Kau dir ein Reihenhaus!

Was hat Elastizität in der Architektur zu suchen? Eigentlich doch nichts. Lebewesen, die sich den ganzen Tag über Trampolins fortbewegen, Hochhäuser, die hin und her wiegen wie eine Ähre im Wind, und wenn abends alle zur gleichen Zeit in der Küche stehen, küsst der First den Garten – ein Graus, oder? Will man Türen zuschlagen, die dann nur leise “Plopp” machen oder nachgebende Toilettensitze? Und beim Geschlechtsverkehr zu Gymnastik mit Sprüngen wie auf dem Mond gezwungen sein? Das alles erspart vermutlich Kieser-Training und Schwabbelwampen, aber der Mensch ist doch kein Flummi und das Leben kein Marvel-Comic. Wir haben ein Recht auf Stabilität, Statik und feste Böden. Warum also sind Architekten immer wieder so fasziniert vom Unpraktischen?

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20 / 01 / 2011 - 14:19 Uhr - 1

Friedhof einer Kuschelbranche

Es ist ein schöner Brauch bei manchen Architekten, am Jahresende ein Essen zu veranstalten, zu dem Kollegen, Kritiker und Feunde zum zwanglosen Austausch eingeladen sind. Diese netten Gesten sind in der Krise der Bauwirtschaft der letzten Jahre zwar weniger geworden, aber es gibt sie noch. Oft steht auf den schön gestalteten Einladungen auch schon drauf, was es geben wird: Austern, Ente, Hirsch oder Gulasch. Auf jeden Fall ein Tier. Da man in diesem feierlichen und herzlichen Rahmen niemand beschämen möchte, wird diese Wahl natürlich nicht kritisiert. Aber im Verhältnis zum großen Öko-Hype, der die Architekten zu Gralsrittern einer sauberen Umwelt gemacht hat, die unverdrossen darum kämpfen, dass ihre Häuser immer klimaschonender, gesünder und nachhaltiger dastehn, drängt sich die Frage dann doch mal auf: Muss das sein?

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30 / 12 / 2010 - 17:40 Uhr - 2

Kann Farbe helfen?

Die Fußballweltmeisterschaft wirft in der Hauptstadt des Karnevals ihre Schatten voraus. Schwer bewaffnete schwarze Männer befreien dieser Tage die Slums von Rio de Janeiro (wo wir 2014 den Titel holen werden) aus den Klauen der Drogengangs, während die Kinder mit Wasserflaschen in der Hand neugierig zusehen. Unterstützt von Panzern und Hubschraubern säubern Armee und Polizei an den Hängen Rios ein Armenviertel nach dem anderen (bisher 14 Stück) von Dealern und Gangmitgliedern (bisher 35 Tote). Das Regime der Armutswirtschaft, wo die Skrupel- mit den Hoffnungslosen ihr Geld machen, soll rechtzeitig vor der WM verschwunden sein. Was daran Recht und Unrecht ist, lässt sich vom muggeligen Deutschland aus nicht beurteilen. Schon gar nicht in einem Blog zur Baukultur. Aber wenn die Frage auftaucht, was kann die Architektur dazu beitragen, dass es erst gar nicht so weit kommt, dann sind die selben Slums einen Hinkucker wert.

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26 / 11 / 2010 - 19:06 Uhr - 0

Weiss der Däne eigentlich, wie gut er es hat?

Der Däne ist schon ein seltsames Tier. Er hat Geld wie Heu, seine Kinder sind angezogen, als sei die Vogue ein Online-Shop mit Taschengeldpreisen, sie essen mittags Sandwiches zum Preis eines Hochzeitsstraußes, die Stadt schwirrt von glücklichen naturblonden Frauen auf Fahrrädern, die Häuser sind niedlich wie Bolle, und die Exportwirtschaft läuft Dank Butter, Lego, Schiffsmotoren und Design so spitze, dass die Arbeitslosigkeit ungefähr so hoch ist wie das Land flach. Warum also hasst der Däne den Ausländer, wählt seit 10 Jahren eine Regierung, die glaubt, dass sich Kopenhagen in Beirut zur Zeit des Bürgerkriegs verwandelt, wenn man arme Flüchtlinge ins Land lässt, und dass der Moslem nur mit dem Ziel ins arkadische Inselreich drängt, sich mit Massenvergewaltigungen beliebt zu machen? Spinnt der Däne, hat er unbekannte Ängste, oder geht es ihm einfach nur zu gut? Um dieser Verwirrung mal auf den Grund zu gehen, habe ich ein typisches dänisches Habitat besucht, das “8 House” von BIG in Kopenhagen Orestadt.

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21 / 10 / 2010 - 17:21 Uhr - 1

Die armen Verwandten des Spektakels – Die Wahrheit über die Architekturbiennale

Die Dominanz der Event-Philosophie geht davon aus, dass bei Großereignissen – wie etwa der Architekturbiennale in Venedig – nur das Spektakel beim medialen Endverbraucher ankommt. Und wir Journalisten sind diejenigen, die in der Regel garantieren, dass allein das hängen bleibt, was knallt, kesselt oder kunterbunt ist. Aber unter dem Gesichtspunkt von Lebenszeit und Energie verbringt der Berichterstatter wie der gemeine Besucher doch tatsächlich die allermeiste Zeit mit schlechten Beschilderungen und blöden Ideen, müden Füßen und wachen Aufsehern, Kleinscheiß und Füllstoff. Das Reden von der Sensation ist also tatsächlich korrumpiert von den Banalitäten, die man willentlich ausblendet, um nicht langweilig zu sein. Damit ist jetzt mal kurz Schluss. Denn was einen in den Tagen der Pressevorbesichtigung in Venedig tatsächlich beschäftigt, das ist die Frau, die einem die letzten vegetarischen Sandwiches wegschnappt, oder der ruandische Beitrag am Ende eines langen Fußmarsches.

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06 / 09 / 2010 - 17:53 Uhr - 2

Prunkkitsch und plastischer Größenwahn: Die Länderpavillons der Architekturbiennale 2010

Globalisierung gibt es überhaupt nicht. Kulturelle Gleichschaltung? Diktatur der Marken? Mc Brain und TV Gaga? Alles Quatsch! Ein erschöpfender Bummel durch die Länderpavillons der diesjährigen Architekturbiennale zeigt vor allem eins: nationale Beharrungskräfte. Wenn die Länder in den Gardini von Venedig zeigen, worauf sie stolz sind, dann bestätigen sie vor allem Vorurteile und tun das, was sie schon immer taten. Brasilien zeigt Oscar Niemeyers Nachfolger, Finnland seine Schulbauten, und Venezuela ist geschlossen. Hier eine kleines Bilderrätsel: Erkennen Sie das Land an Hand seiner Verschrobenheit.

Zunächst, zum warm werden, etwas ganz Leichtes:
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27 / 08 / 2010 - 11:46 Uhr - 2

ElbVielHarmonie

Presserundgang im Rohbau der Elbphilharmonie in Hamburg. Jacques Herzog, Ascan Mergenthaler und Pierre de Meuron, die Architekten aus Basel, stehen am Boden der Tatsachen. Da die Wahrheit über diesen Bau zuletzt weidlich angedeutet wurde, und die Leichen im Keller dieser Geschichte noch längst nicht alle ans Licht gezerrt wurden, baten die Veranstalter beim feierlichen Richtfest um einen Tag kritischen Ausnahmezustand. Bitte keine Fragen zu Kosten, Schallbrücken, kaputten Federn, Schlamperei beim Rohbau, verdeckte und offene Betrugsvorwürfe in Richtung des Bauunternehmens Hochtief und zu der Gefahr, dass das neue Konzerthaus auf dem alten Speicher am Ende nicht nur zu teuer und zu spät fertig wird, sondern vielleicht auch akustisch verunglückt. Denn für all das können die Architekten nichts. Und daran hielten sich dann auch alle Kollegen und stellten nur brave Frage. So höflich sind die Hanseaten. Und da will man ja nicht ausscheren, deswegen hier nur ein paar Fotos.

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28 / 05 / 2010 - 16:22 Uhr - 1

Wo bleibt denn da die Ordnung?

Ein Tempel für Papas Liebling

“Wie sieht das denn aus?”, denkt Heinz-Peter Schlicht in der deutschen Bundesbehörde für Parkhausgestaltung, Abteilung Sichherheit, Optimale Platzausnutzung und Beton. “Das stimmt ja gar nichts.” Da hat der Experte natürlich recht. Vergeudeter Luftraum, fehlende Stahlbetonreling, sinnlose Stützformen, Energieverschwendung durch freundliche Beleuchtung und dann auch noch Kunst. Das gehört verboten. Denn das richtige deutsche Parkhaus sieht ganz anders aus, nämlich…

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10 / 05 / 2010 - 15:51 Uhr - 0

Leaving Las Moscow Nachspiel

Ungeschützter Sex im russischen Internet kann böse Folgen haben

Es hat ihn leider erwischt, den Porno-Piraten (siehe Beitrag “Leaving Las Moscow“). Putins Schergen haben ihn ausfindig gemacht, weil der gesamte Internet-Verkehr in Russland vom Inlandsgeheimdienst FSB gespeichert wird. So ist das Leben in einer nur mäßig als Demokratie getarnten Diktatur, die trotzdem nur drei Goldmedaillen in Vancouver gewinnen kann, dafür aber Homosexualität als gesetzteswidrig behandelt. Aber das sind andere Geschichten. Die ganze Geschichte zum Hacken von Werbe-Screens in Moskau und den finsteren Strafen in räudigen Verließen, die es dort dafür gibt, steht hier.

02 / 03 / 2010 - 10:26 Uhr - 0

Kreatives Web-Design weltweit ächten!

Es kann ja nicht darum gehen, etwas zu finden

Netz-Recherche ist nichts für Weicheier. Vor allem, wenn man herausfinden möchte, was junge aufstrebende Architekturbüros so treiben. Denn deren Vorstellung von informativer Gastfreundschaft ohrfeigt jeden Neugierigen mit großer Ausdauer. Da sie offenbar nicht genug Zeit auf der Baustelle verbringen dürfen, verwenden diese falsch verstandenen Baumeister all ihre Energie da rein, einen unheimlich kreativen Web-Auftritt zu entwerfen. Und diese Angebote leisten dann in der Regel vor allem drei Dinge: Sie sind so übersichtlich wie ein Ameisenhaufen, so navigationsfreundlich wie ein Seesturm und sagen über Architektur so viel aus wie Opis Briefmarkensammlung. Hier einige besonders gelungene Versuche, Bauherren, Journalisten und andere Idioten in die Flucht zu schlagen.

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25 / 02 / 2010 - 17:32 Uhr - 11