Die Kunst und die Crowd – abschließende Betrachtung

Experiment beendet – einige Tage Wochen später

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Wir, Nadine von jovoto (Kolloborationsplattform ) und Anna von Startnext (Crowdfunding-Plattform für Kreative) haben das Crowdsourcing-Experiment “Art: Made by the Crowd” im Sommer diesen Jahres initiiert, weil wir herausfinden wollten, ob es möglich ist ein Kunstwerk kollaborativ zu erschaffen.

Als Community-Plattform im Kreativbereich beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie sich neue Formen der Interaktion und Arbeitsprozesse in Zeiten von Web 2.0 auf den kreativen Prozess auswirken können. Mit dem Projekt Art: Made by the Crowd konnten wir experimentieren, wie und ob sich Kunst mit Crowdsourcing verknüpfen lässt. Mit der Präsentation des Gewinner-Projektes auf der Social Media Week im September in Berlin ist das Experiment vorerst abgeschlossen und wir möchten nochmal auf unsere Erfahrungen zurückblicken. Es wird der letzte Beitrag in dieser Reihe sein. Vielen Dank an das art Magazin, die es uns ermöglicht haben, hier zu schreiben!

Rückblick

Die Idee war, ein Kunstwerk kollaborativ zu entwickeln: Was passiert, wenn Kreative ein Konzept entwickeln, die Crowd das beste Konzept auswählt, um es dann selbst zu finanzieren und zum Leben zu erwecken? Das Kunstwerk sollte als Installation auf der Social Media Week in Berlin ausgestellt werden.

Die erste Phase, die Konzeptionsphase, die als Wettbewerb organisiert war, war für unser Experiment die spannendste. Hier wurden die eingereichten Ideen von der Crowd diskutiert und bewertet. Nach einer dreiwöchigen Konzeptphase und einigen Tagen feinschliff stand das Siegerkonzept fest. Letztlich wurden verschiedene Konzpte die in der Gunst der Crowd gut abgeschnitten hatten zusammengelegt. Unter der Regie der der Designerin Maya Wiseman entstand das Projekt “Praktikum Lab”.

“Praktikum Lab is a platform to submit, in digital or analog form, something you always wanted to know. Prospective microteachers could gain inspiration to lead microclasses, and could in turn, submit their knowledge wishes.” Maya beschreibt in diesem Artikel ausführlich aus ihrer Sicht den kreativen Prozess vom Praktikum Lab. Wie das Ganze dann als Installation aussah, sehen Sie u.a. hier in den vorangegangenen blogposts.

art pieces, sribbles, flyers around the encampment of the Occupy London movement. CC attribution license

Von “I like it” zu “I support it”

Der nächste Schritt folgte: Die Gewinner-Idee sollte von der Crowd finanziert werden.

Maya hat ihr Projekt auf Startnext multimedial vorgestellt, das Budget definiert und den Zeitpunkt festgelegt, bis wann sie ihr Finanzierungsziel erreichen möchte. Die Summe, die Maya für die Realisierung ihres Projektes benötigte, kam über die Crowd leider nicht zusammen. Für uns war das zunächst verwunderlich, da das Projekt schon in der Ideenphase sowohl bei der Crowd auf jovoto als auch in diversen Blogs viel Aufmerksamkeit bekommen hatte. Das Praktikum Lab als Idee war scheinbar für das Publikum noch zu abstrakt, obwohl das Projekt in dem Pitch-Video von Maya einfallsreich visualisiert wurde.

Für den Erfolg von Crowdfunding-Projekten ist es wichtig, die Idee dem Publikum so verständlich zu machen und sie zu begeistern, damit sie nicht nur sagen “I Ilke it”, sondern “I support it”. Erst wenn es dem Künstler gelingt, seine Idee dem Publikum in Texten, Bildern und einem Video möglichst konkret zu erklären, können die Unterstützer diese Idee weiter in ihrem Netzwerk verbreiten. Auch wenn wir diese Phase nicht so beendet haben wie geplant, konnte Maya dank der finanziellen Unterstützung von MTV mit den Vorbereitungen für die Installation auf der Social Media Week beginnen.

"Imperial Art Appreciation" CC attribution license

Crowd Partizipation

Während des gesamten Entstehungsprozesses des Praktikum Labs konnten sich die Crowd aktiv am Projekt beteiligen: Interessierte konnten die Ideen bewerten und diskutieren, sich finanziell beteiligen und sich als Mentor oder Praktikant im Lab auf der Social Media Week einbringen. Ist das Praktikum Lab damit ein Projekt, das mithilfe der Schwarm-Kreativität entstanden ist?

Auch wenn sich die Crowd laufend am kreativen Prozess beteiligen konnte, die Ideenentwicklung und die Umsetzung erfolgte von der Initiatorin Maya selbst, beziehungsweise gemeinsam mit der Designerin Yasmina Haryono. Maya und Yasmina haben vielmehr die Technologien und Mechanismen des Crowdsourcings eingesetzt, um ihre Idee weiterzuentwickeln und ein Werk zu kreieren. Die kreative Handlung an sich bleibt damit vorerst beim Künstler selbst, gestützt durch die Crowd mit vielfältigen Möglichkeiten.

Das Experiment “Art: Made by the Crowd” hat gezeigt, dass der Einsatz von Crowdsourcing und Crowdfunding spannende Effekte auf den kreativen Arbeitsprozess hat. Da schon die Projektidee in einem frühen Stadium und nicht erst das finale Projekt im Netz kommuniziert wurde, hat das Projekt frühzeitig Aufmerksamkeit bekommen und Unterstützer, Medienpartner und Fans gefunden.

Die Praxis des Künstlers in Zeiten von Web 2.0

Auf der Social Media Week, auf der das Praktikum Lab präsentiert wurde, fand auch ein Panel statt zum Thema “Art and Social Media”. Die Frage dort, ähnlich wie wir sie uns auch stellten: Wie verändert sich die Praxis des Künstlers, die Kunst-Rezeption und der Kunstmarkt duch das Internet?

Künstler erzählten, wie sie von den Möglichkeiten sich online zu präsentieren profitieren und wie sie die Allgegenwärtigkeit ihrer globalen Künstlerfreunde schätzen, die sie dank Skype, Facebook und Co. täglich um sich haben. Sie schwärmten von der Möglichkeit, an Ausstellungen und Konferenzen indirekt teilzunehmen, bei denen man selbst nicht vor Ort sein kann, und davon, auf einzelne Werke sofort und unverblümt Feedback zu bekommen. Vor allem von Seiten der Galeristen kamen kritische Stimmen. Eine Facebook-Page für eine Galerie, am besten noch Fotoalben mit Bildern aus der aktuellen Ausstellungen? Niemals!

Uns wurde so zum ersten Mal deutlich bewusst, dass eine Galerie nicht nur die Kunst und ihrer Künstler schützen und hegen muss, sondern auch die Bilder an sich beziehungsweise deren Aura, die sich vor allem aus ihrer Seltenheit generiert. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner digitalen Reproduzierbarkeit droht massiv an Aura zu verlieren, zumindest existiert diese Vorstellung. Es erscheint uns aber auch ein wenig hilflos, bei dieser Vorstellung stehen zu bleiben und das Einsperren der Bilder in den goldenen Käfig einer Galerie mit möglichst wenig Kontakt nach außen als Lösung zu sehen.

Die “Galerie-Kunst” ist auch längst nur noch eine Nische von vielen. Wer sich im Netzt umschaut, findet tausende Arbeiten an der Grenze von Kunst, Kitsch, Fan-tum, Design, Comic, Handwerk, Technologie, Konzept, Aktionismus, Werbung, die allerdings eines vereint: sie sind Ergebnisse einer kreativen Schöpfung, und sie schaffen es, andere Menschen zu begeistern.

Art or Kitsch? cc attribution license

Ausblick: Erfrischung für die Kunst?

Durch Crowdsourcing und Kollaborationsplattformen wie jovoto lassen sich Ideen und Arbeiten zu finden, die in der Welt und somit im Internet bereits kursieren. Mit Crowdfunding Plattformen wie Startnext können Ideen zu ihrer tatsächlichen Realisierung gebracht werden. Sich diese Mechanismen zu eigen machen, Berührungsängste zu verlieren, Kunst noch demokratischer und menschlicher zu denken könnte eine erfrischende Wirkung auf den Kunstmarkt und auf die Kulturförderungslandschaft haben. Die Künstler selbst profitieren selbst bereits schon längst davon.

24 / 10 / 2011 - 23:17 Uhr - 1

Made by the Crowd: Praktikum Lab auf der Social Media Week in Berlin -

Experiment, Tag 55 – Idee wird zum Leben erweckt!

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Anna schreibt:

Die Finanzierungsphase für unser Projekt Praktikum Lab ist letzte Woche abgelaufen und wir konnten leider nicht das Finanzierungsziel erreichen.
Da die Crowdfunding-Plattform nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip funktioniert, gehen alle Gelder, wenn die 100%-Marke nicht erreicht wird, an die Unterstützer wieder zurück.

Da die Planungen für das Praktikum Lab auf der Social Media Week jedoch schon so weit fortgeschritten waren, haben sich die beteiligten Künstler glücklicherweise entschieden, das Projekt mit einem kleineren Budget trotzdem umzusetzen. Nachdem am letzten Wochenende das Lab an dem zentralen Ort der Social Media Week im Aufbau Haus fleißig vorbereitet wurde, konnten es am Montag Abend für die Crowd geöffnet werden. Seitdem können alle Besucher der Social Media Week nochmal in die Rolle eines Praktikanten schlüpfen und Wissen erwerben, z.B. zum Thema “How to be happy all the time” oder ” How to tell a story a visually”.

Oder kommt einfach selbst vorbei, noch bis zum 23.09. ist das Praktikum Lab für die Crowd geöffnet. Adresse: Aufbau Haus, Prinzenstraße 85, am Moritzplatz, Berlin

Das Programm findet ihr hier.

Und den Twitter Account hier

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Nadine schreibt:

Der Entwurf, der Anfangs eine digitale Integration mit einer eigenen Plattform vorgesehen hatte, wurde ‘analogisiert’. Statt Projektion einer “Wishing Wall” für die Lern-Anfragen und -Angebote gibt es nun einen”Wunsch-Brunnen”; eine Art kleinen Teich, der die Phantasie beflügelt. Praktika-Wünsche werden auf kleine Zettel geschrieben, in eine Kugel gelegt und in den Teich hineingegeben. Die Künstlerinnen vermitteln dann zwischen Gesuch und Angebot. Eine sehr bildhafte Interpretation des Wissenspools.

Hier ist ein kleiner Einblick in das Praktikum Lab auf der Social Media Week:

Praktkum Lab auf der Social Media Week

21 / 09 / 2011 - 18:36 Uhr - 1

Crowdfunding für Kreative: Was steckt dahinter?

Wer die Hintergründe zu unserem Crowd-Experiment verpasst hat, kann hier nochmal nachlesen.

Experiment, Tag 46 – Endspurt der Funding-Phase

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Nadine schreibt:

Zuletzt hat das Projekt “Praktikum Lab” dank der Unterstützung von 2010LAB.tv nun doch noch ein wunderbares Pitch Video erhalten.

Hier erzählt Maya Wiseman, eine der ausführenden Künstlerinnen, wie es zu dem Projekt kam. Der Funding-Fortschritt schlich zunächst tagelang schleppend vor sich hin – doch nun haben wir, dank einer fantastischen Beteiligung von MTV, die sich allgemein als Sponsor der Social Media Week einsetzen, einen großen Sprung nach vorne gemacht!

Leider ist es schon sehr spät, und es bleiben nur noch 5 Tage für die vollständige Finanzierung des Projekts. Kommt der volle Betrag nicht zustande, erhalten die Künstler nichts und die Unterstützer ihr Geld zurück. Das sind die Regeln auf den meisten Crowdfunding-Plattformen. Hat Praktikum Lab noch eine Chance?

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Anna schreibt:

Das Projekt Praktikum Lab zeigt anschaulich die Chancen aber auch die Grenzen von Crowdfunding für Kreativschaffende. Für den Erfolg von Crowdfunding-Projekten ist es notwendig, seine Idee der Community verständlich und plausibel zu erklären und damit die Community so zu begeistern, dass die User nicht nur sagen “I Iike it”, sondern “I pay for it”. Das Projekt Praktikum Lab ist eine doch recht abstrakte Idee, die sich der Crowd – dem potenziellen Publikum – über die Beschreibungstexte nicht unbedingt sofort erschließt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es kein greifbares Produkt ist, wie ein Film oder eine Musikplatte, sondern dass es eine Idee ist, die sich erst vor Ort auf der Social Media Week mithilfe der Crowd realisiert.

Damit die Idee von der Crowd verstanden wird und auch im Kopf bleibt, ist deshalb ein Pitch-Video zentraler Bestandteil eines jeden Crowdfunding-Projektes. Wenn wir uns das Video zum Praktikum Lab anschauen, verstehen wir nicht nur die Projektidee und die Motivation dahinter, sondern lernen auch die Projektinitiatorin Maya Wisemann persönlich kennen. Die persönliche Vorstellung des Kreativschaffenden ist sehr wichtig, damit Fans zu Unterstützern zu werden, da die Idee unumgänglich immer mit den Personen hinter dem Projekt verknüpft ist.

Viele Crowdfunding-Plattformen arbeiten mit dem Alles-oder-Nichts-Prinzip, das heißt der Projektinitiator erhält nur dann die Gelder, wenn das definierte Zielbudget innerhalb der vorher definierten Laufzeit erreicht wird – andernfalls erhalten die Unterstützer ihr Geld zurück. Die Erfolgsquote von erfolgreich finanzierten Crowdfunding-Projekten in Deutschland liegt aktuell bei 43% (Quelle: Crowd funding-Monitor von Für-Gründer.de). Die Kreativschafffenden haben auf Crowdfunding-Plattformen die Möglichkeit ihre Ideen schon in einem frühen Stadium multimedial der Internet-Community vorzustellen und damit beim Publikum zu testen. Die Gründe, warum Projekte beim Publikum nicht so gut funktionieren können vielfältig sein: Nach unseren Erfahrungen auf Startnext sind es in der Regel nicht die Ideen, die nicht spannend wären, sondern die Präsentation auf der Plattform und die Vermarktung seines Projektes, insbesondere in der Finanzierungsphase, bleibt oft eine Herausforderung.

Ein paar Tage haben wir noch Zeit das Crowd-Experiment Praktikum Lab gemeinsam finanzieren. Nur wenn wir das Finanzierungsziel erreichen, kann das Projekt auf der Social Media Week als Installation im Planet modulor umgesetzt werden.

12 / 09 / 2011 - 10:54 Uhr - 0

Die Funding Phase ist gestartet

Experiment, Tag 38 – Die ersten Tage der Funding-Phase

zum Bild: So wird das Konzept derzeit auf Startnext dargestellt. Man sieht Autor, Anzahl der Unterstützer und die eingegangenen Spenden.

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Anna schreibt:

In unserem Crowd-Experiment hatten wir dazu aufgerufen, ein spannendes Installationskonzept für die Lounge der Social Media Week (19.-23.09.) zu entwickeln, die im Planet modulor in Berlin Kreuzberg sein wird. Da Crowdsourcing die Chance kollaborativ und online an Ideen zu arbeiten, kam unsere erste Phase zu dem Ergebnis, dass sich 3 Künstler aus San Diego, Düsseldorf und Constanta in Rumänien zusammen gefunden haben, um gemeinsam an einem gemeinsamen Konzept getüftelt haben. Nach ungefähr einer Woche Planungsphase und einigen Skype-Gesprächen zwischen den Kreativen Maya Wisemann, Tizu Tiberiu und Holly McAlister steht nun das finale Konzept für das Crowd-Experiment …

Das Installations-Konzept “Praktikum Lab”

Das “Praktikum Lab” lädt Besucher dazu ein, obskures Wissen zu teilen und ebenso zu lernen. Als Mentor kann ich ein Mini-Praktikum anbieten und endlich Dinge erzählen, die ich unbedingt anderen beibringen oder loswerden möchte und als wissbegieriger Besucher kann ich nochmal in die Rolle eines Praktikanten schlüpfen. Das Crowdsourcing-Prinzip wird in dem Fall aus der Online-Welt einfach nur in die reale Welt – in den Ausstellungsraum im Planet modulor – übertragen. Die Auszeichnung “Made by the Crowd” kann die Installation also zurecht erhalten – ob es sich dabei im “ART” handelt, wäre zu diskutieren.

Um das Crowdfunding-Projekt zu starten, mussten folgende Schritte erfüllt werden: das Projekt wurde multimedial beschreiben, es wurden Dankeschöns (in gestaffelter Höhe) für die Unterstützer erarbeitet, das benötigte Budget wurde berechnet und die Deadline für den Finanzierungsprozess festgelegt.

Die Crowdfunding-Kampagne des “Praktikums Labs” ist nun seit ein paar Tagen live auf Startnext und wartet auf Unterstützung!

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Nadine schreibt:

Es ist das erste Mal, dass ich aktiv an einem solchen Crowd-Funding Prozess mitmische. Obwohl ich nicht Teil des Künstlerteams bin, fühle ich mich doch emotional mit dem Projekt verbunden. Bis jetzt gab es erst wenige Spenden (die “Spendenpakete” reichen von 5 bis 500 Euro, bisher sind 50 Euro zusammengekommen).

Ich frage mich, ob eine Art Herden-Effekt eintritt. Funktioniert Crowdfunding anhand von ungeschriebenen Regeln, wie etwa “Wenn x% erreicht wurden, folgt der Rest ganz schnell” oder “Wenn bis Tag x keine x% erreicht wurden, schafft es das Projekt nie”.

Die Bedingungen stehen doch gut: Wir haben theoretisch die jovoto Community, die Startnext-Leute, die Social Media Week und das persönliche Netzwerk der Künstler (und dieses Blog!) auf unserer Seite. 1500 Euro sind keine außerirdisch hohe Summe. Das Projekt macht Spaß, macht Sinn und wird von absolut sympathischen und unterstützenswerten Künstlern umgesetzt. Da hilft wohl nur eins: Nochmal gezielt Leute ansprechen, das Konzept erklären und verbreiten.

31 / 08 / 2011 - 20:48 Uhr - 1

Das Konzept steht – doch ist es Kunst?

Experiment, Ende der Konzepthase – Tag 23. Planung der Crowdfunding-Kampagne!

Zum Bild: Man nehme ein bisschen von Konzept 1 und 2, füge eine Prise aus Konzept 3 hinzu, schnüre das Ganze zu einem gut gewürzten Paket zusammen und gebe es dann vorsichtig in den Startnext-Inkubator!

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Anna schreibt:

Am Ende der Einreichphase waren wir doch überrascht über die Anzahl und Durchmischung der Ideen für unser Crowd-Experiment: Insgesamt 28 Ideengeber haben sich auf jovoto beteiligt und sich mit dem Thema des Wettbewerbs “Friend, Foe, Fan, Follower and everything in between” aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auseinandergesetzt. Nachdem die Community in den letzten 3 Wochen die Ideen kommentiert und bewertet hat, steht jetzt die Gewinneridee fest: Gewonnen hat die Gunst der Community die Idee der Grafikdesignerin mit dem Usernamen “AnnaNuthaThang” mit der Idee “digital confessions” . Es geht wie der Titel schon andeutet darum, dass wir in der scheinbaren Anonymität des Internets gern viele dunkle Sünden preisgeben, die wir im realen Leben gerne mal verschweigen. In der Installation “digital confessions” werden für den voyeuristischen Blick der Besucher diese Sünden visualisiert.

Schwierig bei der Gewinneridee ist allerdings die nun folgende Umsetzung, das Crowdfunding und die Vorbereitung der Ausstellung vor Ort: “AnnaNuthaThang” lebt in San Diego und damit kann sie ihre Idee nur in Kooperation mit anderen Usern umsetzen, die zumindest in der Nähe von Berlin, dem Ort der Ausstellung des geplanten Kunstwerks, sind. Schon während der Konzepthase haben wir gemerkt, dass sich die Konzepte teilweise inhaltlich überschneiden, so dass eine Verbindung von manchen Ideen das Konzept rund machen könnte. Die User “tyby82″ aus Constanta (Rumänien) und “_Maya” aus Düsseldorf konnten sich schnell dafür begeistern, dass es spannend wäre, ihre drei Ideen zu verbinden. Die Idee von “_Maya” mit dem Projekttitel “Now Showing how” wurde von der Community auf den 2. Platz gewählt. In ihrer Vorstellung verwandelt sich der Ausstellungsort in ein “Praktikum lab”, in dem jeder an einem kleinen Mini-Praktikum teilnehmen kann oder eins geben kann. Im Praktikum Lab kann ich also kleine Dinge lernen, die ich schon immer wissen wollte oder auch mein Wissen als Mentor im Praktikum lab weitergeben.
Der User “tyby82″ hat eine ähnliche Idee wie “digital confessions” in den Wettbewerb eingebracht: die “The Whishing wall”. Sein Idee kann man sich vorstellen, wie ein großes Schwarzes Brett für Wünsche (sh. Bild).

Alle drei Ideengeber feilen nun an DEM Konzept für die Ausstellung, bei der alle drei Ideen miteinander kombiniert werden. Eins steht aber mit der Wahl der Community jetzt schon fest: Die Themen Crowdsourcing und Schwarmintelligenz werden eine große Rolle bei der Ausstellung im September spielen. Wir sind gespannt, wie das finale Konzept aussieht, sobald das steht – werden wir es natürlich bekanntgeben und die Crowdfunding-Kampagne auf Startnext vorbereiten, damit wir mit der Phase 2 beginnen können.

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Nadine schreibt:

Schon erstaunlich. Dieses Kunstwerk – wenn es dann im September so weit ist – entstand dann in einem kollaborativen Prozess und wurde durch Mikro-Spenden von seinen Unterstützern finanziert.

Kein genialer Autor, der ein Werk aus sich heraus erschaffen hat. Kein Mäzen oder Sammler, der eine Fantasiesumme für ein Werk zahlt um es anschließend zu besitzen.

Stattdessen: Multi-Autorenschaft und die Demokratisierung der Produktion. Prozess, Partizipation und Transparenz sind Leitbilder, die durch das Internet von abstrakten Ideen zu gelebter Realität wurden und nun auch vor der Kunstwelt nicht halt machen.

Aber ist Kunst ohne Autor und ohne abgeschlossenes Werk dann überhaupt noch Kunst?

Da wo wir uns rumtreiben (Im Netz) hat es sich inzwischen jedenfalls gründlich erübrigt, von Kunst zu sprechen. Wo Bilder und Videos in sekundenschnelle herumgereicht und ge-remixed werden, wo tausende Meinungen jederzeit aufeinanderprallen und sich einander anheften, versendet sich jede künstlerische Intention. Die Botschaft kann nur noch im Auge bzw Hirn des Betrachters entstehen. Künstler ohne Botschaft, Künstler wider Willen oder per Zufall, deren eigentliches Bedürfnis schlicht darin liegt, dieser Welt etwas eigenes hinzuzufügen: nennen wir sie “Creators.”

Die Creators pusten ihre kleinen Beiträge hinaus, und durch das Internet können diese (egal ob zufällig aufgenommenes Katzenvideo oder absolut professionell umgesetztes Comic) ein begeistertes Publikum finden. Das Tolle ist, dass dieses Publikum nicht zum stillen Genuss verdammt ist, sondern mitmachen kann, und durch Kommentare, Remixe und Spenden “Ihre” Kunst weiterleben lässt.

Schöne neue (Kunst)Welt!

18 / 08 / 2011 - 12:49 Uhr - 0

Crowdsourcing + Crowdfunding = Co-Creation

Bild: Konzeptbild von “_Maya” für Now Showing How

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Experiment, Konzeptphase – Tag 17. Jetzt bewerten!
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Nadine schreibt:

In den letzten Tagen hat sich ganz schön was getan! Noch 13 weitere Vorschläge sind eingetrudelt, es wird schwierig, sich zu entscheiden. Vor allem 3 neue Konzepte haben es der Community angetan, darunter zum Beispiel die Idee von “_Maya”: Now Showing How. Hier geht es um eine Aktion, in der “Praktikanten” mit “Mentoren” zusammengebracht werden. Jeder kann ein Kursangebot einreichen aber auch Kurse besuchen. So kommt man zu einer unverhofften intensiven Lernerfahrung und zu der Überlegung, welche Fähigkeiten oder welches Wissen man eigentlich selbst hat, und wie man diese anderen weitergeben kann.

Es haben sich auch einige Künstler-Teams zusammengefunden. So hat z.B. “Voto” nun mit der Hilfe von “Thirdbase” das Konzept Frame of Fame weiter ausgefeilt. Es ist jetzt tatsächlich viel stärker geworden!

Es sind jetzt noch 2 Tage Zeit, um für das Konzept zu stimmen, was während der Social Media Week umgesetzt werden soll. Klicken Sie hier um auch mit abzustimmen.

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Anna schreibt:

Die Idee für unser Experiment ART MADE BY THE CROWD kam Nadine und mir, weil wir uns täglich mit den Dimensionen des Crowdsourcings und damit mit neuen Formen der Realisierung kreativer Projekte auseinandersetzen. An den Projekten oder Ideen auf unseren Plattformen jovoto oder Startnext können wir beobachten, dass die Entwicklung und Realisierung von kreativen Ideen zunehmend ein gemeinschaftlicher Akt wird oder werden kann, wenn es denn gewollt ist.

Diese neue Formen der kollaborativen Zusammenarbeit im Netz, werden unter dem Begriff Crowdsourcing gesammelt: Der Begriff Crowdsourcing, eine Zusammensetzung von ‘Crowd’ und ‘Outscouring’ wurde erstmals 2006 von Jeff Howe, einem Autor vom Wired Magazine, geprägt. Beschrieben wird damit im Allgemeinen die Möglichkeit, Arbeits- und Kreativprozesse an die Masse der Internetnutzer – an die Crowd – auszulagern. Die Anwendungsmöglichkeiten von Crowdsourcing und die dazugehörigen Plattformen sind inzwischen vielfältig und können folgenden inhaltlichen Unterkategorien zugeordnet werden:

>> Crowd Wisdom: Die Community oder die ‘Weisheit der Vielen’ unterstützt die Organisation von Wissen.
>> Co-Creation: Die Community kreiert gemeinsam Inhalte oder ein kreatives Werk.
>> Crowdfunding: Die Community finanziert gemeinsam ein Projekt.
>> Crowd Voting: Die Community filtert und bewertet Ideen.

In unserem Kunst-Experiment tauchen alle Anwendungsmöglichkeiten des Crowdsourcings auf, so dass wir damit erforschen können, welche Chancen aber auch Grenzen Crowdsourcing für künstlerische Projekte haben kann. Im Zusammenhang mit unserem Crowd-Experiment stellen sich viele Fragen, mit denen wir uns in diesem Blog beschäftigen wollen. Dazu gehört beispielsweise die Frage nach der Urheberschaft von künstlerischen Ideen, die von oder in gemeinschaftlicher Arbeit der Crowd entstehen. „Unser geschichtliches Verständnis von Kunst ist geprägt von der Idee des einzelnen Schöpfers und der klaren Zuschreibung von kreativen Handlungen. Was passiert, wenn Ideen quasi durch Schwarm-Kreativität entwickelt werden? Wie formieren sie sich zu einer Aussage? Wie manifestieren sie sich zu einem Gesamtwerk?“ (Ela Kagel, Jury von Art: Made by the Crowd)

Die einzelnen Phasen unseres Experiments lassen sich den oben beschriebenen Unterkategorien zuordnen, obwohl die Grenzen der Kategorien natürlich fließend sind. Aktuell befinden wir uns in der Phase des Crowd-Votings: Die Community entscheidet, welche Idee für die Social Media Week im September umgesetzt wird. Wir sind gespannt, welche Idee die Stimme der Crowd bekommt!

12 / 08 / 2011 - 22:41 Uhr - 0

Crowdfunding + Crowdsourcing = Co-Creation

Bild: Konzeptbild von “madmax” und “stephanlaubert” zur Idee “Streamconnector”

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Experiment, Konzeptphase – Tag 14

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Nadine schreibt:

Es ist die 2. Woche in unserem Experiment, und bislang wurden 15 Vorschläge eingereicht. Es ist ein bisschen wenig, was mir Sorgen bereitet. Außerdem sind viele der Einreichenden nicht aus Berlin, manche gar nicht aus Deutschland… ob sich dort noch Teams zusammenfinden können?

In der Gunst der Community vorn liegt zur Zeit die Idee “confessions wall“. Der Grundgedanke des Konzepts ist der: In einer Art quasi-religiösem Ritual sollen soziale Sünden gebeichtet werden. Durch die gemeinsame voyeuristische Freude an den Sünden der anderen (die vielleicht den eigenen gar nicht so unähnlich sind…) stärkt sich die Gemeinschaft. Die Idee wurde von der Designerin eingereicht, die sich AnnaNuthaThang nennt. Sie kommt aus San Diego! Wenn wir uns für ihre Idee entscheiden, dann muss es einen Partner vor Ort in Berlin geben.

Andere Konzepte, die ich interessant finde, sind: Ein Bilderrahmen, in den jeder seine eigenen Inhalte projezieren kann, ein endloses Kunstwerk, an das jeder einen Teil hinzufügen kann, und eine aus langen Schläuchen bestehende Rauminstallation, die gleichzeitig als Möbel dient und die man in unterschiedlichen Konstellationen miteinander verknüpfen kann.

Mitmachen!

Aber schauen Sie selbst in unser Konzeptionslabor und mischen Sie sich ein, ein paar Tage haben Sie noch Zeit! Leben Sie in Berlin? Was für eine Installation würden Sie im September gerne besuchen?

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Anna schreibt:

Um was es hier geht? Nadine und ich (lesen Sie mehr über uns auf der Autorenseite) leiten ein Experiment. Wir wollen herausfinden, ob es möglich ist, ein Kunstwerk “Made by the Crowd” entstehen zu lassen.

Über das Internet laden wir Künstler ein, Konzepte für eine Rauminstallation einzureichen Anders als in herkömmlichen “Call for Artworks” werden die Konzepte aber nicht einer Jury übergeben, sondern online auf der Kollaborations-Plattform jovoto präsentiert. Die Teilnehmer können sich gegenseitig Feedback geben und entscheiden am Ende auch gemeinsam, welches Konzept am vielversprechendsten ist und umgesetzt werden soll. Auch was die Finanzierung der Realisierung betrifft, setzen wir auf die “Crowd”: Über Startnext, einer Plattform die Künstlern und Kreativen die Möglichkeit gibt, ihre Projekte über Mikrospenden zu fianzieren.

Für diesen ganzen Prozess, von Entwicklung bis Realisierung des Kunstwerks haben wir bis Mitte September Zeit: 3 Wochen für die Ideenfindung und das Konzept, 4 Wochen für das Crowdfunding und 2 Wochen für die Umsetzung und Ausstellung des Kunstwerks auf der Social Media Week in Berlin (19. -23.09.2011). Aktuell befinden wir uns in der 1. Phase, der Ideenfindung  … und noch haben Künstler und alle die es werden wollen 3 Tage Zeit um ihre Konzepte  auf jovoto einzureichen und die Konzepte der anderen anzuschauen und zu bewerten. (Bitte fleißig weitersagen!).

Und das Thema?

Das Thema lautet: „Friend, Foe, Fan, Follower: and everything in between“. Gefragt sind künstlerische Beiträge zum Thema, wie das Internet die sozialen Beziehungen verändert und was das für unsere Kommunikation und Selbstwahrnehmung bedeutet. Ob eine Performance oder eine Installation zu sehen sein wird, ob das Ganze auf einem technischen Interface basiert oder Besucher vor Aufgaben und Herausforderungen stellt ― das entscheiden die Künstler selbst. Experten aus dem Kunst- und Kollaborationsbereich begleiten den Prozess als advisor – mit dabei sind Ela Kagel (Kuratorin transmediale), Michelle Thorne (Mozilla Fundation) und Tobias Leingruber (Medienkünstler).

In den nächsten Wochen werden wir laufend aus unserem Testlabor berichten und von den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten des Crowdsourcings in der Kunst berichten. Wir freuen uns natürlich immer über eure Fragen, Ideen oder Anregungen dazu!

08 / 08 / 2011 - 19:09 Uhr - 0