VHILS – Mauer wie Haut

Vhils in Shanghai, 2012, Courtesy Magda Danysz Gallery

Magda Danysz hat eine Galerie in Paris und eine direkt am „Bund“, Hausnummer 18. Von der schillernden Prachtpromenade zieht sie nun in das stadtkernferne Yangpu Viertel, weit im Nordosten von Shanghai. Die neuen, gigantische 1000 m2 großen Räume eröffnet die Pariser Galeristin mit einer Ausstellung über den Street-Art-Künstler Vhils (aka Alexandre Farto). Der junge Portugiese kratzt, meißelt, reißt, schnitzt oder ätzt seine Kunst in die urbanen Oberflächen. Mit Banksy hat er schon ausgestellt, aber in China geht er das erste Mal auf die Straße. < mehr >

18 / 04 / 2012 - 7:59 Uhr - 1

Wind und Wolken

Li Zhensheng, Self Portrait-June 1966, courtesy Beaugeste Gallery

Als Regisseur, Autor, Kameramann und Schauspieler zugleich fühlt sich der Fotograf Li Zhensheng, als er 1966 sein Selbstporträt aufnimmt. Herausfordernd, stolz und direkt blickt er in die Kamera, ein bisschen von oben herab. Li Zhensheng ist als Fotograf ein wichtiger Zeitzeuge der chinesischen Kulturrevolution. Seine Bilder sind weltbekannt. Die BBC hat ihn 2007 in die Riege der Genies der Fotografie aufgenommen, aber nun sind seine Bilder das erste Mal auch in China in einer Galerie zu sehen. Die Ausstellung in der Beaugeste Gallery, von Jean Loh kuratiert, trägt den Titel Winds and Clouds.

Mehr als 18 Jahre ist Li als Fotojournalist tätig. Im Auftrag der Tageszeitung Heilongjiang dokumentiert er mit unzähligen Bildern die Jahre zwischen 1966 und 1976 – die Zeit der Kulturrevolution, der Rotgardisten, der Massenbegeisterung, der Gewalt, Willkür und des Terrors. Erstaunlich oft tauchen unter den Bildern Li’s Selbstporträts auf. Denn, wann immer nach einer Reportage ein Film nicht zu Ende geknipst ist, fotografiert Li sich selbst, um kein Filmmaterial zu verschwenden. Diese Porträts erzählen viel über den jungen, eigenwilligen Mann, der sich nicht auf propagandageeignete Fotografie hat beschränken lassen, sondern stets seinem Freisinn gefolgt ist. < mehr >

27 / 02 / 2012 - 4:59 Uhr - 1

Street Art auf den Spuren

Foto: Nick Peden

In Berlin, New York oder Paris gehört Street Art zum Alltag. In Shanghai kommt man erst beim Besuch des Galeriekomplexes M50 in der Moganshan Road im Norden der Stadt mit Graffiti in Kontakt. Eine lange Mauer steht hier Graffitikünstlern legal zur Verfügung. Immer wieder kursieren aber die Gerüchte, dass auch diese einzigartige Wand der Stadt Ende des Jahres abgerissen werden soll.

Und wenn nun diese Mauer abgerissen wird, wenn diese legale Möglichkeit zum kreativen Austoben mit der Sprühdose wegfällt, dann gibt es in Shanghai keine Graffiti mehr? Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Überhaupt ist es schwer zu glauben, dass in einer Mega-Metropole wie Shanghai sich Graffiti und Street Art auf nur eine „legale“ Mauer beschränken lassen sollen. Das würde heißen, das so vieles wegfällt, was diese Kunst zur Kunst macht, was dieser Kunst den Kick gibt: < mehr >

13 / 12 / 2011 - 3:24 Uhr - 0

Häuser bauen statt Felder bestellen

Foto: Marcin Gajewski

Eine dreistöckige Gartenanlage mit Gemüsefeld und Obstbäumen auf das kleine Haus zu bauen, das schlägt die junge italienische Künstlerin Francesca Galeazzi der Galerie Art + Shanghai vor. Einen billigen Plattenbau aufs Dach aufzusetzen oder eine in den Himmel ragende verglaste „Shopping Mall“ wären weitere mögliche Strategien, um sich gegen die gnadenlose Stadtplanung und baulichen Entwicklungen in Shanghai vorbeugend zu schützen. < mehr >

09 / 12 / 2011 - 9:16 Uhr - 0

Das wäre doch gelackt

Foto: Vincent Cazeneuve

Wäre dort oben im Fenster nicht der Kopf einer Skulptur zu sehen gewesen, hätte ich die Galerie Hong Merchant in der französischen Konzession von Shanghai wahrscheinlich vergeblich gesucht. In dem wunderbaren traditionellen „Lanehouse“ ohne Namens- oder Klingelschild zeigt die Galerie, gegründet von der Französin Pia Pierre, seit über zehn Jahren ihre chinesische Antikensammlung und bietet zeitgenössischen Künstlern regelmäßig Raum zum Arbeiten und Ausstellen.

Im Herbst ist Vincent Cazeneuve für die Dauer seiner Ausstellung aus Chongqing, wo er seit 2007 lebt, in die Xinguo Road gezogen. In Frankreich hat der Künstler als Restaurator, Tischler und Vergolder gearbeitet – er war schon immer fasziniert von der Arbeit mit Lack und fand so seinen Weg nach China, denn die Ursprünge des Lackierens sind seit über 3000 Jahren tief mit der chinesischen Kultur verwurzelt. Das Arbeiten mit Lack bleibt für Cazeneuve aber mit einer geheimnisvollen Rätselhaftigkeit behaftet, da das Lehren sowie Erlernen der Technik ein enormes und selten zu findendes „savoir faire“ benötigt. Als zu langwierig, aufwendig und kostspielig gilt in Europa die herkömmliche Herstellung und Verarbeitung von Lack, als dass sie sonderlich gepflegt und weitervermittelt wird. So zog es den Künstler schließlich selber nach China in die Provinz Sichuan, wo er vor Ort die Technik der Lackarbeit bei einem Meister studierte. < mehr >

25 / 11 / 2011 - 4:50 Uhr - 0

Frag Konfuzius

Zhang Huan, Q-Confucius No.2, Installation, 2011 courtesy Zhang Huan Studio

Rechtzeitig zur Weltausstellung 2010 wurde das Rockbund Art Museum (RAM) am Bund, der prächtigen Uferpromenade von Shanghai, eröffnet. Gleich im Januar darauf schlossen die Initiatoren das Museum wieder für sechs Monate, um das historische Gebäude ordentlich zu Ende zu restaurieren. Nun ist das Museum mit der bisher größten Zhang Huan Einzelausstellung in China wieder geöffnet. Zhang Huan hat sich unter anderem mit seinen provokanten Performances der 90er Jahre in Peking und später in Amerika weltweit einen Namen gemacht.

Alle Werke des renommierten Künstlers sind eigens für die Ausstellung entstanden und vom Direktor des Mori Art Museum, Tokio, Fumio Nanjo, kuratiert. 2005 war der Künstler aus New York zurück nach China gezogen und arbeitet in seinem mehreren Fabrikhallen umfassenden Atelier vor Shanghai. Dort entstanden auch die Arbeiten für die Ausstellung Q Confucius, die in verschiedensten Medien den Besucher mit dem chinesischen Philosophen und der zeitgenössischen Sicht auf ihn und die Bedeutung seiner Lehren für die heutige Gesellschaft konfrontieren.

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08 / 11 / 2011 - 4:06 Uhr - 2

Le Grand Bleu

photography © Zhe Chen 2011 – courtesy Beaugeste-Gallery.com

An der Fotogalerie Beaugeste von Jean Loh flaniert man nicht zufällig vorbei. Obwohl die Galerie mitten im Tianzifang liegt, einem Labyrinth aus alten Gässchen mit schief schrumpeligen Hexenhäuschen, Boutiquen, Cafés und Bars, wo es nur so wimmelt von Besuchern und Touristen, muss man Beaugeste schon kennen oder gezielt suchen und dann den Lastenfahrstuhl in den 5. Stock erst mal hinter der Wendeltreppe finden! Es ist nur ein kleiner Raum, in dem Jean Loh chinesische Fotografie zeigt.

Auf der Einladung zur neuen Ausstellung „Bees“ von Zhe Chen steht ein Mädchen im Badeanzug mit Taucherbrille vor einem großen Blau. Ach, dachte sich so der ein oder andere, diesmal geht es bestimmt ums Schwimmen anlässlich der Weltmeisterschaft in Shanghai. < mehr >

19 / 10 / 2011 - 3:36 Uhr - 0

Das Ende vom 696. Und was nun?

Foto: stageBACK

Das Ende vom 696

Hinter den Eingangstoren der Nummer 696 Weihai Road verbarg sich fünf Jahre lang, etwas versteckt, die Künstler- und Galeriengemeinschaft kurz „696“ genannt. Obwohl sehr zentral gelegen, in unmittelbarer Nähe zur belebten Nanjing Road und von meiner damaligen Wohnung nur fünf Minuten entfernt, habe ich das 696 erst nach vier Monaten in Shanghai zum ersten Mal entdeckt. Aber besser spät als nie! Sofort habe ich mich „Berlin-heimelich“ gefühlt in diesen drei etwas abgerockten, schmuddelig verschachtelten Hinterhöfen mit den vielen verschiedenen Aufgängen, verborgenen Ecken und Winkeln.

2007 hat der Shanghaier Künstler Maleonn als einer der ersten ein billiges Ateliers bezogen. Weitere vierzig Künstler und vier Galerien sind bald gefolgt. Sie haben von der günstigen Miete profitiert und die ideale Lage genossen, auch wenn die Befürchtung des Abrisses und der Schließung immer in der Luft lag. Ein bisschen zu schäbig und verfallen war der Komplex, um in das glatt glänzende, saubere Stadtbild zu passen, an dem Shanghai so fleißig feilt. Die Weltausstellung 2010 hat das 696 überlebt, allerdings nur unter strengeren Auflagen. Der Galerie stageBACK wurden Stäbe vor das große Fenster geschraubt, durch das die Besucher vorher während der Eröffnungen zum BBQ auf die herrlich urbane Dachterrasse geklettert waren. Aus angeblichen Sicherheitsgründen wurde die Galerie für ein Jahr hinter Gitter gebracht.

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28 / 09 / 2011 - 18:04 Uhr - 1