Redlight Design

Droog Design

Design statt Prostitution
Feierliche Eröffnung der "Redlight Design"-Initiative (Foto: Edwin van Eis)

DESIGN STATT PROSTITUTION

Einzigartiges Pilotprojekt in den Niederlanden: Durch die Initiative "Redlight Design" soll das Amsterdamer Rotlichtviertel entkriminalisiert und aufgewertet werden – mit Galerieräumen für Schmuck, Mode, Design und Kunst.
// KERSTIN SCHWEIGHÖFER, AMSTERDAM

Schon nach wenigen Besuchen wurde der niederländische Designer Gijs Bakker von den Damen im Amsterdamer Rotlichtbezirk freundlich begrüßt. "Sie versuchen eher mich zu verführen!", meint der Direktor der weltberühmten Designplattform Droog Design und lacht. "Dann schnalzen sie ganz schnell mit der Zunge, das ist ihr Lockruf. Dabei mussten sie schon nach einer Woche erkennen, dass es an mir nichts zu verdienen gibt!"

Denn Bakker kommt nicht als Freier, sondern als Mitorganisator von "Redlight Design" – einer Initiative, mit der die Wallen, wie das berüchtigte Amsterdamer Rotlichtviertel heißt, entkriminalisiert und aufgewertet werden sollen. Immerhin geht es um den malerischsten und ältesten Teil der Stadt – ein Stück Mittelalter in Amsterdam. Mit finanzieller Hilfe der Stadt hat eine Wohnungsbaugesellschaft für 25 Millionen Euro 18 Häuser mit 51 Fenstern angekauft, in denen bis vor kurzem noch leichtbekleidete Prostituierte ihre Reize feilboten. Jetzt dürfen dort Schmuckkünstler und Modemacher ein Jahr lang arbeiten und ihre Entwürfe zeigen – und zwar kostenlos.

"Wir müssen nur die Nebenkosten zahlen", erzählt die deutsche Schmuckdesignerin Gésine Hackenberg. "So eine Chance bekommt man so schnell nicht wieder!" Die 36-Jährige ist Absolventin der Rietveld-Akademie und lebt seit 11 Jahren in Amsterdam. Insgesamt 40 Quadratmeter stehen ihr zur Verfügung – und das in bester Hauptstadtlage, mit Hunderten von Touristen, die tagtäglich vor ihrem Schaufenster vorbeiziehen: "Normalerweise ist das unbezahlbar."

Etwas gewöhnungsbedürftig allerdings sei ihr neuer Arbeitsplatz schon, meint sie und deutet auf die große Holzplatte gleich neben dem Eingang: "Da war früher das Bett." Einen der Spiegel hat sie hängen lassen; auch ist alles nach wie vor gekachelt: "Das ist praktisch und gut abwischbar, ich richte beim Arbeiten immer eine große Schweinerei an."

"Wir sind Eindringlinge, die ins Geschäft funken"

Verkaufen dürfen die Schmuckkünstler ihre Stücke aus Sicherheitsgründen nur über die drei Amsterdamer Galerien Rob Koudijs, Louise Smit und Ra. "Das sind gleich drei große Namen in der Designwelt", betont Gijs Bakker. "Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt, weder in Paris, London oder New York – aber hier in Amsterdam!" Bakker, von Haus aus selbst Schmuckdesigner, sieht es bereits genau vor sich: "Auf den Wallen soll es so zugehen wie auf der Ponte Vecchio in Florenz – ein einziges Kommen und Gehen, mit vielen Silber- und Goldschmieden unter den Händlern. Wobei die Kleinode, die sie feilbieten, genauso exotisch und faszinierend sind, wie die Damen hinter ihren rotbeleuchteten Fensterscheiben!"

Die allerdings geben sich feindselig und wollen von ihren neuen Mitbewohnern bislang nicht viel wissen. "Wir sind Eindringlinge, die ihnen ins Geschäft funken", sagt Gésine Hackenberg. Nicht umsonst hat sie bruchsicheres Glas in ihrem Schaufenster. Dennoch hofft sie auf Anschluss: "Aber das muss wachsen. Vorerst bin ich froh, wenn ich zumindest ein Lächeln zurückbekomme."

"Redlight Design Amsterdam"

Termin: bis September 2009, Oudekerksplein, Amsterdam.

http://www.redlightdesignamsterdam.nl

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