die Österreicher Franz West und Heimo Zobernig sowie Vertreter der amerikanischen postkonzeptuellen Kunst wie Sue Williams und Cady Noland machen das MAMCO zu einer internationalen Angelegenheit.Doch auch den einheimischen Künstlern John Armleder, Sylvie Fleury und Oliver Mosset ist eine "Genfer Suite" reserviert."Wir wollen nicht ein weiteres Museum zeitgenössischer Kunst, sondern ein experimentelles Museum, das sich ins Herz der Debatte über heutiges Kunstschaffen begibt", erklärt Bernard die ungewöhnliche Auswahl und das Hängungsprinzip nach "Apartments" einzelner Kunstströmungen.