Crowdfunding für Kreative: Was steckt dahinter?

Wer die Hintergründe zu unserem Crowd-Experiment verpasst hat, kann hier nochmal nachlesen.

Experiment, Tag 46 - Endspurt der Funding-Phase

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Nadine schreibt:

Zuletzt hat das Projekt "Praktikum Lab" dank der Unterstützung von 2010LAB.tv nun doch noch ein wunderbares Pitch Video erhalten.

Hier erzählt Maya Wiseman, eine der ausführenden Künstlerinnen, wie es zu dem Projekt kam. Der Funding-Fortschritt schlich zunächst tagelang schleppend vor sich hin - doch nun haben wir, dank einer fantastischen Beteiligung von MTV, die sich allgemein als Sponsor der Social Media Week einsetzen, einen großen Sprung nach vorne gemacht!

Leider ist es schon sehr spät, und es bleiben nur noch 5 Tage für die vollständige Finanzierung des Projekts. Kommt der volle Betrag nicht zustande, erhalten die Künstler nichts und die Unterstützer ihr Geld zurück. Das sind die Regeln auf den meisten Crowdfunding-Plattformen. Hat Praktikum Lab noch eine Chance?

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Anna schreibt:

Das Projekt Praktikum Lab zeigt anschaulich die Chancen aber auch die Grenzen von Crowdfunding für Kreativschaffende. Für den Erfolg von Crowdfunding-Projekten ist es notwendig, seine Idee der Community verständlich und plausibel zu erklären und damit die Community so zu begeistern, dass die User nicht nur sagen "I Iike it", sondern "I pay for it". Das Projekt Praktikum Lab ist eine doch recht abstrakte Idee, die sich der Crowd - dem potenziellen Publikum - über die Beschreibungstexte nicht unbedingt sofort erschließt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es kein greifbares Produkt ist, wie ein Film oder eine Musikplatte, sondern dass es eine Idee ist, die sich erst vor Ort auf der Social Media Week mithilfe der Crowd realisiert.

Damit die Idee von der Crowd verstanden wird und auch im Kopf bleibt, ist deshalb ein Pitch-Video zentraler Bestandteil eines jeden Crowdfunding-Projektes. Wenn wir uns das Video zum Praktikum Lab anschauen, verstehen wir nicht nur die Projektidee und die Motivation dahinter, sondern lernen auch die Projektinitiatorin Maya Wisemann persönlich kennen. Die persönliche Vorstellung des Kreativschaffenden ist sehr wichtig, damit Fans zu Unterstützern zu werden, da die Idee unumgänglich immer mit den Personen hinter dem Projekt verknüpft ist.

Viele Crowdfunding-Plattformen arbeiten mit dem Alles-oder-Nichts-Prinzip, das heißt der Projektinitiator erhält nur dann die Gelder, wenn das definierte Zielbudget innerhalb der vorher definierten Laufzeit erreicht wird - andernfalls erhalten die Unterstützer ihr Geld zurück. Die Erfolgsquote von erfolgreich finanzierten Crowdfunding-Projekten in Deutschland liegt aktuell bei 43% (Quelle: Crowd funding-Monitor von Für-Gründer.de). Die Kreativschafffenden haben auf Crowdfunding-Plattformen die Möglichkeit ihre Ideen schon in einem frühen Stadium multimedial der Internet-Community vorzustellen und damit beim Publikum zu testen. Die Gründe, warum Projekte beim Publikum nicht so gut funktionieren können vielfältig sein: Nach unseren Erfahrungen auf Startnext sind es in der Regel nicht die Ideen, die nicht spannend wären, sondern die Präsentation auf der Plattform und die Vermarktung seines Projektes, insbesondere in der Finanzierungsphase, bleibt oft eine Herausforderung.

Ein paar Tage haben wir noch Zeit das Crowd-Experiment Praktikum Lab gemeinsam finanzieren. Nur wenn wir das Finanzierungsziel erreichen, kann das Projekt auf der Social Media Week als Installation im Planet modulor umgesetzt werden.

12 / 09 / 2011 - 10:54 Uhr - 0

Crowdsourcing + Crowdfunding = Co-Creation

Bild: Konzeptbild von “_Maya" für Now Showing How

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Experiment, Konzeptphase – Tag 17. Jetzt bewerten!
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Nadine schreibt:

In den letzten Tagen hat sich ganz schön was getan! Noch 13 weitere Vorschläge sind eingetrudelt, es wird schwierig, sich zu entscheiden. Vor allem 3 neue Konzepte haben es der Community angetan, darunter zum Beispiel die Idee von "_Maya": Now Showing How. Hier geht es um eine Aktion, in der "Praktikanten" mit "Mentoren" zusammengebracht werden. Jeder kann ein Kursangebot einreichen aber auch Kurse besuchen. So kommt man zu einer unverhofften intensiven Lernerfahrung und zu der Überlegung, welche Fähigkeiten oder welches Wissen man eigentlich selbst hat, und wie man diese anderen weitergeben kann.

Es haben sich auch einige Künstler-Teams zusammengefunden. So hat z.B. "Voto" nun mit der Hilfe von "Thirdbase" das Konzept Frame of Fame weiter ausgefeilt. Es ist jetzt tatsächlich viel stärker geworden!

Es sind jetzt noch 2 Tage Zeit, um für das Konzept zu stimmen, was während der Social Media Week umgesetzt werden soll. Klicken Sie hier um auch mit abzustimmen.

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Anna schreibt:

Die Idee für unser Experiment ART MADE BY THE CROWD kam Nadine und mir, weil wir uns täglich mit den Dimensionen des Crowdsourcings und damit mit neuen Formen der Realisierung kreativer Projekte auseinandersetzen. An den Projekten oder Ideen auf unseren Plattformen jovoto oder Startnext können wir beobachten, dass die Entwicklung und Realisierung von kreativen Ideen zunehmend ein gemeinschaftlicher Akt wird oder werden kann, wenn es denn gewollt ist.

Diese neue Formen der kollaborativen Zusammenarbeit im Netz, werden unter dem Begriff Crowdsourcing gesammelt: Der Begriff Crowdsourcing, eine Zusammensetzung von 'Crowd' und 'Outscouring' wurde erstmals 2006 von Jeff Howe, einem Autor vom Wired Magazine, geprägt. Beschrieben wird damit im Allgemeinen die Möglichkeit, Arbeits- und Kreativprozesse an die Masse der Internetnutzer - an die Crowd - auszulagern. Die Anwendungsmöglichkeiten von Crowdsourcing und die dazugehörigen Plattformen sind inzwischen vielfältig und können folgenden inhaltlichen Unterkategorien zugeordnet werden:

>> Crowd Wisdom: Die Community oder die 'Weisheit der Vielen' unterstützt die Organisation von Wissen.
>> Co-Creation: Die Community kreiert gemeinsam Inhalte oder ein kreatives Werk.
>> Crowdfunding: Die Community finanziert gemeinsam ein Projekt.
>> Crowd Voting: Die Community filtert und bewertet Ideen.

In unserem Kunst-Experiment tauchen alle Anwendungsmöglichkeiten des Crowdsourcings auf, so dass wir damit erforschen können, welche Chancen aber auch Grenzen Crowdsourcing für künstlerische Projekte haben kann. Im Zusammenhang mit unserem Crowd-Experiment stellen sich viele Fragen, mit denen wir uns in diesem Blog beschäftigen wollen. Dazu gehört beispielsweise die Frage nach der Urheberschaft von künstlerischen Ideen, die von oder in gemeinschaftlicher Arbeit der Crowd entstehen. „Unser geschichtliches Verständnis von Kunst ist geprägt von der Idee des einzelnen Schöpfers und der klaren Zuschreibung von kreativen Handlungen. Was passiert, wenn Ideen quasi durch Schwarm-Kreativität entwickelt werden? Wie formieren sie sich zu einer Aussage? Wie manifestieren sie sich zu einem Gesamtwerk?“ (Ela Kagel, Jury von Art: Made by the Crowd)

Die einzelnen Phasen unseres Experiments lassen sich den oben beschriebenen Unterkategorien zuordnen, obwohl die Grenzen der Kategorien natürlich fließend sind. Aktuell befinden wir uns in der Phase des Crowd-Votings: Die Community entscheidet, welche Idee für die Social Media Week im September umgesetzt wird. Wir sind gespannt, welche Idee die Stimme der Crowd bekommt!

12 / 08 / 2011 - 22:41 Uhr - 0