Made 4 you

Wien



SCHNEEKUGEL UND STAUBSAUGER

"Design für den Wandel" lautet der Untertitel zur Ausstellung "Made 4 You" in Wien. Die Schau im Museum für angewandte Kunst verschreibt sich dem allseits beliebten Credo der Nachhaltigkeit. Auch esoterische Sichtweisen kommen dabei nicht zu kurz.

// ALMUTH SPIEGLER

Was die Zimmerpflanzen unter den Plexiglaskuben bedeuten, kann einem der Aufseher auch nicht erklären. Das Gewächshaus ist bereits erfunden. Für eine nachhaltige Klimaanlage bräuchte es die Plexiglashülle nicht. Vielleicht aber soll der so genannten "Lobby" in der Ausstellung "Made 4 You" im Wiener MAK auch nur der nötige Lobby-Charme verliehen werden.

Ein grünes Rätsel also, Gastkurator Hartmut Esslinger wird sich ja wohl etwas dabei gedacht haben. Schließlich ist er eine Design-Ikone, war in den achtziger Jahren wesentlich für den Erfolg von Apple mitverantwortlich. Einige dieser Macintosh-Ur-Modelle hat er jetzt sozusagen als Empfangsdamen engagiert, sie begrüßen den Besucher in der Lobby und stellen dabei gleich einige Grundsätze Esslingers vor: "Innovation ist Provokation", "Design ist nicht demokratisch", "Träumen, nicht schlafen" oder "Keep it simple".

Die Lobby ist sozusagen das "Brain", wie das auf "documenta 13-Denglisch" jetzt heißt, also ein Konzentrat der Ausstellung. Vermittelt werden soll der Begriff "Strategisches Design", das einen "ganzheitlichen", spartenübergreifenden Anspruch verfolgt. Da darf anscheinend auch die Prise Esoterik nicht fehlen, die mit einem Stillleben aus billigem Design-Kitsch zumindest ironisch verkauft wird, mit Symbolen für Weisheit (Stein), Ritterlichkeit (Schneekugel), Balance (Engelsflügel), Frohsinn (Smile) und ähnlichem. Damit gerüstet rückt man weiter ins "Labor" vor, aufgebaut in der großen MAK-Ausstellungshalle. Hier sind einige Designvisionen versammelt, von der Facebook-Erweiterung des "Dorian Gray Books" bis zum verbesserten Baugerüst. In Schaukästen stehen brav die Modelle, die Erklärungen dazu werden zusammengefasst an die Wand projiziert. "Keep it simple" hätte man sich bei der Didaktik zu Herzen nehmen können.

Auch die Ipads an jeder Station der rund um den Saal laufenden "Fabrik", von Gesundheit, Mobilität bis "Überleben", sind mehr Luxus als tatsächlich benutzte Info-Tools. Wobei die Ausstellung in diesem dritten Teil nicht nur am konkretesten, sondern auch am lustigsten wird: Die verwirklichten Visionen werden hier präsentiert, vom "extrovertierten sportlichen Show-Car" bis zu minimalistischen Vibratoren. Berühmte Klassiker wie die Sojasoßen-Tischflasche oder den Dyson-Staubsauger hätte man allerdings ruhig weglassen und sich mehr auf aktuellere Produkte konzentrieren können – und auf "nachhaltigere". Denn die Umweltverträglichkeit einer Kaffee-Tab-Maschine, die zugegebener Weise besonders hübsch ist, muss einem erst einmal jemand erklären. Die Versprechungen der Lobby gehen also nicht ganz in Erfüllung. Vor allem in der Nähe zur bildenden Kunst fehlt allzu oft das provokative Element, das innovatives Design laut Esslinger doch bergen sollte. Vielleicht ist der Besucher hier im MAK, wo der redundante Revolutionsgeist des vorigen Direktors immer noch weht, einfach noch zu abgebrüht.

MAK Wien

Die Ausstellung Made 4 You ist noch bis zum 7. Oktober im Wiener MAK zu sehen.

http://www.mak.at

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