Wahnsinn hat Methode

Neues zu Hause für Norman Bates?

Kleiner Nachtrag zur Krankenhausgeschichte von neulich. Dezeen hat dieses herrliche Interieur für einen Psycho-Knast in Japan publiziert. Es stamm von Nendo, der ja allerlei verrücktes Zeug entwirft. Das hier hat aber über seine düstere Ausstrahlung hinaus noch einen besonderen therapeutischen Kniff. < mehr >

24 / 02 / 2010 - 12:38 Uhr - 1

Brokkoli gegen Bandenkriege

Die Ränder kehren zurück ins Zentrum: John Hantz' Vision für Detroit

Manche Ideen durchleben eine absurde Geschichte. Zum Beispiel die Gartenstadt. Im 19. Jahrhundert ausgedacht, um dem bösen Moloch der Großstadt ein friedvolles Gegenbild sich selbst versorgender Arbeiterschaften zu bieten, hat die Dezentralisierung der Metropolen in grüne Inseln sehr konträre Phasen durchlaufen. Die Weimarer Intellektuellen verachteten sie als kleingeistig, die Nazis sympathisierten damit als Ideal kerndeutscher Naturverbundenheit, die Amerikaner setzten sie in monotoner Weise um, als das Automobil für Jedermann die Flucht aus der Stadt ermöglichte, und seit einigen Jahrzehnten wird sie als ökologisches Fehlverhalten von Städten weltweit mit inneren Verdichtungsprogrammen bekämpft. Doch nun ist sie wieder da, die Welt zu retten, oder wenigstens die amerikanischen Großstädte im Verfall.

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18 / 02 / 2010 - 17:34 Uhr - 0

Neulich in der Zukunft

So sieht es aus, das perfekte Dasein in lebensfeindlicher Umgebung

Das Öl ist alle. Bald jedenfalls. Das gibt den Optimisten dieser Erde die Gelegenheit, sich wieder schamlos dem alten Größenwahn der Moderne in die Arme zu werfen: der Utopie. Nachdem das letzte Jahrhundert lange gebraucht hat, um an seinen Revolutionen und Tabula-Rasa-Planungen zu genesen, man den Ausgleich durch Kompromisse als humanes Kapital zu schätzen gelernt hat, zaubert die Angst jetzt wieder den ganz großen Maßstab aus dem Hut. Das Ende einer Epoche wird als Rechtfertigung genommen, endlich wieder radikal neu zu denken. Und wie immer steht am Anfang das Versprechen, das alles gut wird, am Ende aber der Horror aller Omnipotenz: Die Ideale Stadt.

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10 / 02 / 2010 - 18:35 Uhr - 0

Leaving Las Moscow

Ein Anfang ist gemacht: Porno-Bilder aus Grosny in Moskau auf der Werbe-Screen

In Tschetschenien haben sie es endlich begriffen. Um die russische Konsum-Diktatur zu bekämpfen, ist die terroristische Eskalation das falsche Mittel. Was es im Zeitalter der digitalen Selbstbefriedigung braucht, um ein selbstgerechtes System zur Erschlaffung zu bringen, sind Porno-Hacks auf Werbeschirmen. Als an einer Moskauer Ausfallstraße letzte Woche für Minuten ein Hardcore-Video lief, kam selbst der stockende Verkehr auf den verstopften Tangenten der Stadt noch zum Erliegen. Urheber des Angriffs, so fand die Staatsmacht schnell heraus, war eine Adresse in Grosny, die Stadt, die das russische Militär zu Schrott geschossen hatte, die heute aber wieder aufgebaut ist und sogar einen Fußballverein in der ersten russischen Liga hat.

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03 / 02 / 2010 - 16:49 Uhr - 1

Ich Krieg Euch Alle

Diskriminierung der Stadt

Das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese ist Pandoras Büchse der Stadtplanung. Alles für die Stadt und das Klima Unerwünschte befreit es aus seiner Kiste: massiven Autoverkehr, versiegelte Flächen, miese Energiebilanzen, Steuerausfall, Austrocknung städtischer Konsumzonen, Billigrausch, nervende Kinder, streitende Paare und schlechten Geschmack. Darum sollen nach aller politischen Vernunft die Gurkenkönige vom Land ihren Ramsch wieder im Zentrum verkaufen. Rosenstöcke und Schweinefleisch, Autoreifen und Akku-Schrauber, Dackelwelpen und Bierfäßchen gehören in die städtische Fußgängerzone mit ÖPNV-Anschluss. Nur Ikea nicht. Und warum? Wegen der Farben.

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26 / 01 / 2010 - 16:09 Uhr - 11

Warum sie nicht Gesundhäuser heißen

Der U1 des UK Eppendorf, gleich hinter der Glastür

Meine Freundin ist auf dem Eis ausgerutscht und mit dem Hinterkopf hingebumst. Also sind wir in die Ambulanz der Universitätsklinik gefahren, einem der “modernsten Krankenhäuser Europas” (Eigenpropaganda), gerade eingeweiht und schon reichlich in Architekturzeitschriften publiziert. Und da wurde doch der ganze Schlamassel der Architekturkritik offenbar. Denn wenn man fast vier Stunden auf den Arzt warten muss, der hier eine Ärztin war, dann wird manch flotte Rezensentenpoesie und die proper ausgeleuchteten Sommertagsbilder zur banalen Schlechte-Laune-Realität.

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21 / 01 / 2010 - 17:20 Uhr - 0

Dresden wieder aufbauen II

Ausnahmsweise Gottesdienst: Die Frauenkirche von innen

Vielleicht lag es am Buß- und Bettag, dass in der Frauenkirche Menschen tatsächlich der religiösen Beschäftigung nachgingen, die primärer Zweck der Kirche sein sollte – aber nicht ist: Denn für den Wiederaufbau Dresdens nach historischen Einsichten ist die Kirche vor allem ein einleuchtender städtebaulicher und architektonischer Vorfall, kein religiöser. Deswegen gehört sie eigentlich auch den Touristen. Aber schon diese drei Reklamationen von Konsumalternativen – Einkehr, Phantasie, Neugier –, bilden tragende sinnliche Argumente für die Forderung, das große Abenteuer einer vollständigen Rekonstruktion des Vorkriegs-Dresden mit einigen ausgesuchten Neubau-Inseln sofort zu beginnen.
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20 / 11 / 2009 - 17:33 Uhr - 0

Dresden wieder aufbauen!

Alt und neu – in Dresden eine Lachnummer

Ich gebe zu, ich habe mich geirrt. Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ist eine tolle Sache. Lange verspottete ich wie viele andere Kritiker die originale Rekonstruktion als ideologische Wohlfühlatrappe für Menschen, die Nostalgie für eine legitime Weltsicht halten. Aber jetzt war ich mal wieder da und muss gestehen, die alte Dame und der Platz, an dem sie steht, macht echt was her. Aber das ist nicht der Grund für meinen Gesinnungswechsel. Der Grund ist das neue Dresden, das moderne, zeitgenössische. Das ist zum Heulen und muss sofort wieder abgerissen werden. Warum? Weil es dort nur um Geld geht. < mehr >

19 / 11 / 2009 - 0:01 Uhr - 0

Living Next Door to Wiesel

Neue Nachbarn

Seit mir kürzlich mitten in der Nacht am Berliner Gendarmenmarkt ein Fuchs begegnet ist, rechne ich mit allem. Denn das wenig nervöse Tier, das sogar nach rechts und links blickte, bevor es die Straße überquerte, war für mich der letzte Beweis für den Sieg der Evolution über den Tierschutz. Ganz offensichtlich braucht der Fuchs keinen Waldrand und keine Erdhöhlen mehr, wenn er auch vor dem “Grill Royal” betteln und im Dämmstoff energieeffizienter Neubauten schlafen kann. Aber diese neue Nachbarschaft verlangt längerfristig doch ein anderes Mitdenken der Architektur für diese Migrantenbewegung, die weder eine Sozialwohnung noch Wohngeld beantragen will.

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13 / 10 / 2009 - 18:36 Uhr - 2

Aus dem Kaffeesatz des Schwarzen Quadrats

Russische Avantgarde von englischem Koch: Managerschule in Moskau von David Adjaye

Kasimir Malewitsch war ein Mann von harten Prinzipien: “Wenn der Ingenieur tief in die Zukunft vordringt, bringt er von dort neue Vervollkommnung”, schrieb er vor hundert Jahren in seinem typisch apodiktischen Ton: “Der Künstler aber, der sich in die Vergangenheit vertieft, bringt nur das, was ist oder schon war.” Wie aber hätte es Malewitsch gefallen, wenn der Künstler-Ingenieur bei seiner Suche in der Vergangenheit auf eben Malewitsch stößt und seine Kunst neu in einem Bauwerk abbildet, wie es der englische Architekt David Adjaye gerade tut? Wäre dieser Mensch nach Malewitsch nicht nur ein nostalgischer Kasper ohne eigene Idee und Kraft? < mehr >

08 / 10 / 2009 - 13:50 Uhr - 0