Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 150
BUCHSTABEN FUER DAS GLAESERNE WASSERBASSIN IM GARTEN
Von Jens-uwe Sommerschuh
Schalck-Golodkow-1990 von Ostberlin an den Tegernsee. Der Devisenbeschaffer der DDR hatte zugunsten der Staatskasse Antiquitäten und Museumskunst ins Ausland verschachern lassen. Umgekehrt ist jetzt Michael Beck vom Tegernsee nach Leipzig gezogen, und er hat Kunst mitgebracht. Gemeinsam mit der Dortmunder Kunsthistorikerin Ute Eggeling hat er einen Kunstbuchverlag und eine Galerie gegründet.
Die Galerie wurde in der Naunhoferstraße 24 mit einer Ausstellung von Zeichnungen und Aquarellen des Bauhausmeisters Lyonel Feininger ( 1871 bis 1956) eröffnet. 40 Arbeiten aus dessen Zeit in Thüringen und Sachsen hat Beck aufgetan, 35 sind zu haben, die anderen sind Leihgaben. Die Blätter stammen aus dem Nachlaß, der sich meist im Besitz der Londoner Galerie Marlborough befindet.
Bei diesem Transfer kamen Beck, 31 " seine internationalen Kunstmarkt-Kontakte zugute. Nach einer kaufmännischen Lehre hatte erbei den Galeristen Thomas in München und Utermann in Dortmund gearbeitet und ein einjähriges Studium bei Christie's Education in London mit dem Diplom der Royal Academy abgeschlossen. Er war Geschäftsführer bei Utermann, bevor er sich jetzt den Wunsch erfüllte, sich selbständig zu machen. Daß er das in Ostdeutschland tat, hat einen familiären Hintergrund: "Mein Großvater war ein bekannter Juwelier in Leipzig, der nach dem Krieg aus der sowjetischen Besatzungszone flüchten mußte." Das Haus der Familie, eine Villa aus den zwanziger Jahren, wurde den Becks 1990 zurückgegeben und von ihnen für rund eine Million Markwiederhergestellt. Die oberen Räume beherbergen nun Büro und Wohnung; Parterre und Garten sind der Kunst vorbehalten.
Neben der Klassischen Moderne - auf Feininger sollen Emil Nolde, Max Beckmann und Pablo Picasso folgen - will Beck Gegenwartskunst pflegen. So wird der Grieche Apostolos Palavrakis im Garten ein großes gläsernes Wasserbassin errichten, in dem Buchstaben schwimmen.
