Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 144

Ein Museumsdirektor muß sich im Marketing auskennen

Von

Hach zehn Monaten hatte

Michael E.Shapiro, 44, die Nase voll: Im August 1993 trat er von seinem Posten als Direktor des Los Angeles County Museum of Art zurück.Die Stadt hatte seinen Etat um 40 Prozent gekürzt, Spenden aus der Industrie wurden spärlich, die Besucherzahlen sanken: "Es war Krisenmanagement von Tag zu Tag und hatte wenig mit dem zu tun, was mich an dem Job reizte: das Museum künstlerisch weiterzubringen", klagt der Kunsthistoriker.Ein Jahr danach ist die Stelle immer noch vakant. Der Vorstand des renommierten New Yorker Museum of Modern Art sucht verzweifelt nach einem Nachfolger für Richard Oldenburg, 61 " und mußte den scheidenden Chefbitten, seinen Ruhestand um ein weiteres halbes Jahr zu verschieben.Vier Kandidaten, darunter Nicholas Serota von der Londoner Tate Gallery, haben das Angebot bereits ausgeschlagen. Mehr als 20 amerikanische Kunstinstitute, darunter das Seattle Art Museum, haben zur Zeit Not, ihre Chefposten zu besetzen.Jetzt sollen professionelle Headhunter Spitzenkräfte ködern."Ein Museum zu leiten wird immer schwieriger und verlangt einen neuen Typ Manager", sagt James Abruzzo, Personalvermittler bei der New Yorker Agentur A.T.Kearney."Er muß Politiker pflegen, sich im Marketing ebenso gut auskennen wie in der Kunst." Mimi Gaudieri von der Association of Art Museum Directors in New York, einer 160 Mitglieder starken Standesorganisation, teilt die Einschätzung des Headhunters."Die meisten Institute stecken in einer Finanzkrise", sagt sie."Es sind Großunternehmen mit Jahreskosten von durchschnittlich 6,5 Millionen Dollar.So ein Etat ist für einen "Nur'-Kunsthistoriker schwer zu handhaben."Die Kunst-Experten dagegen beklagen, daß sie ihre Zeit vor allem Versicherungsberatern und Sponsoren widmen müssen, ihre eigentliche Aufgabe komme dabei zu kurz."Für eine vorübergehende Zeit kann der Manager ein Institut stabilisieren", räumt Michael Shapiro ein, "doch weiterbringen wird es nur die vom Aussterben bedrohte Spezies eines Kunsthistoriker-Direktors." Wie Shapiro ärgern sich viele Kollegen über die zunehmende Einmischung der meist mit Geschäftsleuten besetzten Vorstände.Thomas Armstrong etwa, 1990 vom Aufsichtsrat des Whitney Museum gefeuert und heute " Chef des Andy Warhol Museum in Pittsburgh, berichtet: "In meinem alten Job hat der Vorstand versucht, das Programm mitzubestimmen.Die wollten Ausstellungen, die vor allem Geld brachten."