Design Miami

Messe

Nähzeug statt Waffen
Blick in die Ausstellungshalle (Foto: Alexander Tamargo/Getty Images)

NÄHZEUG STATT WAFFEN

Mehr als Werbung für Luxusprodukte bietet die Messe Design Miami in diesem Jahr. Der Schwerpunkt liegt bei Klassikern wie Jean Prouvé oder Ron Arad - der Nachwuchs hat es schwer, sich gegen die großen Namen zu behaupten.
// CLAUDIA BODIN, MIAMI

Zum zweiten Mal trat "Design Miami" in direkter Nachbarschaft zur Art Basel Miami Beach an. Die Nähe zur großen Kunstverkaufsshow scheint der Messe gut getan zu haben. Wirkte sie im vergangenen Jahr wie eine Werbeveranstaltung für Luxusprodukte, ist "Design Miami" inzwischen erwachsener geworden.

Neue Aussteller wie Didier Ltd. aus London oder Pierre Marie Giraud aus Brüssel sind in diesem Jahr dabei. Und sie haben in erster Linie Klassiker von Design-Meistern wie Jean Prouvé, Wendell Castle oder Harry Bertoia, dem Schöpfer des berühmten "Wire Chairs", dabei.

Die Galerie Patrick Seguin aus Paris, die 2010 ein Schlafzimmer-Mobiliar von Jean Royère an Naomi Campbell verkaufte, brachte dies Mal einen Tisch von 1941 von Pierre Jeanneret mit. Der war nicht nur der Cousin von Le Corbusier, sondern auch ein Mitglied der französischen Résistance. An dem dreibeinigen Tisch "Forme Libre" für 650 000 Dollar soll Jeanneret in seinem Haus in Grenoble mit seinen Kameraden getagt haben. Bei Demisch Danant aus New York konnte man sich auf einem geschwungenen 60er-Jahre-Traum von einem Sofa von Pierre Paulin (Preis: 100 000 Dollar) niederlassen. Der Londoner Designer Ron Arad, der kein großer Fan von Designmessen ist und seine Arbeiten lieber nebenan auf der Art Basel Miami Beach sehen würde, schaute bei François Laffanour aus Paris vorbei, die Arads legendären, in Betonplatten eingelassenen Plattenspieler samt Beton-Boxen für 150 000 Dollar im Angebot hatte. Am dritten Tag der Messe war "Concrete Radio" noch zu haben. ”Wir lassen uns auf keinen Preisnachlass ein“, so ein Galeriemitarbeiter.

Moss aus New York präsentierte den Designer, Mathematiker und Architekturprofessor Dr. Haresh Lalvan. Die anhand von mathematischen Berechnungen hergestellten Teller und weiß beschichteten Metallkugeln verwandelten den Stand in ein futuristisch anmutendes Labor. Dr. Lalvan selbst war vor Ort, um den meist verständnislos dreinschauenden Besuchern die geometrisch-mathematischen Modelle seiner Hyper-Oberflächen zu erklären.

Eine gelungene Auswahl an Keramiken, darunter Aschenbecher des L.A.-Künstlers Sterling Ruby mit ihren kindlich rohen Formen (für Preise von 2000 bis 12 000 Dollar), die sich gut verkauften, oder kunstvoll filigrane Vasen von Tony Marsh (Preis: 17 600 Dollar für das Paar) zeigte die Galerie von Pierre Marie Giraud. Mit Handarbeiten präsentierte sich dies Mal auch das Modehaus Fendi. Das aus Berlin stammende, erst seit kurzem als Designer kooperierende Paar Sebastian Neeb (sonst Künstler) und Elisa Strozyk (Textildesignerin) ließen ihre Nachbauten von Möbelstücken des 18. Jahrhunderts von Lederflechtwerken umspinnen und umwuchern. Schließlich fertigten sie eines der traditionellen Möbelstücke ganz aus Leder, um es durch den Ausstellungsraum schweben zu lassen. Mit der verspielten Idee führte die beiden Berliner unfreiwillig ein Problem der Messe vor: Die jungen Designer hatten es in aller Regel schwer, sich gegen altes Handwerk und Designkunst durchzusetzen.

Auch wenn der aus den Niederlanden angereiste Galerist Thomas Eyck mit den mit Traditionen spielenden Holzmöbeln von Christien Meindertsma überzeugt war, den "nächsten Designstar" mit nach Miami gebracht zu haben, war der Nachwuchs genau der Schwachpunkt der Messe. Es gab wenig Neues zu entdecken. Ted Nolten zeigte wieder seine Plexiglashandtaschen. Allerdings hatte er dies Mal Nähzeugs statt Waffen im Gepäck. Der Londoner Tom Price war mit seinen aus Plastikmüll zusammengeschweißten Sesseln vertreten. Die Brooklyner Bildhauerin Beth Katleman, die ironisch bunt verkitschte Porzellankannen oder Toilettenverzierungen fertigt, hatte eine Wand bei Todd Merrill Studio mit Engeln, Rosen und auf Schnecken reitenden Gartenzwergen behängt. Die komplette Installation "Folly" mit 4000 Porzellanelementen kostete 200 000 Dollar. Bei Johnson Trading aus New York lieferten die drei Designer Max Lamb, Rafael des Cardenas und Ricky Clifton nicht allzu überzeugend ihre Designideen zum Thema Box ab. Eine der interessantesten jungen Arbeiten lieferte des Designkollektiv rAndom International mit ihrer Lichtinstallation "You Fade to Light" für 140 000 Euro bei der Carpenters Workshop Gallery. Je mehr Bewegung vor dem Lichterspiegel stattfand, desto heller erleuchtete die Arbeit auch.

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