Vienna Design Week
Wien
Zum zweiten Mal geht dieser Tage in Wien die Vienna Design Week als Design-Festival mit internationalem Anspruch ins Rennen. Dabei handelt es sich nicht um eine herkömmliche Messe mit festem Standort und fixen Besuchszeiten – die ganze Stadt wird zu Plattform und Schauplatz für verschiedenste Präsentationen, Aktionen und Statements im Rahmen von Design. Und nicht nur ganz Wien wird bespielt; das Echo hallt mittels eigens organisierter Design-Safaris bis in die benachbarten Designszenen von Prag oder Bratislava.
Produkt-, Möbel- und Industriedesign im internationalen Kontext sollen erlebbar, beschaubar, auf jeden Fall aber der Öffentlichkeit im großen Maße zugänglich gemacht werden. Hinter dem Projekt steht die "Neigungsgruppe Design", die aus Tulga Beyerle, Thomas Geisler und Lilli Hollein besteht. Die drei Design-Experten haben sich ein klares Ziel gesetzt: die österreichische Designszene auf internationalem Niveau sichtbar zu machen und zu zeigen, dass Wien das Zeug zur Design-Stadt hat. Und nachdem das im letzten Jahr so zufriedenstellend geglückt ist, darf man sich auf allerhand abwechslungsreiche Programmpunkte freuen: So wird gleich zur Eröffnungsfeier eine Beton-Spiegelglas-Skulptur des Designerduos Kram/Weisshaar vor dem altehrwürdigen Palais Liechtenstein enthüllt. Die Bestandteile der Installation werden dann im Laufe der Design-Tage in ganz Wien verteilt und aufgestellt – symbolisch für die Zerstreuung des Festivals, das am Ende ein großes Design-Ganzes ergeben soll. Ein ähnliches Konzept verfolgen die "Passionswege 2008" als Kernstück des Festivals. Drei Design-Wanderwege mit einzelnen Stationen führen durch die Wiener Innenstadt: Experimentell gehen dabei zehn Designer-Kooperationen mit Institutionen, Galerien oder Geschäften ein. Der Italiener Marco Dessi quartiert sich in der Augarten-Manufaktur ein und formt "schräge" Porzellanskulpturen. Architekt Gregor Eichinger (A) pflegt bei Naber Kaffee die typische Wiener Kaffeehauskultur mit einer Art Tauschböse für verschiedenartige Kaffeetassen, Bartosz Mucha (PL) ist im Haushaltsladen um die Ecke damit beschäftigt, die Brücke zwischen Alltagsgegenstand und Designobjekt zu schlagen. Aber nicht nur zeitgenössisches Designgeschehen kommt unter die Fittiche der Veranstaltung. Im Zuge der Ausstellung "Kronprinz Rudolph – Lebensspuren" im Hofmobiliendepot wird die Leidenschaft des Regenten für orientalische Einrichtungsgegenstände beleuchtet und zum Anlass genommen, im Kontext der Sammlerstücke aus dem 19. Jahrhundert zehn aktuelle Designpositionen aus der Türkei zu präsentieren.