Junior Designer Award

Hamburg

"Kulturelle Revolution entfachen"
Roland Cernat von der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd entwickelte "Oriens", ein Motorsegelflugzeug. Der Leichtbau des Fliegers besteht aus Recycling-Materialien und hat einen solarunterstützten Hybridantrieb (Raymond Loewy Stiftung)

"KULTURELLE REVOLUTION ENTFACHEN"

Über den mit 12 000 Euro dotierten Preis für Nachwuchsdesigner können sich in diesem Jahr gleich drei Absolventen freuen: Roland Cernat (Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd) sowie die Brüder Thomas und Martin Poschauko (FH Würzburg-Schweinfurt) wurden in der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg von der Jury für ihre Abschlussarbeiten ausgezeichnet.
// REGINE EHLEITER, HAMBURG

Vom Gestaltungspotenzial eines Teebeutels über Platz sparende Möbelentwürfe, eine Modeserie aus Fundmaterial und einen Modellbaukasten zur Förderung der Motorik von Kindern – die Vielfalt der Einreichungen für den Lucky Strike Junior Designer Award und das breite Spektrum an Bewerbern aus unterschiedlichen Designstudiengängen hat im 17. Jahr der Preisvergabe für eine abwechslungsreiche Auswahl an Arbeiten gesorgt.

Dem Credo der Vielfalt unterliegen auch die Entwürfe der beiden Gewinner, "Oriens" (Roland Cernat) und "Neamachina" (Thomas und Martin Poschauko), die optisch wohl unterschiedlicher kaum sein könnten: Cernat hat ein elegantes Motorsegelflugzeug mit transparentem Solarzellenrumpf konstruiert und in allen Details ausgearbeitet. Dem "Cradle-to-cradle"-Prinzip folgend, das für ökologisch intelligentes Design wirbt, hat der 28-Jährige besonders leichte Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet. Bei diesem Flugzeugkonzept gehen Nachhaltigkeit und Effizienz einher mit ästhetisch ansprechender, innovativer Gestaltung. Der transparente Rumpf ermöglicht weitläufige Ausblicke und einen extravaganten Panoramablick, die sich der passionierte Fallschirmspringer in Zukunft auch aus dem Segelflugzeug zu genießen erhofft.

Die Brüder Poschauko überzeugten die Jury unter Vorsitz Johann H. Tomfordes mit einem umfangreichen und komplexen Buchprojekt, bei dem sie in über 1000 Einzelarbeiten mit unterschiedlichen formalen Darstellungsvarianten eines menschlichen Porträts und des Schriftzugs "Neamachina" experimentiert haben. Der Titel der Arbeit (griechisch für "die neue Maschine") deutet bereits an, dass hier ein neues Kräfteverhältnis zwischen planerischer und spielerisch-intuitiver Herangehensweise, Funktionalität und Form, der Perfektion des Computers und der Originalität des Handwerklichen angestrebt wird. Die auch als freie Künstler tätigen Kreativen fordern ein Umdenken bei der Designerausbildung. Durch ihren Entwurf möchten sie auch andere "Gestalter inspirieren für eine Gleichberechtigung zwischen Handwerk und Computer" einzutreten und beispielsweise vermehrt "handwerkliche Entwürfe digital weiterzuverarbeiten und umgekehrt," erklärt Thomas Poschauko.

"Details sind das, was das Design des Produkts ausmacht"

Dieser Ansatz entspricht auch den Zielen der Raymond Loewy Stiftung, die durch ihr Engagement die Qualität der Designausbildung steigern und durch den Vergleich der Abschlussarbeiten mehr Transparenz und gegenseitigen Austausch herstellen will. Dieter Rams, der Preisträger des Lucky Strike Designer Awards 2007, forderte in seiner Rede im Rahmen der Preisverleihung mehr Begeisterung für die Designförderung, die "für die Gesellschaft ein eminent wichtiges Thema" und zudem in der Lage sei, "eine kulturelle Revolution zu entfachen," denn sich wandelnde Industriekulturen könnten ebenfalls das gesamtgesellschaftliche Klima verändern. Doch auch auf anderer Ebene seien Förderpreise von großem Nutzen, denn laut Rams zeigen sie, wie Design der Normalität dienen kann. "Funktionsgerechtes Design entsteht aus der intensiven, umfassenden, geduldigen und nachdenklichen Auseinandersetzung mit dem Leben, den Bedürfnissen, den Wünschen und Gefühlen der Menschen," erläuterte der Gastredner.

So fanden sich unter den 24 von der Jury mit einer "Besonderen Anerkennung" gewürdigten Arbeiten Entwürfe wie die kraftunterstützende Orthese "Monté" von Katrin Dreher, der multifunktionale Rollstuhl "Simplicity – Home Chare" von Christian Halter oder eine praktische Verschlusslösung für Flaschen von Dési Doell, die alle dazu beitragen, Menschen den Alltag zu erleichtern. Ganz im Sinne von Charles Eames, der einmal gesagt hat: "Details sind nicht nur Details. Details sind das, was das Design des Produkts ausmacht."

"Lucky Strike Junior Designer Award"

Termin: Alle ausgezeichneten Arbeiten werden vom 8. bis 20. Juli im Foyer des "Stilwerk" Hamburg in einer multimedialen Ausstellung gezeigt.

http://www.raymondloewyfoundation.com

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1 Leserkommentar vorhanden

Andreas Huber

10:05

02 / 07 / 10 // 

Lobbyismus für ein tödliches Produkt

Glaubt man Ulf Bauer, der bei British American Tobacco für Politik und Unternehmenskommunikation zuständig und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Raymond Loewy Foundation ist, geht es hierbei um die Förderung junger Designer. Schaut man sich interne Dokumente der Firma BAT an, die im Zuge der Verfahren von US-Gerichten veröffentlicht wurden, bietet sich ein anderes Bild. Aus diesen Papieren geht eindeutig hervor, dass die Stiftung als Marketinginstrument gesehen wird. So liest man z. B., die Loewy Foundation sei eine „reine PR-Initiative“, ein „wesentlicher“ bzw. „lebenswichtiger Teil“ der Markenkommunikation oder biete „ein exzellentes Langzeitpotential für die Kommunikation der Marke“. Die Verleihung des Lucky Strike Junior Designer Award durch die von der Firma British American Tobacco gegründeten Raymond Loewy Foundation ist ganz unzweifelhaft eine Werbeveranstaltung der Tabakindustrie. Diese Zusammenhänge werden von British American Tobacco natürlich nicht publik gemacht und waren daher auch für Frau Prof. Dr. Karin von Welck möglicherweise nicht durchschaubar. Das Forum Rauchfrei hat Frau Prof. Dr. Welck daher angeschrieben und sie gebeten, an solchen Veranstaltungen der Tabakindustrie in Zukunft nicht mehr teilzunehmen. Es gelingt der Tabakindustrie immer wieder, Politiker für ihre Imagepflege zu instrumentalisieren. So war Frau Prof. Dr. Welck auch Gast auf der Feier zum 100. Geburtstag des BAT-Konkurrenten Reemtsma im März diesen Jahres. BAT wiederum erhielt vor wenigen Tagen aus den Händen der Bundesfamilienministerin Frau Dr. Schröder eine Auszeichnung als familienfreundliches Unternehmen. Eine solche Nähe von Politik und Tabakindustrie widerspricht ganz eindeutig den Forderungen der Weltgesundheitsorganisation: „Vertragsparteien sollten nur dann, wenn es erforderlich ist, und nur in dem Ausmaß, das erforderlich ist, mit der Tabakindustrie interagieren, um ihnen eine wirksame Regulierung der Tabakindustrie und der Tabakprodukte zu ermöglichen.“ Mehr über di