Ausgabe: 11 / 1994
Seite: 117

EINER ZERSAEGTE DES KUBUS

Von Konstanze Cruewell

Mannheim: "prima idea"

Neben alten Webstühlen oder historischen Werkzeugmaschinen stehen große weiße Kuben: Im Mannheimer Landesmuseum für Technik und Arbeit sind 41 dieser-pro Seite zweieinhalb Meter messenden - Würfelhäuser über die phantasievolle Inszenierung südwestdeutscher Industriegeschichte verteilt. "Prima idea" ist das Thema der Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes, der 41 Künstler unterschiedlichen Bekanntheitsgrads einlud, in den Kuben den Weg vom ersten Einfall bis zum vollendeten Werk anschaulich zu machen. Streng an diese Vorgabe hält sich Claus Bury: Er zeigt Skizzen und Modell seiner architektonischen Skulptur "Gestrandet", auch Fotos von der Ausführung. Witzig ist Thomas Hubers Beitrag: Hände und Augen sind sein Motiv, das er vom figurativen Aquarell über die schematisierte Zeichnung bis zum Stoff- und Schlipsmuster weiterführt.

Zu der unendlichen Frage, wie Ideen im künstlerischen Schaffensprozeß entstehen, kann auch diese Ausstellung nicht allzuviel Anschauungsmaterial bieten. Hermann Pitz gibt seine Antwort mit "Lesesaal": Erzeigt Manuskriptseiten und eine Publikation, in der er alle 1327 Bücher aus seinen Regalen auflistete und bei vielen die Wirkung auf ihn beschrieb.

Der Kubus selbst scheint auch als Inspirationsquelle gedient zu haben: Barbara Wille verwandelte den ihren mit einer Baumskulptur zur "Lichtung", Albert Hien zersägte den seinen ganz und gar.Rainer Görß wollte keinen Kubus: Sein altes Satzpult steht vor den historischen Druckpressen; Zwischen den Ideen liegt für Görß die Sprache. "prima idea"(bis27.November). Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim. Katalog; 35 Mark.