28 / 03 / 2014 - 22:52 Uhr

Ausstellungen, die ich leider verpassen werde (2): The Mirror of Race

Das Fotoblog

"The Scourged Back” (Gordon)", hand colored glass slide, copy of a carte de visite, carte de visite, 1863; glass slide copy, 1891, Collection: Joan Gage

"The Scourged Back” (Gordon)", hand colored glass slide, copy of a carte de visite, carte de visite, 1863; glass slide copy, 1891, Collection: Joan Gage

Ein Sklaventreiber namens Abraham schaut entschlossen in die Kamera, die Peitsche fest in der rechten Hand. Ein anderes Foto zeigt den völlig vernarbten Rücken des ehemaligen Sklaven Gordon, der von seinem früheren Besitzer misshandelt wurde.

“Abraham, Slave Master”, ambrotype, circa late 1850s, Collection: Cowan’s Auctions

“Abraham, Slave Master”, ambrotype, circa late 1850s, Collection: Cowan’s Auctions

Die Adams Gallery der Suffolk University in Boston zeigt beeindruckende Fotografien in ihrer aktuellen Ausstellung: The Mirror of Race: Seeing Ourselves through History. Mit Hilfe alter Fotografien aus dem 19. Jahrhundert werden die komplizierten und oft gewaltsamen Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Ethnien in den Vereinigten Staaten thematisiert.

Die Ausstellung beinhaltet aber auch subtile Bilder, wie die Hand des Sklavenbefreiers Captain Jonathan W. Walker, dem die Buchstaben “S.S.” in die Handfläche gebrannt wurden. Die Narben sind nur bei genauem Hinsehen erkennbar. “S.S.” steht für “Slave Stealer”. Walker war einst bei dem Versuch festgenommen worden, sieben befreite Sklaven auf die Bahamas zu bringen, wo die Sklaverei bereits abgeschafft war.

Ambrotype, circa 1860, Collection: Greg French

Ambrotype, circa 1860, Collection: Greg French

Der Spiegel der Geschichte

Betrachtet man eine Daguerreotypie, die erste erfolgreiche Aufnahmetechnik der Fotografie, sieht man zunächst einmal – nur sich selbst. Die silbern spiegelnde Oberfläche gibt das Bild erst frei, wenn man sie aus einem bestimmten Winkel betrachtet. Dann offenbart sich allerdings ein gestochen scharfes Bild von überwältigender Detailfülle.

Den Effekt, der sich überlagernden Zeitschichten, wählten die Macher von “Mirror of Race” bewusst als Metapher für ihr ambitioniertes Projekt. Versuchen sie doch anhand von Fotografie ein Bewusstsein für die Rassenproblematik zu schaffen und dabei eine Verbindung zur heutigen Zeit herzustellen. Nicht nur, weil der Betrachter sich selbst im Spiegel dieser historischen Bilder sieht, sondern auch weil viele rassistische Traditionen und Stereotypen bis heute weiterleben.

Gegründet wurde Mirror of Race 2001 vom Philosophieprofessor Gregory Fried, dem Musiker Derek Burrows und Greg French, der eine der größten Sammlungen früher amerikanischer Fotografien besitzt, die sich mit der Rassenproblematik beschäftigt. Dabei handelt es sich bei “Mirror of Race” um eine ständige Online-Ausstellung. Man kann dort jedes Bild einzeln betrachten und vergrößern, erfährt Fakten zum Abgebildeten, der Fototechnik, den geschichtlichen Hintergrund, aber auch tiefergehende Interpretationen unterschiedlicher Wissenschaftler.

Doch was geschieht, wenn diese kleinen Objekte, die ursprünglich für den intimen, privaten Gebrauch gedacht waren, plötzlich im Ausstellungskontext präsentiert werden? Fried bestätigt, dass dies ein wichtiger Punkt bei ihrer Ausstellungskonzeption gewesen sei. So sehe der Betrachter erst einmal nur das Bild. Zusätzliche Informationen sind hinter Abdeckungen verborgen und müssen aktiv entdeckt werden. So entwickele der Betrachter eigene Gedanken zum Foto, die er dann mit den Bildunterschriften abgleichen könne, so Fried. Gleichzeitig böten die Bilder aus dem vorvergangenen Jahrhundert aber auch die Möglichkeit über den heutigen Rassismus auf einer anderen Ebene zu diskutieren, ohne sich direkt selbst schuldig, wütend, bedroht oder verlegen zu fühlen. Eine der Hauptmotivationen für die Initiatoren.

Die Adams Gallery zeigt eine Auswahl aus Frenchs Sammlung und diverse Leihgaben. Die Ausstellung läuft noch bis zum 18 Mai. fd

Anonymous man in Ku Klux Klan uniform and gear, carte de visite: albumen print, 1868, Collection: Greg French

Anonymous man in Ku Klux Klan uniform and gear, carte de visite: albumen print, 1868, Collection: Greg French

anonymous men, tintype, 1880s, Collection: Greg French

Anonymous men, tintype, 1880s, Collection: Greg French

Anonymous man in blackface, tintype, circa 1865 , Collection: Gregory Fried

Anonymous man in blackface, tintype, circa 1865 , Collection: Gregory Fried

28 / 03 / 14 - 22:52 Uhr

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