Ausgabe: 10 / 1994
Seite: 134
Gefangen im Dschungel der Sprache
Von
Hans Peter Thurn: Der Kunsthändler - Wandlungen eines Berufes.Hirmer Verlag, München. 296 Seiten, 93 Abbildungen. 68 Mark Wer Hans Peter Thurn auf seinem Streifzug durch die Kulturgeschichte des Kunsthandels begleitet, muß sich durch einen mit altfränkischen Stilmitteln gedüngten Sprachdschungel plagen.Irgendwas wird ständig "zugeeignet", Tätigkeiten "gereichen zur Ehre" und "eine solche mannigfaltige Aufgabe erheischt" - nein, nicht "viele Malerhände", sondern einen Lektor
Der Autor, Professor für Kultursoziologie an der Kunstakademie Düsseldorf, stolpert mit der Sprache über ein interessantes Thema.Heraus kam eine Fleißarbeit, die dem Wandel des Kunsthändlerberufes folgte, beginnend mit seinen Frühformen, vermutlich phönizischen Ursprungs, bis zur neuesten Vermittlertätigkeit: dem Art-consulting. Doch leider: Ein Hauptvertreter dieser Branche, der Düsseldorfer Helge Achenbach, wird im Personenregister mit dem Maler Andreas Achenbach (1815 bis 1910) verwechselt. Ärgerlich, aber so was kann passieren.Zermürbender indes ist die Sprache - etwa wenn Thurn die Unterschiede zwischen zwei ehemaligen Galeristen herauszuarbeiten versucht: "Stünke schätzte mehr als Schmela das beredte Eintreten für das, was ihm wichtiger dünkte."Erschöpft greife ich zum Buch von Peter Watson, "Sotheby's, Christie's, Castelli & Co.", um zu erfahren, wie der Kunsthandel sich denn "fortan" entwickelte
