Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 147
Der Bezirksbürgermeister schlägt Kneipenbetrieb im Sockel vor
Von
*ei Jörg Haspe, dem ober-
sten Denkmalschützer Berlins, schrillen die Alarmglokken: Peter Strieder, Bürgermeister von Kreuzberg, hat vorgeschlagen, im Gewölbe unter dem Schinkel-Denkmal im Viktoria-Park eine Gaststätte einzurichten.Dem SPD-Politiker ist die Sache ernst - er hat sogar schon Bauanträge für zwei Fluchttüren gestellt. "Unverantwortlichen Schaden an der historischen Bausubstanz" fürchtet der Denkmalschützer.Strieder hält dagegen, das Mahnmal von 1821 zur Erinnerung an die Napoleonischen Freiheitskriege, eine der frühesten Gußeisenkonstruktionen, könne aus den Mitteln des zuständigen Bezirks Kreuzberg nicht mehr unterhalten werden.Denn das Budget für den Unterhalt des neugotischen "Bauwerks von nationalem Rang" (Haspe) wurde von 120000 auf 40000 Mark zusammengestrichen. Haspe hat gegen eine "denkmalverträgliche Nutzung" nichts einzuwenden etwa gegen den Vorschlag, im fensterlosen Sockel eine Skulpturengalerie einzurichten.Dort lagern bereits einige wertvolle Stücke, wie Gottfried Schadows bronzener "Münzfries".Die Tafeln schmückten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Fassade der Münzprägeanstalt in Berlin-Mitte.Zur Zeit prüft das Bundesinnenministerium, ob für das Denkmal eine nationale Patenschaft eingerichtet werden soll.Die Zeit drängt; Am Unterbau des Mahnmals, das erst vor zehn Jahren für 5,5 Millionen Mark restauriert worden war, sind schwere Wasserschäden aufgetreten.
