Schwarz Weiss

Zürich



GUT UND BÖSE, LEBEN UND TOD

Eine Ausstellung zeigt, welche Vielfalt Designer dem Kontrast abgewinnen.
// GERHARD MACK, ZÜRICH

Steht etwas schwarz auf weiß geschrie­ben, gibt es an der Gültigkeit der Sache keinen Zweifel. Wenn jemand schwarzweiß denkt, ist er ein einfaches Gemüt, das die Zwischentöne nicht sehen will, die unsere Welt doch eigentlich erst farbig machen.

Schwarz und Weiß sind die beiden Nichtfarben im Farbenkreis, sie stehen fürs Essen­tielle, für den extremen Gegensatz und werden durch alle Kulturen hinweg als Zeichen für Polarisierungen verwendet: Sie kennzeichnen das Symbol für das chinesische Yin und Yang, sie sind in der abendländischen Kultur Metapher für Licht und Dunkelheit, für Gut und Böse und für Leben und Tod. Schach, das Spiel der Könige, wird mit schwarzen und weißen Figuren auf schwarzen und weißen Feldern ausgekämpft. Die Wahrnehmungsphysiologie liefert auch eine schlagende Erklärung für diese Beliebtheit. Die Menschen sind von der frühen stammesgeschichtlichen Entwicklung her auf das schnelle Erkennen von Veränderungen angewiesen. Und was lässt sich leichter unterscheiden als schwarz auf weiß. Der Gegensatz ist die reinste Verkörperung des Schemas von Figur und Grund. Kein Wunder also, dass Fußballvereine wie Schwarz-Weiss Essen den Kontrast im Namen tragen und damit Stärke signalisieren.

Von den Künstlern ganz zu schweigen. Kasimir Malewitsch hat 1915 sein schwarzes Quadrat programmatisch als Fanal der Moderne auf einen weißen Grund gesetzt. Victor Vasarely und die Op Art haben mit dem Kontrast unser Sehen in Bewegung versetzt. Und haben nicht Architekten in schwarzen Anzügen die Bauten der weißen Moderne entworfen? Der Kontrast prägt Lebenswelt und Kultur der Moderne wie kaum ein Zweiter. Da wird es endlich Zeit, dass eine Ausstellung auffächert, wie schwarz und weiß zusammenspielen, zueinander auf Distanz gehen und sich dann wieder aufeinander zubewegen. Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt für Architektur, Design und Mode vor allem seit den fünfziger Jahren, wie Entwerfer den Gegensatz genutzt haben. Der schwarze "Chair_One" von Konstantin Grcic gehört ebenso dazu wie die weiße "Sponge"-Vase von Marcel Wanders oder die kugelige Tischuhr von Kienzle, welche die beiden Werte verbinden. Ein Kontrast zieht sich durch unser Leben und bringt Din­ge zusammen, die wir so noch nie miteinander kommunizieren sahen.

Schwarz Weiss – Design der Gegensätze

bis 4. März 2012, Zürich, Museum für Gestaltung

http://www.museum-gestaltung.ch

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo