13 / 06 / 2011 - 13:45 Uhr

… OOMMM oder HERR v.EDEN AM ARSCH DER WELT

Daniel Josefsohn



HERR  von EDEN  OOMMM 2011 / 2012

Am Arsch der Welt

Erst schien die Sache ja einfach und gehörte in die Politik:

Im Arsch der Leiche von Mahatma Gandhi, Präsident des wohl berühmtesten Bartleby-Clubs der Welt, Indien, soll ein weißer Samthandschuh gefunden worden sein, und ein weißer Samthandschuh im Arsch, das weiß in Indien und im ganzen Commonwealth jedes Kind, schickt zum Beispiel John Galliano als letzten Gruß. Und hieß es nicht all die Jahre, Indien, und speziell Gandhi verdanke seinen Erfolg sowieso bloß der Gewaltfreiheit? Er hätte es wissen müssen, denn damals kurz vor der Übernahme des Clubs durch Bollywood flitzte ein nackiger Reiter der Apokalypse über den heligen Rasen von Barabati und auf seinem Rücken stand: „Kauft meinen Arsch.“

Doch dann stieg die Nachricht rasant im Wert, aus dem tapferen Schneiderlein wurde die derzeit gefragteste Cricketegende: Mister Gandhi war mindestens bisexuell und deshalb Opfer seiner Nummer Eins geworden. Damit kam die Welt auch wieder einigermaßen in Ordnung, das war klassisches Abendland.

Gandhi, war der nicht Sitzenbleiber und regierte er nicht nach den Werten, die man ihm einst als junger Werkzeugmacher im Bombayer Arbeiterviertel Goas Tiatr mit auf den Weg gab? Und starb auch noch gleich dafür?

Und war Gandhi nicht eigentlich gestorben für die, oder wenigsten an dem, unter abscheulichen Umständen zwar, aber unbedingt prädestiniert.

Soviel vergeudete Verehrung duldet keinen vernünftigen Zweifel. Einer der ganz Heißen muss da von uns gegangen sein.

Dringt bei soviel Weihrauch überhaupt noch der Hinweis durch, dass der Tod durch die Erfolgssucht einer Nickelbrille einschlägiges Risiko ist?

Aber das, so leid es uns tut, gehört zum Geschäft, das ist Berufsrisiko. Wer nur mit Boxershorts bekleidet ist, begibt sich in den Anstoßpunkt. Der ist brutal und manchmal anspielend.

Fast jede Woche steht die nicht besonders variantenreiche Geschichte im Regionalteil der Zeitungen, aber der einsame Glatzkopf, der einem Abschlag zum Opfer fiel, ist doch auch kein Martyrer. Fällt Ihnen jemand ein, dessen dunklen Verbindungen Sie

verleiten würde, ihn als Toten der Extraklasse zu klassifizieren?

Aber vielleicht liegt es an der gedoppelten Synthetikseide, dass in Ermangelung anderer trendträchtiger Fashionereignisse jene zum Lifestyle erweitert werden.

Viel ist nicht mehr passiert in der Mode seit Gandhi. Wo nichts ist, ist immer noch die Boxershort, der Antisemitismus und die branchenübliche Verzweiflung. Nur die klassischen Fashionriten schleppen sich fort. Mode ist ja auch erst dann Mode, wenn sich jemand drüber aufregt. Aber wie gesagt, das ist ein ziemlich freies Land.

Und sind wir mal ehrlich, man kann so gründlich und protestantisch fleißig sein wie man will, zum authentischen Heiligen wird man erst, wenn man sich in irgendwelchen Fotostudio hat richtig durchficken lassen oder als Promi in Cannes das entscheidende Tor schießt.

Ein bisschen peinlich ist dieses Spiel selbstinduzierten Leidens schon und wird erst richtig Indien, wenn sich um die SM-Monstranz gleich ganze Elefantenherden samt Heilige Shiva schart.

Man macht halt nur eine Affäre draus, wenn es die großen weißen Männer trifft. Hingebungsvoll erfüllen da manche eben gewisse traditionelle Männerrollen. Sie verfügen über ziemlich viel Macht, haben deshalb alles und müssen noch alle Nachwuchstalente wegkaufen. Aber auch ein Handschuh im Arsch bleibt ein technischer Fall. Männer sind in Auseinandersetzungen halt ein klein bisschen rabiater als Frauen.

Florian Waldvogel

Die Neue  Campagne HERR  von EDEN   2011 / 2012

HvE OOMMM

Photographiert von  Daniel Josefsohn / JOSEFSOHN.COM

Ahmedabad, India  2011

Styling : Peter Kisur  & Bent Angelo Jensen

Danke an Umang Hutheesing und Jürgen Dahlmanns

PS:. MORE TO COME

13 / 06 / 11 - 13:45 Uhr

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