Stadtmöbel Enzo

Museumsquartier Wien

"Was sollen diese Trümmer da?"
"Das Museumsquartier signalisierte uns eindeutig: Die Enzis müssen wieder her", erzählt Enzi-Erfinder Georg Poduschka (Courtesy Leopold Museum / Foto: Julia Spicker)

"WAS SOLLEN DIESE TRÜMMER DA?"

Trotz anfänglicher Bedenken wurde das öffentliche Sitz- und Liegemöbel "Enzi" zu einem Wahrzeichen Wiens. Nun tritt eine neue Generation des Stadtmöbels die Nachfolge seines beliebten Vorgängers an, und ganz Wien ist aufgeregt.
// MATTHÄUS MAIER

Als die ersten Enzis im Winter 2002 das Wiener Museumsquartier bevölkerten, stießen sie zunächst nicht auf viel Gegenliebe. Sperrig, allzu klobig standen sie zum Punschstand gestapelt im Museumsquartier und wurden von Passanten mit argwöhnischen Blicken bedacht. Als "überdimensionale, kombinierbare Hartschaummöbelelemente, die sich, in unendliche Variationen addiert, als charakteristische, wieder erkennbare Platzhalter der Moderne positionieren" beschrieben die Erfinder, das Architekturbüro PPAG, ihre Enzis und sie sollten recht behalten.

Spätestens im Sommer 2003, als sich die Enzis schüchtern in kleinen Gruppen im Hof des Museumsquartiers tümmelten, entdeckte der Wiener die Vorzüge des Hartschaumklotzes und freundete sich schnell mit ihm an. Auf den Enzis ließ es sich hervorragend abhängen, man konnte auf ihnen sitzen, lümmeln und liegen, Kinder turnten auf ihnen, und Senioren nutzten sie nach anstrengenden Museumsbesuchen als Rastplatz. Während sie im Winter als Punschstand dienten, wurden sie im Sommer zur Sonnenbank und zur urbanen Liegewiese umfunktioniert.

Hatte der Enzi zu Beginn seiner Laufbahn noch Probleme als Sitz- und Liegemöbel erkannt und benützt zu werden, ist er heute nicht mehr aus dem Museumsquartier wegzudenken. "Die waren verstört und haben nicht recht gewusst, was das ist", sagt Georg Poduschka, neben Anna Popelka ein Gründungsmitglied von PPAG, über die ersten Reaktionen des Publikums im Museumsquartier. "Einerseits war ihnen nicht klar: Was ist das? Was sollen diese Trümmer da? Andererseits waren alle Enzis sofort besetzt."

Inoffizielles Wahrzeichen

Nicht zuletzt aufgrund der Enzis wurde das Museumsquartier zu einem Hot-Spot in Wien, die öffentlichen Sofas machten es zum Wohnzimmer der Stadt. Jugendliche verbringen hier ihre Nachmittage, und Touristen verabreden sich dort ebenso wie Geschäftsmänner, unterschiedliche Szenen treffen aufeinander, und Generationen begutachten sich hier kritisch. Abends kommt hier das unternehmungslustige Volk zusammen, und morgens sieht man die letzten Nachtvögel heimkehren. Dass den Wiener die Enzis ans Herz gewachsen waren, zeigte letztes Frühjahr ein Online-Voting über die Farbwahl der gemütlichen Liegen. Zehntausende User entschieden per Klick, dass die Enzis den Sommer über in "Candy Shop Pink" erstrahlen sollten.

Allen Zweifeln zum Trotz setzte sich der Enzi durch und wurde zu einem inoffiziellen Wahrzeichen, wie keiner zweiten Installation im öffentlichen Raum gelang es dem großen Möbelstück, das Stadtbild zu prägen. Auch die Tourismusbranche entdeckte den charismatischen Sitzklotz für sich. Anfang des Sommers waren einige Enzis in Madrid und Barcelona zu sehen, um die Werbetrommel für den Tourismus- und Kulturstandort Wien zu rühren. Dazu Poduschka: "Was uns besonders freut, ist, dass so ein kleines Ding wie der Enzi so hohe Wellen schlägt, dass sich Politiker darauf fotografieren lassen oder dass sie beim Neujahrskonzert im Fernsehen gezeigt werden."

Doch der Enzi ist nicht mehr, ein Brand vernichtete letzten Winter den gesamten Bestand. Schnell war klar, dass es ohne Enzis nicht mehr geht. "Das Museumsquartier signalisierte uns eindeutig: Die Enzis müssen wieder her", so Poduschka. Zusammen mit den Produktdesignern MN*LS wurde die Gelegenheit genutzt, um das Produktionsverfahren zu optimieren, konnten bislang nur zehn Stück in der Woche hergestellt werden, beträgt die Quote nun zehn Stück pro Tag.

Nun tritt also der Enzo, wie der neue Enzi heißt, in die Fußstapfen seines großen Bruders, und ganz Wien ist aufgeregt. Leichter soll er sein und brandsicherer, aber genauso bequem. Hoffentlich kann er die Erwartungen erfüllen.

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2 Leserkommentare vorhanden

maria

18:35

05 / 09 / 10 // 

wunderbar.

super artikel und super enzis.

ceec

17:41

24 / 12 / 10 // 

Tolled Idee

Eine tolle möglichkeit eine Stadt zu verschönern. Das ist schlichtes aber effektives Design. Solche Kunstwerke sollten viele Städte aufstellen,weiter so:)

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