21 / 07 / 2012 - 19:44 Uhr
Kunstkritik nur im Notfall? Ein kreativer Protest
Baden Brothers
Unter dem Aspekt der Notfallkritik hat sich zur Eröffnung des Sommerlochs der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ein Podium zur Diskussion aktueller Kunst eingefunden. Im Zentrum der Debatte standen ausgewählte Bilder und dazugehörende Statements der Studierenden, die sich mit den beiden Ausstellungen Berlin Biennale 07 und dOCUMENTA (13) beschäftigten. Die Kunstkritik, die Thema und Gegenstand eines vorangehenden Seminar im Fachbereich Kunstwissenschaft gewesen ist, hatte in der Runde ihre Argumente zu finden, um beide Ausstellungen zu beurteilen. Um es vorweg zu sagen: Die dOCUMENTA (13) kam dabei besser weg, doch braucht es offenbar die Negativfolie der BB07, um den ästhetischen Widerstreit erfahrbar zu machen. Mehr dazu im Video (siehe unten). Zu guter Letzt kommt die Kritik aus den eigenen Reihen, wenn wir ernüchtert feststellen müssen, dass die Kunst – so formuliert es der Künstler Thierry Geoffroy – im Notfall immer zu spät kommt: „The Contemporary is always too late“ oder „Emergency will replace the contemporary“. In Kassel wurde dieser kreative Protest nun zensiert. Der als „Biennalist“ bekannte französische Künstler Thierry Geoffroy hat guten Grund, sich zu echauffieren: Sein künstlerischer Beitrag zur dOCUMENTA (13) in Kassel ist entfernt worden. Er selbst spricht von Zensur. Die dOCUMENTA (13)-Geschäftsführung weiß von nichts. Auf der Künstlerliste der Ausstellung ist Thierry Geoffroy nicht zu finden. Was ist passiert? Pünktlich zur Eröffnung der Kasseler Ausstellung hatte sich der Künstler unters Pressevolk gemischt und mit seinem Blauhelm die Konturen der pazifizierenden Absicht der dOCUMENTA (13) vorgezeichnet,
deren offizieller Ableger in Kabul nun seiner Tore für ein kunstinteressiertes afghanisches Publikum geöffnet hat. Während die internationale Kritik durch die Hallen der Ausstellung streifte, um das kuratorische Konzept der Schau ausfindig zu machen, setzte Thierry Geoffroy sein künstlerisches Statement vor dem Fridericianum auf den Rasen: Ein grünes Campingzelt, welches seit einiger Zeit als mobiles Instrumentarium des Künstlers bekannt ist und ein rhetorisches Obdach seiner Thesen bildet. Auf die Plane der künstlichen Behausung sprüht Thierry Geoffroy gewöhnlich einprägsame Slogans. In Kassel war dies eine die Aktualität der Kunst befragende These: Wie darf sich Kritik an der dOCUMENTA (13) äußern? Wer kuratiert die Kritik? Was wurde nicht gezeigt? Sind manche Protestanten besser als andere? Warum ist nicht jede Kritik erwünscht? Wird die nächste documenta von einem Mobiltelefon kuratiert? Warum ist der Slogan „Fight Capitalism“ beliebter als „I’m not working for the tourist office“?
Bezeichnenderweise hat sich neben der „Dependance“ der praktischen Kunstkritik sehr bald das Camp der Kapitalismus-Kritik-Bewegung niedergelassen und mit dem Neologismus „dOCCUPY“ eine nette Vermischung bedeutender Lexeme betrieben. Dies blieb nicht ohne Wirkung, denn wenige Wochen später erfuhr das Protester-Camp offiziell Anerkennung mit einem vom Pressebüro der dOCUMENTA (13) veröffentlichten Willkommensgruß. So weit, so konform. Man will es sich mit der campierenden Bürgerwehr nicht verscherzen.
Und da es die Berlin Biennale schon vorbildlich vorinszenierte, ist OCCUPY nun auch vor dem Fridericianum geduldet. Das ist erfreulich und beweist politische Umsichtigkeit, zumal in den (Finanz-)Hauptstädten schon staatliche Räumungskommandos die liebreizenden Mahnwachen übermannt und aus der Aufmerksamkeitszone deportiert haben. Doch wie geht man vor der dOCUMENTA (13) mit ernsthafter Kritik am Kunstsystem um?
Der spanische Künstler José Luis Bongore hat die Überreste des protestierenden Zeltes von Thierry Geoffroy im Keller des Fridericianums gefunden. Das Zelt, mittlerweile von einem Obdachlosen bewohnt, war just vom Erdboden verschwunden, als unsere Exkursion mit Studierenden der HfG Karlsruhe am 21. Juni die Ausstellung besuchte. Über Nacht, wie üblich bei solchen Aktionen, war der unliebsame Sloganträger mitsamt Gastinventar verbannt worden. Der Künstler schickt der Aktion nun einige Fragen hinterher, die das Zelt virtuell ersetzen: Can some protesters be better than others or more useful? Is it a question of slogan ? There are welcomed protesters and not welcomed. Some that get their thinks confiscated and some that can be used for the newsletter. What are the criteria of selection ? Can protesters be curated? Is it ok to use some protesters for communication purpose? Is it a question of aesthetic?
Über diese und weitere Fragen hat sich das Kunstwissenschaftspodium laute Gedanken gemacht, die unter folgendem link in einem Mitschnitt nachverfolgt werden dürfen. (link folgt)
21 / 07 / 12 - 19:44 Uhr
9 Leserkommentare vorhanden
It is reconforting that Karlsruhe academics are working on this critic subject and Sebastian Baden posted this well done blog . It is actually interesting to see how a critic of documenta seems to be not welcome , I thought critics within should be a way to show passion and respect for this well respected staged event . Bring a critic to documenta is like to bring a present to a birthday party , you must ! .There is a good guru – list of official- critical – artists at documenta but unfortunately they are lubricating more than questioning the frame inviting them , but maybe I miss something .
This work is in affiliation with the Biennalist format that question cultural staged events and measuring the distance between their press release and what they actually do
http://www.emergencyrooms.org/biennalist.html
In fact we will have been interested to activate the format Emergency Room for documenta ( beside the biennalist )
but the proposition was not accepted
http://www.emergencyrooms.org/
Emergency Room for 100 days was not possible at documenta ( why not ?) . Many institutions have difficulties to commission within themselves critical platform activate in ultracontemporay mod . We ( with the 400 artist from Emergency Room would have been interested to spend effort on looking at emergencies in real time and show how the format can function as we have ( also ) to look at today – today , but that kind of art is not the matter here . as what is going on is subject to guidance ( furhung ) and precise culture politic .
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i will take the chance to add some links and details to add index to the well done blog :
Emergency Room is that friend with the word creativity
it is just I have the feeling that creativity is something that scary societies see as a positif value , but it is connect to advertising domination ,like what is called the ” win win ” .
creativity is a method , a trick , it is not art , it is a state of creating no matter what consequence can be
not sure in German what kreativ means
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” the Emergency will replace the contemporary ” : is actually not a protest but a prediction of what is happening and will happen more
it is not even a warning it is a constatation
Can art be in advance of the broken arm ?
——
the blue helmet is a character that represent a metaphor of the artist in Kassel ( or Kabul ) a personage working for the Kassel tourism office , and an occassional peace keeper looking without adequat question branded good .
how ever the question is
“Does the artist has a role or a function ”
( should he be send on mission like selling more hotel room in Kassel or mission on Kabul )
http://www.facebook.com/pages/Do-Artists-have-a-Role-or-a-Function-/153651754657289
and can we trust a soldat just because he has use blue paint ?
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the photo of the paper in bad condition is from the serie “self censure ”
more to come on tha
Dass es dem Kollegen Thierry Geoffroy nicht anders erging als mir 2007, als ich mein die documenta zum Klimaflüchtligslager ausrief, wundert mich nicht. Es gibt eben willkommene und ins Bild passende Formen der Kritik und solche, welche die documenta-Leitung nicht aushält. Das war übrigens nicht anders, als ich Obdachlose durch die d 11 geführt habe. der damalige Leiter Okwui Enwesor war gar nicht erfreut darüber und versuchte, meine Aktion zu verhindern. Erst, als Kamerateams von den mich begleitenden Medien erschienen, wand man sich herum und macht gute Mine zum kritischen Spiel.
Die documenta ist eben wie auch alle anderen Inszenierungen der etablierten Kunstszene eine Plattform von Interessenvertretern, die sich dem Machtgefüge derjenigen verschrieben haben, die mit ihrem Kapital unsere Gesellschaft zu beherrschen suchen. Künstlerische Störenfriede, die wirklich an die Wurzeln gehen sind da unerwünscht.
for monopoli it is rather calm !http://www.monopol-magazin.de/artikel/20105664/documenta-halbzeit.html
if you are interest in beeing involved in Thierry Geoffroy Colonel @ documenta critic part 2 please writte : 1@colonel.dk . we are interest in funding ( money for operation ) , developping and exposing the result of the critical work ( conference , publication , exhibitions )and people help as well = part 2 is getting prepared NOW as the Emergency is not finnish….
http://www.emergencyrooms.org/biennalist.html
In 2011 Biennalist work in Athens was supported by ZKM museum and Venice Biennale by Sprengel Museum Hannover
new development of the Biennalist @ Kassel .:
” THE NEXT DOCUMENTA SHOULD BE CURATED BY A TANK ”
here blog from Kopenhagen.dk
Kassel: Is committing self censure a solution?
Mean while we are following arab revolutions seeing every day terrifying reports of repression
Mean while we travel from politically engaged contemporary art show to the next
Mean while posting on Ai Wei Wei and Pussy Riot
Mean while we applaud the documenta enormous success …..( more …
http://kopenhagen.dk/magasin/blog-single/article/et-testindlaeg/
just launched Creative Time Report with Liam Gillick , Suzanne Lacy , Jean-Euphèle Milcé, Pedro Reyes ,Negin Farsad; Nato Thompson… .this month about Kassel ( Kassel a la Twin Peaks )
http://creativetimereports.org/2012/09/03/europe-looking-good-meanwhile-selling-dope/
Is dOCUMENTA designed to make people cry about something and not make them see something else?
Is the contemporary a distraction from the present?
Can art in delay have any impact with today?
Do we learn anything by seeing art shows reflecting on history?
Could 860,000 visitors have been intoxicated by an apathic gaze than keep them away from reacting?
Why is dOCUMENTA proud of having recieve no critic?
Why is proximity less important?
Why was dOCUMENTA in Kabul?
Can weapons designed to kill protesters sold to a repressing regime be contradictory to the support of the Arab Spring?
Is the contemporary like a flea market to avoid to debating the important topics of today?
Can art be in advance of the broken arm, and avoid accident?
Is the goal of dOCUMENTA to create a revolution or to entertain?
Is dOCUMENTA betterly done than Disney Land?
Is it better to watch Fox News for two years or to go to dOCUMENTA for two days?
If a curator, curating a contemporary art show about war, forgets to debate about the weapons factories next door, should it be considered as a professional mistake?
Is it OK to employ philosophers to promote vodka?
Is navigation a threat?
http://continentcontinent.cc/index.php/continent/article/viewArticle/112
“THE NEXT DOCUMENTA SHOULD BE CURATED BY A TANK ” new site : http://www.emergencyrooms.org/next_documenta_curated_by_tanks.html
















Ich weiß gar nicht, warum´s hier so fein zugeht!? Ich als mi...
Hallo Herr Maus, Ihre Bilder sind fantastisch gut. Vielen ...
Guter Bericht mit ausgezeichneten Fotographien über die Werk...
Classes are fun for kids. Musclehedz A cartoon series, stret...
Klamauck mit ck? Und von welchen "Massen" gehen die Veransta...
Hallo Herr Maus, ich finde es sehr schade, dass Sie Ihre...
Hervorragende Ausstellung!...
allet jute men jong :D...
Toller Artikel. Danke. Macht weiter so!...
Tony Craigg macht klasse Skulpturen. Bin immer wieder begeis...