18 / 08 / 2011 - 12:49 Uhr

Das Konzept steht – doch ist es Kunst?

Nadine Freischlad und Anna Theil

Experiment, Ende der Konzepthase – Tag 23. Planung der Crowdfunding-Kampagne!

Zum Bild: Man nehme ein bisschen von Konzept 1 und 2, füge eine Prise aus Konzept 3 hinzu, schnüre das Ganze zu einem gut gewürzten Paket zusammen und gebe es dann vorsichtig in den Startnext-Inkubator!

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Anna schreibt:

Am Ende der Einreichphase waren wir doch überrascht über die Anzahl und Durchmischung der Ideen für unser Crowd-Experiment: Insgesamt 28 Ideengeber haben sich auf jovoto beteiligt und sich mit dem Thema des Wettbewerbs “Friend, Foe, Fan, Follower and everything in between” aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auseinandergesetzt. Nachdem die Community in den letzten 3 Wochen die Ideen kommentiert und bewertet hat, steht jetzt die Gewinneridee fest: Gewonnen hat die Gunst der Community die Idee der Grafikdesignerin mit dem Usernamen “AnnaNuthaThang” mit der Idee “digital confessions” . Es geht wie der Titel schon andeutet darum, dass wir in der scheinbaren Anonymität des Internets gern viele dunkle Sünden preisgeben, die wir im realen Leben gerne mal verschweigen. In der Installation “digital confessions” werden für den voyeuristischen Blick der Besucher diese Sünden visualisiert.

Schwierig bei der Gewinneridee ist allerdings die nun folgende Umsetzung, das Crowdfunding und die Vorbereitung der Ausstellung vor Ort: “AnnaNuthaThang” lebt in San Diego und damit kann sie ihre Idee nur in Kooperation mit anderen Usern umsetzen, die zumindest in der Nähe von Berlin, dem Ort der Ausstellung des geplanten Kunstwerks, sind. Schon während der Konzepthase haben wir gemerkt, dass sich die Konzepte teilweise inhaltlich überschneiden, so dass eine Verbindung von manchen Ideen das Konzept rund machen könnte. Die User “tyby82″ aus Constanta (Rumänien) und “_Maya” aus Düsseldorf konnten sich schnell dafür begeistern, dass es spannend wäre, ihre drei Ideen zu verbinden. Die Idee von “_Maya” mit dem Projekttitel “Now Showing how” wurde von der Community auf den 2. Platz gewählt. In ihrer Vorstellung verwandelt sich der Ausstellungsort in ein “Praktikum lab”, in dem jeder an einem kleinen Mini-Praktikum teilnehmen kann oder eins geben kann. Im Praktikum Lab kann ich also kleine Dinge lernen, die ich schon immer wissen wollte oder auch mein Wissen als Mentor im Praktikum lab weitergeben.
Der User “tyby82″ hat eine ähnliche Idee wie “digital confessions” in den Wettbewerb eingebracht: die “The Whishing wall”. Sein Idee kann man sich vorstellen, wie ein großes Schwarzes Brett für Wünsche (sh. Bild).

Alle drei Ideengeber feilen nun an DEM Konzept für die Ausstellung, bei der alle drei Ideen miteinander kombiniert werden. Eins steht aber mit der Wahl der Community jetzt schon fest: Die Themen Crowdsourcing und Schwarmintelligenz werden eine große Rolle bei der Ausstellung im September spielen. Wir sind gespannt, wie das finale Konzept aussieht, sobald das steht – werden wir es natürlich bekanntgeben und die Crowdfunding-Kampagne auf Startnext vorbereiten, damit wir mit der Phase 2 beginnen können.

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Nadine schreibt:

Schon erstaunlich. Dieses Kunstwerk – wenn es dann im September so weit ist – entstand dann in einem kollaborativen Prozess und wurde durch Mikro-Spenden von seinen Unterstützern finanziert.

Kein genialer Autor, der ein Werk aus sich heraus erschaffen hat. Kein Mäzen oder Sammler, der eine Fantasiesumme für ein Werk zahlt um es anschließend zu besitzen.

Stattdessen: Multi-Autorenschaft und die Demokratisierung der Produktion. Prozess, Partizipation und Transparenz sind Leitbilder, die durch das Internet von abstrakten Ideen zu gelebter Realität wurden und nun auch vor der Kunstwelt nicht halt machen.

Aber ist Kunst ohne Autor und ohne abgeschlossenes Werk dann überhaupt noch Kunst?

Da wo wir uns rumtreiben (Im Netz) hat es sich inzwischen jedenfalls gründlich erübrigt, von Kunst zu sprechen. Wo Bilder und Videos in sekundenschnelle herumgereicht und ge-remixed werden, wo tausende Meinungen jederzeit aufeinanderprallen und sich einander anheften, versendet sich jede künstlerische Intention. Die Botschaft kann nur noch im Auge bzw Hirn des Betrachters entstehen. Künstler ohne Botschaft, Künstler wider Willen oder per Zufall, deren eigentliches Bedürfnis schlicht darin liegt, dieser Welt etwas eigenes hinzuzufügen: nennen wir sie “Creators.”

Die Creators pusten ihre kleinen Beiträge hinaus, und durch das Internet können diese (egal ob zufällig aufgenommenes Katzenvideo oder absolut professionell umgesetztes Comic) ein begeistertes Publikum finden. Das Tolle ist, dass dieses Publikum nicht zum stillen Genuss verdammt ist, sondern mitmachen kann, und durch Kommentare, Remixe und Spenden “Ihre” Kunst weiterleben lässt.

Schöne neue (Kunst)Welt!

18 / 08 / 11 - 12:49 Uhr

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