Alexander McQueen

New York

McQueen macht Museumsgeschichte
Nicht nur vor dem Museum stauten sich die Wartenden, die Besucherschlange setzte sich auch im Inneren fort (Courtesy of The Metropolitan Museum of Art)

MCQUEEN MACHT MUSEUMSGESCHICHTE

Die Hommage an den verstorbenen Modedesigner Alexander McQueen im Metropolitan war eine wunderbar inszenierte, poetische Reise - die dem Museum Besucherrekorde und Rekordeinnahmen bescherte. Sogar die Vogue-Chefredakteurin signierte Kataloge.
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Sie ließen sich von nichts abhalten. Nicht von Wartschlangen, die sich bereits in den frühen Morgenstunden vor dem Museum gebildet hatten und bis in den Central Pak erstreckten. Nicht von Temperaturen von mehr als 30 Grad, in denen sie ausharrten.

Und nicht von der Tatsache, dass man sich nach zweistündiger Wartezeit vor dem Museumsgebäude weitere drei Stunden durch die Ausstellungshallen, vorbei an antiken Schmuckstücken und Gemälden von alten Meistern schlängelte, um sich schließlich durch die Galerieräume von McQueens "Savage Beauty" zu schieben. "Es ist es uns wert", hörte man immer wieder von den Besuchern.

Die Kreationen des britischen Modeschöpfers Alexander McQueen, der sich im vergangenen Jahr im Alter von 40 Jahren das Leben genommen hatte, trugen dazu bei, dass das New Yorker Metropolitan Museum of Art trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten am 30. Juni für das rückblickende Geschäftsjahr mit 5,68 Millionen Besuchern einen Rekord verbuchen konnte – nur der Louvre und das British Art Museum haben einen größeren Ansturm. Während es die Picasso-Show im Metropolitan mit 300 Werken aus der Sammlung des Hauses 2010 auf 703 000 Gäste brachte, konnte das Genie McQueen, der als Hooligan der Modewelt bekannt war, 661 000 Besucher verbuchen. Für Jeff Koons' Skulpturen interessierten sich vergleichsweise weniger Leute. "Savage Beauty" schaffte es auf Platz acht der beliebtesten Ausstellungen in der Geschichte des Metropolitan. Der Modeschöpfer wurde damit neben Meistern und historischen Größen wie Tutanchamun, Picasso oder van Gogh eingereiht.

"Savage Beauty", was übersetzt für grausame oder auch wilde Schönheit steht, hatte Anfang Mai eröffnet und schloss dieses Wochenende ihre Türen. Die Ausstellung war von dem Kurator Andrew Bolton vom Costume Institute des Metropolitan Museum mit Hilfe von zwei früheren McQueen-Mitarbeitern organisiert worden, die früher Modeschauen des Meisters produziert hatten. Bei der Hommage an McQueen handelte es sich um eine wunderbar inszenierte, poetische Reise, die einen mit musikalischer Untermalung zu dunklen Abgründen, in erotische Welten und auf romantische Ausflüge entführte. McQueens handwerklich meisterhafte Arbeiten tragen auch ohne die Mode-Bühne die Kraft von großen Theater-Inszenierungen in sich oder haben mehr mit Kunst-Performances als mit Mode zu tun. Dass der Designer ganz nebenbei Trends wie die tief unter dem Bauchnabel sitzenden Low-Rise-Hosen oder Mantelkleider kreiert oder in seinen Kreationen gesellschaftspolitische Kommentare verpackt hat, führt vor, was Mode sein könnte, aber selten ist.

In den letzten zwei Tagen verlängerte das Metropolitan seine Öffnungszeiten für "Savage Beauty" bis tief in die Nacht, um dem Ansturm gerecht werden zu können. Diejenigen, die 50 Dollar Eintritt zahlen wollten, konnten die Ausstellung am eigentlichen Ruhetag Montag besuchen. Was dem Metropolitan zusätzliche 850 000 Dollar an Eintrittsgeldern einspielte. Die Ausstellung ist natürlich auch ein großer finanzieller Erfolg. 4,5 Millionen Dollar wurde allein durch den Verkauf der Kataloge erzielt. Lokale Sender und Magazine interviewten die jungen und vor allem modischen Museumsgäste. Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour, die zum Entstehen der Ausstellung beigetragen hatte, signierte in den letzten Stunden Kataloge. Die letzten Gäste am letzten Öffnungstag verließen das Haus auf der Fifth Avenue um drei Uhr morgens.

Eine Vielzahl der 100 gezeigten Designerarbeiten sind Leihgaben aus der Kollektion von Sammlerin Daphne Guinness, die Tom Ford als eine der modischsten Frauen der Welt bezeichnete. Die für ihre extravaganten Outfits bekannte Guiness-Erbin erwarb den Nachlass von McQueens Mentorin und enger Freundin Isabella Blow, die sich wie der Designer vor einigen Jahren das Leben genommen hatte, und erstand Glanzstücke aus McQueens Zeit beim Modehaus Givenchy. Daphne Guinness wird einen Teil der Sammlung bei einer Ausstellung ab 16. September im Fashion Institute of Technology vorführen. McQueen wird New York also ein zweites Mal beehren.

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