Oskar Zieta
Junges Design
BLECHERNE PROVOKATION
Den rasant vermehrten Designanhängern macht es Oskar Zieta nicht leicht. Schließlich steht hinter seinem aufgeblasenen Blechmobiliar mehr als nur eine fantastische Gestaltungsidee: "Ich manifestiere die Technologie!", schmettert einem der 33-jährige Wahlschweizer gleich eingangs entgegen. Wer Zietas persönliche Geschichte zu der von ihm entwickelten "FIDU"-Technologie erfahren will, muss deshalb erst einmal eine Art Einführungskurs absolvieren. Geschlagene eineinhalb Stunden lang führt Zieta Demonstrationsmaterial und filmische Versuchsreihen zu seiner "Freien-Innen-Druck-Umformung" vor. Und wehe, man hat das Newton'sche Gravitationsgesetz nicht parat! Dann straft einen Zieta mit einem mitleidigen Blick, der wie im Flashback die Momente der Scham früherer Physikstunden zurückholt.
Privatdozentenstunde an der ETH Zürich, wo der in Polen geborene Designer seit 2003 als Assistent am Lehrstuhl für CAAD (Computer Aided Architectural Design) unterrichtet. Zieta möchte vorbeugen, dass seine luftig und durchaus lustig wie Gebäck aufgeblasenen Hocker, Stühle, Pavillons und Paravents als bloß originelle Designobjekte missverstanden werden. Man soll vielmehr das Sensationelle, Zukunftsträchtige des "Blow Up"-Verfahrens begreifen, durch das via Lasertechnik ausgeschnittene und an den Konturen verschweißte Doppelblechteile zu stabiler Plastizität anschwellen. Alles andere wäre für ihn eine unzulässige Romantisierung des ausgeklügelten Herstellungsakts. Höchstens die Bezeichnung "Prozessdesigner" lässt Zieta für sich gelten. "Wir generieren die Formen am Computer und exportieren dann den Code an die Maschine", bemerkt er trocken. "Sie wird quasi wie ein Drucker benutzt."
Mit seinen unter Wasserhochdruck aufgepumpten Hockern sorgte Zieta auf der Mailänder Möbelmesse im vergangenen Jahr für Furore. Optimistisch hellblau, weiß, hellgrün und rosarot lackiert, gaukeln einem die Dreibeiner namens "PLOPP" Badeurlaubsfreuden vor. Doch gerade ihr Luftmatratzencharakter täuscht. Selbst unter Schwergewichtigen geben die Hocker nicht im Geringsten nach.
Zieta springt während seiner Demonstration mehrmals auf, um lautstark Formelemente aus seiner Blechkiste hervorzukramen. Schon als Kind sei er sehr neugierig gewesen: "Wir hatten keine Legosteine in Polen. Ich habe stattdessen viel im Wald herumgetüftelt." Man merkt Zieta an, dass er einmal Leistungssport betrieben hat. Er scheint immer noch Druck ablassen zu müssen, und in der "FIDU"-Technik hat er offenbar sein Ventil gefunden.

