Serpentina

Pforzheim



REPTIL AM HALS

Vom alten Ägypten bis zum Jugendstil haben Schlangen Künstler und Kunsthandwerker immer wieder fasziniert und zu aufregenden Schmuckkreationen inspiriert. Die Ausstellung "Serpentina" im Pforzheimer Schmuckmuseum gibt einen Überblick.
// PETRA BOSETTI

Die Schlange ist so etwas wie der good guy/bad guy der Geschichte: Im antiken Ägypten, in Griechenland oder Indien war sie heilig, in China dagegen war sie Symbol für Schlauheit, Bosheit und Hinterlist. Und die Christen nehmen es der Schlange wohl noch heute übel, dass ihr die Vertreibung des Menschen aus dem Paradies geschuldet wird – kaum jemand mag sich mit den geschuppten Kriechern anfreunden.

Und doch ist es ausgerechnet die Schlange, die vor allem Jugendstilkünstler zu ausgefallenen, aber außerordentlich ästhetischen Schmuckkreationen inspiriert hat; die Ornamentik des Jugendstils scheint geradewegs auf die eleganten Bewegungen des ranken Schlangenkörpers zurückzugehen. Das Schmuckmuseum Pforzheim, das weltweit einzige Spezialmuseum zur Geschichte des Schmucks, hat dem Thema nun eine Ausstellung gewidmet, zu der 140 exquisite Leihgaben aus europäischen und japanischen Museen sowie aus Privatbesitz zusammenkamen; zu den Leihgebern zählen das Calouste Gulbenkian Museum in Lissabon, das British Museum in London, das Musée des Arts décoratifs in Paris und das Diamantmuseum in Antwerpen.

Schlangenmotive – von Schweden bis nach Afrika

Um die schillernde Farbigkeit der Reptilien im Schmuck wieder aufleben zu lassen, wählten die Designer farbige Edelsteine, vor allem die in allen Tönen changierenden Opale, dazu Türkise, Rubine, Granat, Smaragde und Diamanten, häufig steigerte auch Email die farbige Ausdruckskraft. Ein Exkurs in die Vergangenheit zeigt, dass die Schlange als Schmuckmotiv zu allen Zeiten und in vielen Kulturen präsent war: Aus dem 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus etwa stammt ein schlichter schwedischer Armreif aus purem Gold, die Alemannen fertigten im 7. Jahrhundert nach Christus eine raffiniert ornamentierte Goldfibel mit eingelegten Halbedelsteinen. Kunsthandwerkern der Volksgruppe der Baule (Elfenbeinküste) formten Anfang des 19. Jahrhunderts einen filgranen Goldanhänger in aufwendiger Wachsfadentechnik. Und der Hindu-Gott Shiva ist in einem indischen Kupferrelief bei seinem Feuertanz von Schlangen umspielt.

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