Es ist ein schöner Brauch bei manchen Architekten, am Jahresende ein Essen zu veranstalten, zu dem Kollegen, Kritiker und Feunde zum zwanglosen Austausch eingeladen sind. Diese netten Gesten sind in der Krise der Bauwirtschaft der letzten Jahre zwar weniger geworden, aber es gibt sie noch. Oft steht auf den schön gestalteten Einladungen auch schon drauf, was es geben wird: Austern, Ente, Hirsch oder Gulasch. Auf jeden Fall ein Tier. Da man in diesem feierlichen und herzlichen Rahmen niemand beschämen möchte, wird diese Wahl natürlich nicht kritisiert. Aber im Verhältnis zum großen Öko-Hype, der die Architekten zu Gralsrittern einer sauberen Umwelt gemacht hat, die unverdrossen darum kämpfen, dass ihre Häuser immer klimaschonender, gesünder und nachhaltiger dastehn, drängt sich die Frage dann doch mal auf: Muss das sein?
30 / 12 / 2010 - 17:40 Uhr - 2
Globalisierung gibt es überhaupt nicht. Kulturelle Gleichschaltung? Diktatur der Marken? Mc Brain und TV Gaga? Alles Quatsch! Ein erschöpfender Bummel durch die Länderpavillons der diesjährigen Architekturbiennale zeigt vor allem eins: nationale Beharrungskräfte. Wenn die Länder in den Gardini von Venedig zeigen, worauf sie stolz sind, dann bestätigen sie vor allem Vorurteile und tun das, was sie schon immer taten. Brasilien zeigt Oscar Niemeyers Nachfolger, Finnland seine Schulbauten, und Venezuela ist geschlossen. Hier eine kleines Bilderrätsel: Erkennen Sie das Land an Hand seiner Verschrobenheit.
Zunächst, zum warm werden, etwas ganz Leichtes:
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27 / 08 / 2010 - 11:46 Uhr - 2
Ein Tempel für Papas Liebling
“Wie sieht das denn aus?”, denkt Heinz-Peter Schlicht in der deutschen Bundesbehörde für Parkhausgestaltung, Abteilung Sichherheit, Optimale Platzausnutzung und Beton. “Das stimmt ja gar nichts.” Da hat der Experte natürlich recht. Vergeudeter Luftraum, fehlende Stahlbetonreling, sinnlose Stützformen, Energieverschwendung durch freundliche Beleuchtung und dann auch noch Kunst. Das gehört verboten. Denn das richtige deutsche Parkhaus sieht ganz anders aus, nämlich…
10 / 05 / 2010 - 15:51 Uhr - 0
Es kann ja nicht darum gehen, etwas zu finden
Netz-Recherche ist nichts für Weicheier. Vor allem, wenn man herausfinden möchte, was junge aufstrebende Architekturbüros so treiben. Denn deren Vorstellung von informativer Gastfreundschaft ohrfeigt jeden Neugierigen mit großer Ausdauer. Da sie offenbar nicht genug Zeit auf der Baustelle verbringen dürfen, verwenden diese falsch verstandenen Baumeister all ihre Energie da rein, einen unheimlich kreativen Web-Auftritt zu entwerfen. Und diese Angebote leisten dann in der Regel vor allem drei Dinge: Sie sind so übersichtlich wie ein Ameisenhaufen, so navigationsfreundlich wie ein Seesturm und sagen über Architektur so viel aus wie Opis Briefmarkensammlung. Hier einige besonders gelungene Versuche, Bauherren, Journalisten und andere Idioten in die Flucht zu schlagen.
25 / 02 / 2010 - 17:32 Uhr - 11
Neue Nachbarn
Seit mir kürzlich mitten in der Nacht am Berliner Gendarmenmarkt ein Fuchs begegnet ist, rechne ich mit allem. Denn das wenig nervöse Tier, das sogar nach rechts und links blickte, bevor es die Straße überquerte, war für mich der letzte Beweis für den Sieg der Evolution über den Tierschutz. Ganz offensichtlich braucht der Fuchs keinen Waldrand und keine Erdhöhlen mehr, wenn er auch vor dem “Grill Royal” betteln und im Dämmstoff energieeffizienter Neubauten schlafen kann. Aber diese neue Nachbarschaft verlangt längerfristig doch ein anderes Mitdenken der Architektur für diese Migrantenbewegung, die weder eine Sozialwohnung noch Wohngeld beantragen will.
13 / 10 / 2009 - 18:36 Uhr - 2
Russische Avantgarde von englischem Koch: Managerschule in Moskau von David Adjaye
Kasimir Malewitsch war ein Mann von harten Prinzipien: “Wenn der Ingenieur tief in die Zukunft vordringt, bringt er von dort neue Vervollkommnung”, schrieb er vor hundert Jahren in seinem typisch apodiktischen Ton: “Der Künstler aber, der sich in die Vergangenheit vertieft, bringt nur das, was ist oder schon war.” Wie aber hätte es Malewitsch gefallen, wenn der Künstler-Ingenieur bei seiner Suche in der Vergangenheit auf eben Malewitsch stößt und seine Kunst neu in einem Bauwerk abbildet, wie es der englische Architekt David Adjaye gerade tut? Wäre dieser Mensch nach Malewitsch nicht nur ein nostalgischer Kasper ohne eigene Idee und Kraft? < mehr >
08 / 10 / 2009 - 13:50 Uhr - 0
Liverpool Sex Shop
Woran denken Architekten eigentlich, wenn sie Hochhäuser entwerfen? An Kirchtürme, an Kunstskulpturen, an Kinderspielzeug? Oder denkt auch der moderne Baumeister nur an das Eine? Diese Ansammlung von Super-Dildos, die gerade für die ehemaligen Docklands von Liverpool genehmigt wurde, läßt jedenfalls nicht viel Zweifel zu, wo die Architekten das Adrenalin für ihre Stahl-Glas-Erektionen herbekommen… < mehr >
06 / 10 / 2009 - 16:36 Uhr - 2
Trotziger Imperativ
Seit ein paar Jahren geistert eine Parole durch Köln, die etwas Unmögliches verlangt: Liebe deine Stadt! So stand es in lieblicher Schreibschrift zunächst am Rhein vor dem Messegelände, dann als Schleife an verschiedenen Halbruinen der Nachkriegsmoderne, und aktuell bei Oper und Schauspielhaus zwischen Klosterfrau und Tunnel auf einem Dach. Kölner kennen das, Besucher freuen sich drüber. Aber liebt man deswegen Köln? Auf Befehl? < mehr >
10 / 09 / 2009 - 18:12 Uhr - 2
Alles muss heutzutage nachhaltig sein: Autos, T-Shirts, Urlaub, Politik. Nur eins darf kurzweilig bleiben: der Humor. Sollte man denken. Allerdings gilt dies nicht für Architektur in Deutschland. Hier ist Humor verpönt, weil er nicht ökologisch sei. Spiel, Witz und Ironie stehen unter dem Verdacht, sinnlos Energie für etwas zu verschleudern, was nicht von Dauer sein kann. Nur als Pavillon ist der architektonische Scherz geduldet, als “seriöses” Bauwerk aber ist Bausatire ziemlich tabu. Aber kann gebauter Humor wirklich nicht nachhaltig sein, und ist Humorverzicht tatsächlich ökologisch?
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24 / 07 / 2009 - 14:27 Uhr - 1
Geplantes Designzentrum in Modena – von Angelo Silingardi (CCDP), Modostudio Roma und Cattinari Modena
In der modernen Architektur der letzten 100 Jahre war das Gegenteil von “schön” nicht “hässlich”, sondern Gold. Gold waren Zwiebeltürme von Friedensreich Hundertwasser, protzige Wohn- und Kirchenbauten im neuen Russland oder Orgien der Postmoderne wie Alessandro Mendinis Groninger Museum. Seit Scheichs, Rapper und italienische Ministerpräsidenten Protz gesellschaftsfähig gemacht haben, verliert das Tabu des modernen Ästheten an Kraft.
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24 / 07 / 2009 - 13:33 Uhr - 0

na den Termin muss man sich ja gleich rot im Kalender anstri...
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